Technik

Zeppeline statt Funkmasten: Breitband-Internet weltweit

von Carsten Fischer

Ein blau-silberner Zeppelin auf blauem Grund
Alte Technik erhält ein neues Einsatzgebiet: Nach dem zweiten Weltkrieg wurden Zeppeline von Flugzeugen ersetzt – jetzt sollen Luftschiffe Breitband-Internet in abgelegene Regionen bringen. Foto: Shutterstock/Dr. Norbert Lange

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie ein Zeppelin Funkmasten ersetzen kann
  • Welche Vorteile flächendeckendes Breitband-Internet hat
  • Wie mobiles Breitband weltweit realisierbar werden könnte

Mobiles Breitband-Internet dank eines Luftschiffs: Das US-Unternehmen Altaeros hat einen Zeppelin entwickelt, der Funkmasten für Handys ersetzen soll.

Wie ein Zeppelin Funkmasten ersetzen kann

Auch in 2018 haben rund 16 Millionen Menschen in den ländlichen Teilen der USA noch keinen funktionierenden Zugang zu Breitband-Internet – der Ausbau ist aber bisher ein teures Unterfangen. Zeppeline könnten die Lösung sein.

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Das amerikanische Unternehmen Altaeros hat sich eher zufällig dem Thema angenommen und den SuperTower entworfen – ein dem Zeppelin ähnliches Flugschiff, das als Funkempfänger fungiert. Auf der Erde befestigt kann es bis zu einer Höhe von 250 Metern aufsteigen. So beliefert es eine Fläche von 10.000 Quadratkilometern mit Breitband-Internet.

Die alternative sähe aufwendiger und kostenintensiver aus: Einer aktuellen Studie zufolge müsste die USA landesweit für etwa 12,5 Milliarden US-Dollar 37.500 neue Funkmasten aufstellen, um das gesamte bewohnte Gebiet in den USA abzudecken. Auch in Hawaii, Alaska und dem extraterritorial liegenden Puerto Rico.

Welche Vorteile flächendeckendes Breitband-Internet hat

Schon eines der autonomen Luftfahrzeuge kann 20-30 Funkmasten ersetzen, so der Altaeros-CEO, Ben Glass. Dabei sind die Zeppeline in der Errichtung auch noch viel günstiger. Die Kosten liegen bei etwa 30% der konventionellen Infrastruktur mit Funkmasten.

Die mobile Technik lässt sich innerhalb weniger Tage aufbauen und kann besonders unterversorgte Gemeinden schnell mit Breitband-Internet versorgen. Darüber hinaus ist der Zeppelin auch für andere Anlässe optimal geeignet, beispielsweise Festivals oder Konferenzen, die in ländlichen Gegenden stattfinden und temporär ein gutes Netz benötigen.

Eine wichtige Anwendung wären lokale Krisen, wie beispielsweise das Grubenunglück im Norden Chiles im August 2010. Hier wäre ein solches Funk-Luftschiff eine große Hilfe für die Kommunikation der Helfer untereinander gewesen. Und auch die Berichterstattung hätte besser funktioniert.

Ein gravierender Vorteil des Luftschiffs ist seine Autonomie. Einmal fest gemacht, wird es von drei Leinen gehalten. Über Sensoren gehen Wetterdaten ein, die es ihm ermöglichen, die optimale Flughöhe selbst einzuschätzen.

Sollte das Wetter umschlagen, entscheidet das System selbstständig, ob eine Landung empfehlenswerter ist – und wann es wieder in die Luft gehen kann. In dieser Zeit müssten die Anwohner auf ihre althergebrachten Kommunikationsmethoden zurückgreifen.

Der Zeppelin ist nicht der erste Versuche, Breitband-Internet in entlegene Regionen zu bringen. Drohnen oder Satelliten galten ebenfalls bereits als Wunderwaffe gegen Funklöcher.

Wie mobiles Breitband weltweit realisierbar werden könnte

Im vergangen Herbst gelang ein erster Testflug mit einem 15 Meter langen Prototyp. Eingebunden war darin die fortschrittliche Radiotechnologie des schwedischen Telekommunikations-Anbieters Ericsson.

In 2019 will Altaeros weitere Staaten neben den USA von seiner Idee überzeugen. In nahezu allen rural geprägten Zonen der Welt ist zuverlässiges Breitband-Internet gefragt wie nie zuvor. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass weltweit etwa vier Milliarden Menschen ohne funktionierendes Breitband sind.

Nicol Turner-Lee, Mitarbeiterin am Brookings Institut in Washington, DC., ist überzeugt, dass es „egal ist, welche Lösung ein Technologieunternehmen für die Verbreitung mobilen Internets parat hat, man sollte alles in Betracht zielen.“

Derzeit befindet sich übrigens ein weiteres Modell der doppelten Größe im Bau. Ab 2019 soll es für kommerzielle Zwecke zum Einsatz kommen soll.

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