Leben

Zukunftsforscher Alex Steffen: Mehr Optimismus beim Klimaschutz!

von Alexander Cohrs

Immer schön positiv denken: Zukunftsforscher Alex Steffen spricht im Interview mit aio über seine ungewöhnlichen Mittel im Kampf gegen den Klimawandel.

Zukunftsforscher Alex Steffen beim MQ! von Audi.
Mit Optimismus gegen den Klimawandel: Die Waffe der Wahl von Zukunftsforscher Alex Steffen. Foto: AUDI AG

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum wir noch eine Chance haben, den Klimawandel zu stoppen
  • Wie auch Menschen auf dem Land von mehr Nachhaltigkeit profitieren
  • Was die Städte in den USA noch von Europa lernen können

Schon die Berufsbezeichnung ist aufsehenerregend: "Planetary Futurist" nennt sich Alex Steffen – auf deutsch bedeutet das so etwas wie "planetarischer Zukunftsforscher". Der US-Amerikaner kämpft gegen den Klimawandel und für mehr Nachhaltigkeit. Seine These: Wir müssen uns eine überzeugende, positive Zukunft vorstellen – denn nur was man sich vorstellen kann, kann man auch umsetzen.

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Alex Steffen ist in den USA vor allem mit seinem Buch "Carbon Zero: Imagining Cities That Can Save The Planet" bekannt geworden und tritt unter anderem als Redner auf. aio sprach mit ihm am Rande des MQ! Innovation Summit in Ingolstadt.

Nachhaltigkeit ist heute viel einfacher zu erreichen

aio: Obwohl Sie gegen den Klimawandel kämpfen, klagen Sie nicht darüber, sondern wollen die Menschen stattdessen mit Optimismus zu mehr Nachhaltigkeit bringen. Wie geht das denn?

Alex Steffen: In dieser Zeit, in der es so viele große und deprimierende Probleme gibt, halte ich Optimismus tatsächlich für ein gutes Werkzeug. Unsere Gehirne sind zu sehr auf Probleme geeicht! Hilfreicher ist es, sich zu fragen: Was sind die guten Kräfte? Was sind die Dinge, die es uns erlauben, die Situation zu ändern?

Aber angesichts von Luftverschmutzung, abschmelzenden Polkappen und steigenden Meeresspiegeln: Wie lässt sich so ein Optimismus denn überhaupt erreichen?

Für mich fängt Optimismus damit an, dass wir klarer verstehen, was überhaupt möglich ist. Die gute Nachricht ist, dass heute viel mehr disruptive nachhaltige Entwicklungen möglich sind als noch vor zehn Jahren. Teilweise durch Technologien wie Elektroautos, regenerative Energien und nachhaltiges Bauen; aber andererseits auch durch bessere Geschäftsmodelle und bessere Gesetze.

Ich stelle zudem auch einen Kulturwandel fest. Wir kommen aus einer Zeit, in der Entscheidungsträger fast ihre gesamte Karriere nach den Modellen des 20. Jahrhunderts gelebt haben. Inzwischen gibt es aber auch Politiker, die mit dem Internet arbeiten, den Klimawandel verstehen und eine stärkere globale Sichtweise haben. Das alles hilft ihnen, die Dinge anders zu sehen.

Zukunftsforscher Alex Steffen (l.) im Interview mit aio-Chefredakteur Alex Cohrs-Henschel.
Zukunftsforscher Alex Steffen (l.) im Interview mit aio-Chefredakteur Alexander Cohrs-Henschel. Foto: AUDI AG

Klimaschützer müssen einen besseren Job machen

Klar, auf der einen Seite gibt es solche Politiker; auf der anderen Seite erleben wir aber auch Kräfte, die das Erreichte zurückdrehen wollen – Politiker wie Donald Trump, die das Pariser Abkommen aufkündigen oder andere, die den Klimawandel sogar komplett verleugnen. Woher kommt diese Entwicklung?

Ein Teil davon ist Absicht. Es gibt extrem starke Versuche, die öffentliche Debatte zu beeinflussen, vor allem in den USA – und vor allem von den Unternehmen, die fossile Brennstoffe abbauen.

Manche Menschen haben das Gefühl, dass von der Nachhaltigkeit nur andere profitieren.

Zukunftsforscher Alex Steffen

Aber es gibt auch eine kulturelle Komponente: Der Kampf gegen den Klimawandel und für die Nachhaltigkeit wird oft mit Entwicklungen verbunden, die ältere oder konservative Menschen ablehnen. Manche haben das Gefühl, dass davon nur andere Menschen profitieren und sie selber zurückbleiben. Das deckt sich teilweise mit Menschen, die durch den Strukturwandel ihren Job verloren haben oder unter den Problemen der Landwirtschaft leiden.

Können diese Menschen denn noch erreicht werden?

Auf einer strategischen Ebene glaube ich, dass es vor allem um Gesetzesänderungen geht und nicht so sehr darum, alle diese Menschen zu überzeugen – es gibt ja so viele andere Menschen, die einen Wandel wollen. Wenn es aber um die Gesellschaft geht, dann glaube ich schon, dass wir, die gegen den Klimawandel kämpfen, da einen besseren Job machen könnten. Wir sollten eine Zukunft aufzeigen, in der die Menschen, die sich heute zurückgelassen fühlen, wieder mitgenommen werden können.

Können Sie das genauer erklären?

Naja, im Moment wird über Innovation und Nachhaltigkeit immer im städtischen Zusammenhang gesprochen. Aber natürlich können wir auch für ländliche Gebiete viel machen, zum Beispiel den Bauern günstige Energie aus Windrädern liefern. Wir könnten aufzeigen, wie nachhaltige Landwirtschaft und regenerative Energien das Leben auf dem Land verbessern. Da gibt es viele Dinge, aber im Moment wird diesen Möglichkeiten relativ wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

Ihr Buch "Carbon Zero" beschäftigt sich damit, wie sich die Städte in den USA ändern müssen. Wie würde Ihre Diagnose für europäische Städte ausfallen?

Der große Unterschied ist: Viele Dinge, die sich in den USA ändern müssen, sind in europäischen Städten schon umgesetzt. Weil sie enger besiedelt sind, gibt es viel mehr Bemühungen um öffentlichen Nahverkehr, Fahrradfahrer und Fußgänger.

Nachhaltige Lösungen werden sehr schnell sehr viel billiger werden.

Alex Steffen

Viele Dinge sind aber auch global gültig. Die hohe Geschwindigkeit der Urbanisierung bedeutet, dass der Markt für nachhaltige Lösungen extrem stark wächst. Als Folge daraus werden diese Lösungen viel schneller viel billiger als die meisten von uns denken.

Gleichzeitig haben China und Indien verstanden, dass sie sich nicht nach einem Modell aus dem 20. Jahrhundert entwickeln können. Um Wohlstand und Gesundheit zu erreichen, gehen sie einen ganz anderen Weg.

Nachhaltige Mobilität mit dem Elektroauto

Wie kann ich persönlich meine Mobilität nachhaltiger gestalten – gerade wenn ich auf dem Land wohne und nicht in einer großen Stadt?

Es gibt gewissermaßen eine Hierarchie von Mobilitätslösungen. Die beste Lösung ist natürlich: Sei nicht in der Situation, ein Auto zu brauchen. Die nachhaltigste Fahrt ist immer noch die, die du gar nicht erst antrittst.

Aber viele Leute brauchen nun mal ein Auto. Da ist der erste Schritt ein Elektroauto. Selbst, wenn es nicht mit regenerativen Energien angetrieben wird, hat es immer noch viele Vorteile – alleine über seine höhere Energieeffizienz. Die noch bessere Lösung ist dann, das Auto mit sauberer Energie zu betreiben.

A propos Elektroauto: Bewegt sich die Autoindustrie da schnell genug?

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Wäre ich in dieser Industrie, würde ich mir jedenfalls Gedanken machen, ob ich mich schnell genug ändere, um neuen Wettbewerbern standhalten zu können. Und wäre ich ein Automanager, würde ich folgender Frage sehr viel Aufmerksamkeit widmen: Was passiert, wenn Elektroautos in kurzer Zeit weltweit von einem Prozent Marktanteil auf zehn oder 15 Prozent kommen?

Immerhin gibt es bereits heute eine starke kulturelle Nachfrage nach Elektroautos. Ich bin alt genug, mich daran zu erinnern, wie es früher war. Da musste man wirklich ein Idealist sein, um ein Elektroauto zu fahren...

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