Gesundheit

Zehn Jahre iPhone: Zeit für mehr digitale Hygiene

von Dr. Kai Kaufmann

Die Zeiten des mentalen Abschaltens sind erheblich seltener geworden seit Erfindung von iPhone und iPad – mit gravierenden Folgen wie Insomnie.

Leeres Bett mit weißer Bettwäsche
Bettflucht: Wer direkt vor dem Schlafengehen Smartphone oder Tablet nutzt, könnte Ein- oder Durchschlafstörungen bekommen. Foto: Unsplash/Krista Mangulsone

Das erfahren Sie gleich:

  • Die Nutzung von iPhone, iPad und Co. vor dem Schlafengehen kann zu Insomnie führen
  • Effekt auf die Gesundheit im Schlaflabor nachgewiesen
  • Wichtig sind regelmäßige Pausen von digitalen Medien

Insomnie durch zu viel iPhone und iPad

Nach 96 Stunden Schlafentzug reden Wissenschaftler von Folter. Nun, ganz so schlimm ist es nicht mit den Effekten der endlosen digitalen Geschäftigkeit. Permanent sind wir auf irgendeinem Kanal zwischen Smartphone, Facebook und WhatsApp erreichbar, nutzen selbst das kleinste Zeitfenster zum Browsen, Chatten, Twittern und Posten – als gäbe es kein Morgen. Viel zu oft checken wir unsere E-Mails auch nach Feierabend. „Entgrenzung“ von Job und Freizeit nennen das Experten. Nicht selten trägt das riesige Arsenal von digitalen Zeit- und Muße-Killern zu Stresssymptomen bei, die von leichter Gereiztheit bis zu chronischer Erschöpfung reichen. Für manchen fühlt sich das Bombardement aus Bits und Bytes nach Terror an.

Lesen Sie auch

Ladestation

aio-Empfehlung

Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

Längst schon ist unsere Nachtruhe nicht mehr sicher. Wer mit seinem iPad oder Laptop ins Bett geht, macht sich das Einschlafen unnötig schwer. Denn: Licht hemmt grundsätzlich die Produktion von Melatonin, einem Hormon, das Schlafsignale auslöst. Doch es kommt noch schlimmer: Das Blaulicht der Monitore stört unseren Schlaf-Wach-Rhythmus besonders stark. Die Folge: Insomnie. Unter den Begriff fällt nicht nur das komplette Fehlen von Schlaf, sondern auch schon eine Störung beim Ein- oder Durchschlafen.

Tablet nutzen vor dem Schlafen im Bett
Lieber nicht blau machen: Das blaue Licht des Monitors stört den Schlaf-Wach-Rhythmus besonders stark. Foto: Shutterstock / Lopolo

Tests mit dem iPad im Schlaflabor

Ein Forscherteam des Brigham & Women’s Hospital in Boston ließ eine Gruppe von zwölf Testteilnehmern im Schlaflabor an fünf Abenden vor dem Einschlafen entspannende Inhalte auf einem iPad lesen. An fünf weiteren Abenden lasen die Probanden dieselben Texte in einem Buch. Nach der digitalen Lektüre dauerte es länger bis zum Einschlafen, die Zeit des wichtigen REM-Schlafs war verkürzt und die Aufmerksamkeit am Morgen verringert. Dies könne negative Einflüsse auf Leistungen, Gesundheit und Sicherheit wie etwa im Straßenverkehr haben, heißt es in der Studie des Teams um Ann-Marie Chang. Zu den gesundheitlichen Folgen von Schlafstörungen gehören Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Gewichtszunahme und vieles mehr.

Informationen werden im Tiefschlaf ins Langzeitgedächtnis übertragen.

Ein ungestörter Schlaf von sieben bis acht Stunden pro Nacht ist nicht nur wie eine Aufladestation für Akkus. Im Schlaf erledigt unser Gehirn wichtige Jobs: Wenig genutzte neuronale Verbindungen werden abgebaut, um Platz für neue zu schaffen; Informationen werden im Tiefschlaf ins Langzeitgedächtnis übertragen. Ein Grund mehr, vor dem Zubettgehen nicht mehr lange auf Monitore und Displays zu schauen.

Kreativität braucht Pausen

Bestimmte Prozesse in unserem Gehirn ähneln in den kleinen Pausen tagsüber der langen „Pause“ des nächtlichen Schlaf. Und das hat viel mit der Entfaltung von Kreativität zu tun „In Erholungspausen ist die Hirnregion Default Mode Network (DMN) hochaktiv“, so Prof. Alex Soojung-Kim Pang von der Stanford University, USA. Mit dem DMN werden verbale, visuelle und kreative Fähigkeiten verbunden. „Pausen befeuern die Kreativität“, so Pang. Und wir alle kennen das: Die guten Ideen kommen uns nicht immer am Rechner, sondern wenn wir loslassen und eine Runde um den Block drehen, auf den Bus warten oder einfach gar nichts tun.

Das iPhone führt zum Handynacken

Wer nun noch einen ästhetischen Grund braucht, um für mehr digitale Hygiene in seinem Leben zu sorgen, der bekommt ihn schon nach ein paar Schritten aus der Haustür: gebeugte Nacken, wohin man schaut. Orthopäden haben längst einen Begriff dafür: Handynacken. Auf dem Hals eines Erwachsenen laste in der Regel ein vier bis sechs Kilo schwerer Kopf. Je größer der Neigungswinkel ist, desto größer ist das Gewicht. Beim Blick aufs Display sind es bis zu 60 Grad und ein Gewicht von 27 Kilogramm, so der New Yorker Wirbelsäulenchirurg Dr. Kenneth K. Hansraj im Fachmagazin „Surgical Technology International“. Diese Belastung könne zu frühen Abnutzungserscheinungen, Degeneration und Haltungsschäden führen. Schön geht anders.

Zeit also für persönliche Facebook-Öffnungszeiten, Schlafzimmerverbot für digitale Geräte und Pausen mit ausgiebigem Starren in den Himmel.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Gesundheit immer informiert.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen