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Elektromobilität

Zukunftskonzept: Ladesäule von Urban Electric versinkt im Gehweg

von Peter Michaely

Elektromobilität in Großbritannien: Das Start-up Urban Electric baut versenkbare Ladesäulen und die Regierung integriert E-Tankstellen in Straßenlaternen.

Ein Gehweg in Oxford.
Um das Stadtbild nicht zu stören: In mehreren Städten in England könnten bald versenkbare Ladesäulen zum Einsatz kommen. Foto: Shutterstock / mmkarabella

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Ladesäule des Start-ups Urban Electric funktioniert
  • Wo die ersten Tests ab 2019 starten sollen
  • Wie das Zukunftskonzept auf die Erfahrung eines anderen Start-ups zurückgreift
  • Wie die britische Regierung die Attraktivität der E-Mobilität steigern will

Zukunftskonzepte können so einfach sein – dachte sich das im Juni 2017 in London gegründete Unternehmen Urban Electric und erfand eine versenkbare E-Ladesäule für dicht besiedelte Wohngebiete.

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Auf diese Weise soll sich die Verfügbarkeit von öffentlich zugänglichen Ladepunkten massiv erhöhen lassen. Sensoren stellen sicher, dass die Ladestation nur dann aktiviert werden kann, wenn keine Gefahr, etwa für Fußgänger, besteht. Ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Elektromobilität?

Ladesäulen stecken noch in den Anfängen

Zumindest der Papierform nach ist die Entwicklung des Start-ups vielversprechend. Per App lässt sich die in der Nähe des Bordsteins im Gehweg versenkte öffentliche Ladesäule UEone mit bis zu 5,8 kW Ladeleistung hochfahren. Sehr schnelles Laden und kurze Ladezeiten sind also bislang nicht möglich, was Urban Electric allerdings nicht als Problem betrachtet.

Der bequemste, günstigste und klimafreundlichste Weg, ein Elektroauto zu laden, ist über Nacht zuhause.

Olivier Freeling-Wilkinson, Gründer von Urban Electric

"Doch in teilweise bis zu 85 Prozent der Fälle ist das in einzelnen Ballungsräumen nicht möglich, weil die Bewohner ihre Autos auf der Straße abstellen müssen", fügt der Unternehmer hinzu. Genau hier setzt das Start-up an: Das Zukunftskonzept wurde speziell für jene 43 Prozent der britischen Haushalte konzipiert, deren Mitglieder ihr Auto in Anwohnerparkzonen abstellen müssen. Die Entwicklung soll für 90 Prozent aller Straßen in Wohngebieten geeignet sein.

Ein Zukunftskonzept auch fürs Parken

Die Ladesäule funktioniert nach dem Teleskopprinzip und braucht deshalb nur wenig Platz, auch unter der Erde: Die Einbautiefe liegt bei nur 40,5 Zentimetern. Ist der Ladevorgang beendet und das Ladekabel abgezogen, verschwindet die Ladestation wieder im Boden. Angenehmer Nebeneffekt des Zukunftskonzepts: Die Ladestationen verschandeln das Straßenbild nicht, sondern fungieren als unauffällige, bedarfsgerechte Ladepunkte.

Die Geschäftsführer des Start-ups, Olivier Freeling-Wilkinson und Keith Johnston, sehen daher als einen entscheidenden Nebeneffekt ihres Zukunftskonzepts, dass Anwohnerstraßen nicht unnötig verschandelt werden. Außerdem entfallen spezielle Elektroauto-Parkplätze.

Urban Electric startet erste Pilotprojekte

Noch fehlen Erfahrungen, ob das Know-how des Zukunftskonzepts sich in der Praxis bewährt. Doch erste Städte wie Oxford wollen als Investoren die Ladesäulen der beiden Gründer noch in diesem Jahr einem 600.000 Pfund teuren Praxistest unterziehen – mit 20 versenkbaren E-Ladesäulen in einer Oxforder Straße.

Weitere englische Städte wollen die Neuentwicklung ebenfalls testen. Eine Expansion in andere Länder und an weitere Standorte, darunter auch in Deutschland, plant das Unternehmen ab 2019. Unter anderem erhalten die Gründer Unterstützung vom Londoner Imperial College.

Konzept muss Zukunftsfähigkeit noch beweisen

Wie viel allerdings die Installation einer Ladesäule und ihre Anbindung ans Stromnetz im realen Alltagseinsatz kosten wird, ist noch ein Geheimnis des Start-ups. Eine entsprechende aiomag-Anfrage an die beiden Geschäftsführer blieb bislang unbeantwortet.

Herkömmliche Ladepunkte für Elektroautos sind um die 10.000 Euro teuer. Laut Urban-Electric-Homepage sollen Lieferung und Installation der öffentlichen Stromtankstellen für die Kommunen kostenfrei erfolgen. Mindestens 20 öffentliche Ladestationen sieht das Zukunftsprojekt pro Straße vor. Es ist also zu vermuten, dass Urban Electric sich über die Stromabrechnung finanzieren wird.

Stromabrechnung durch smartes Ladekabel

Klar ist nämlich bereits, wie sich das britische Unternehmen die Stromabrechnung für das Laden vorstellt. Das Start-up nutzt zur Versorgung der Elektrofahrzeuge das Ladekabel und die Erfahrung der deutschen Firma Ubitricity. Mit dem Ubitricity-Kabel ist auch das Aufladen an speziell umgerüsteten Straßenlaternen möglich.

Das sogenannte SmartCable soll Elektromobilität deutlich vereinfachen, weil es mit einem geeichten Stromzähler samt SIM-Karte ausgestattet ist. Für das Kabel kann ein individueller Stromvertrag abgeschlossen werden. Das System misst daraufhin exakt, wieviel Strom verbraucht wurde, die Rechnung kommt monatlich per Mail. An Ladesäulen anderer Anbieter gelten deren Abrechnungsbedingungen.

Ob das Urban-Electric-Projekt ein Erfolg wird und zur größeren Verbreitung von Elektroautos beiträgt, bleibt also abzuwarten. Interessant und vielversprechend ist ein solches Zukunftskonzept allemal.

Straßenlaternen als Ladesäule

Als weiteres Zukunftskonzept hat die britische Regierung selbst die Road to Zero Strategy lanciert. Die darin gebündelten Maßnahmen sollen dem Emissionsausstoß in urbanen Ballungszentren entgegenwirken.

Das Ziel: Ab 2040 sollen keine Fahrzeuge mehr mit Verbrennermotor verkauft werden und ab 2050 nahezu alle Autos und Vans emissionsfrei fahren. Als Voraussetzung für das Erreichen dieser Ziele müsse die Attraktivität der Elektromobilität gesteigert werden, heißt es in dem 147 Seiten langen Strategiepapier.

Unter anderem will die britische Regierung dafür sorgen, dass sämtliche Neubauten, unabhängig von deren Nutzen, über eine Ladesäule verfügen. Interessant ist diese Maßnahme vor allem deshalb, weil sie auch neu gebaute Wohnungen mit einbezieht. Aus dem Papier geht allerdings nicht hervor, wie genau die Umsetzung aussehen soll – ob etwa bei einem Mehrfamilienhaus lediglich eine Ladesäule oder eine pro Partei entstehen soll.

Wer hingegen seine bereits existierende Immobilie nachträglich mit einer Lademöglichkeit versieht, bekommt dafür finanzielle Unterstützung.

Gleiches plant die Regierung für noch nicht gebaute Straßenlaternen an öffentlichen Verkehrswegen. Überall dort, wo das Parken auf der Straße erlaubt ist, soll künftig Strom aus der Straßenbeleuchtung ins E-Auto fließen. Statt Fußwege zusätzlich zu den zahlreichen Verkehrsschildern und eben Straßenlaternen mit noch weiteren Hindernissen zu überfrachten, integriert die Maßnahme die Lademöglichkeiten in die bereits vorhandene Infrastruktur.

Insgesamt stellt die britische Regierung für den strukturellen Ausbau der Ladeinfrastruktur 400 Millionen britische Pfund bereit, umgerechnet etwa 451 Millionen Euro.

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