Technik

Zukunft der Deutschen Bahn: Digitalisierung mit ETCS-Technik

von Paul Bandelin

Eine Studie auf der InnoTrans zeigte: Die Umrüstung zur Signaltechnik ETCS ist ein wichtiger Meilenstein für die Digitalisierung der Deutschen Bahn.

Ein ICE fährt aus dem Kölner Hautbahnhof aus.
Die Strecke von Köln nach Frankfurt a.M. ist eine der ersten, die die Studie des Verkehrsministeriums für die Umrüstung vorsieht. Foto: Shutterstock/Horacio Garcia Martin

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Digitalisierung der Deutschen Bahn die Kapazität des Streckennetzes um bis zu 20 Prozent erhöhen könnte
  • Warum die neue Leit- und Signaltechnik ETCS so effektiv für den Bahnverkehr ist
  • Wie viel Geld die DB in die Modernisierung und die Zukunft der Bahn steckt

Auf der InnoTrans 2018 in Berlin stellte das Verkehrsministerium erstmals eine Studie zur ETCS-Technologie vor. Darin heißt es, digitale Stellwerke und eine neue Signaltechnik würden die Kapazität auf dem deutschen Streckennetz um insgesamt ein Fünftel erhöhen.

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Denn mit der neuen Leit- und Signaltechnik ließe sich der Zugverkehr auf hochfrequentierten Trassen um bis zu 20 Prozent steigern, so die Studie. Eine umfassende Umrüstung in Milliardenhöhe wäre zwar vonnöten, neue Gleise muss die Bahn allerdings nicht bauen.

Die vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebene Studie empfiehlt zwischen 2020 und 2025 die Umstellung auf die ETCS-Technik. Auf einigen Strecken existiert sie bereits – etwa auf der Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Berlin und München.

Die digitale Technologie ist ein zentraler Schlüssel für Kundenfreundlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Sektors.

Ronald Pofalla, Bahn-Infrastruktur-Vorstand (dpa)

Deutsche Bahn: Digitalisierung im Fern- und Nahverkehr

Zu Beginn soll sich die Umrüstung auf fünf Großprojekte konzentrieren. Dabei geht es um die Strecken Köln-Frankfurt/Main, Dortmund-Hannover sowie Magdeburg-Knappenrode, nahe der polnischen Grenze. Weiterhin sieht die Studie vor, die Güterverkehrskorridore von Nord- und Ostsee an die Trasse Berlin-Erfurt anzubinden.

Punkt fünf des Aktionsplans der Studie umfasst das Netz der Stuttgarter S-Bahn, das im Zuge des Großprojekts Stuttgart 21 mit der ETCS-Technologie ausgestattet werden soll. Der Machbarkeitsstudie zufolge würde die Umrüstung dieser Strecken allein 1,7 Milliarden Euro beanspruchen. Das gesamte deutsche Bahnnetz schlüge mit 28 Milliarden Euro zu Buche. Das würde ein großes Loch ins Budget der Bahn reißen.

Die Machbarkeitsstudie zeigt, dass die bundesweite Einführung von ETCS und digitaler Stellwerke erhebliche Nutzeneffekte bieten wird.

Guido Beermann, Staatssekretär im Verkehrsministerium auf der InnoTrans

ETCS-Technologie vereinheitlicht Bahn europaweit

Das European Train Control System (ETCS) ist ein Zugbeeinflussungssystem, das einem einheitlichen europäischen Eisenbahnverkehrssystem zugrunde liegt. Es wurde geschaffen, um die über 20 unterschiedlichen Systeme in Europa abzulösen. Vergleichbar ist es mit einem Autopiloten, wie es ihn in der Verkehrsluftfahrt bereits seit Jahren gibt.

Anhand von Angaben aus dem Streckenatlas und einer exakten Positionsbestimmung kann das ETCS bei drohenden Gefahrensituationen jederzeit eingreifen und die richtigen Entscheidungen treffen – ungeachtet der derzeitigen Geschwindigkeit des Zuges. Die Signale werden dem Lokführer somit nicht mehr am Streckenrand übermittelt, sondern kommen per Funk.

Die Funksender für das ETCS-System.
Die gelben Balisen im Gleis sind das entscheidende Element, um per Funk Informationen zwischen Fahrzeug und Infrastruktur auszutauschen. Foto: DB AG / Max Lautenschläger

Ebenso wie im Flugzeug-Cockpit hat aber der Triebfahrzeugführer die letzte Entscheidungsgewalt, sollte das System einmal ausfallen oder unvorhergesehene Ereignisse eintreten. Dabei bietet das ETCS einige Vorteile:

  • Das ETCS agiert grenzübergreifend
  • Es ist zuverlässiger als der Mensch
  • Das ETCS ist wartungsarm
  • Und es bedarf weniger Stellwerke

Aus diesen Vorteilen würde auch die höhere Kapazität auf den Schienen resultieren.

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Neue ICE sollen Bahn die Zukunft sichern

Überhaupt investiert die Deutsche Bahn derzeit viel in die Zukunft. Erst Ende September gab der Konzern bekannt, seine Flotte zu verstärken und bis Ende 2024 rund eine Milliarde Euro in neue Züge zu stecken.

Etwa 700 Millionen Euro davon sind für 18 neue ICE-4-Züge vorgesehen, die aufgrund der steigenden Passagierzahlen nötig sind. Die restlichen 300 Millionen Euro nutzt das Unternehmen für die Modernisierung der seit 1991 im Betrieb befindlichen ICE-1-Flotte. Vielleicht wäre ja auch ein autonom fahrender Zug, wie er in Frankreich zum Einsatz kommen soll, eine Lösung für das Auslastungsproblem auf deutschen Schienen.

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