Leben

Wohin mit dem Hund im Urlaub?

von Gertrud Teusen

Hund am Wasser
Ein Hundeleben! Am Liebsten würde der Hund mit den Urlaub, aber manchmal ist der Hundesittter oder die Hundepension die bessere Wahl. Foto: Unsplash/Atanas Teodosiev

Das erfahren Sie gleich:

  • Hund und Urlaub – manchmal passt das nicht zusammen
  • Hundepension oder bei Freunden lassen – wo sich der Vierbeiner wirklich wohl fühlt
  • Einzelunterbringung oder Rudelhaltung – für welchen Hund welches Konzept passt

Urlaubsbetreuung für den Hund? Da gibt es unendlich viele Möglichkeiten. Worauf Hundehalter achten müssen und wie sie die richtige Hundepension finden.

Tierbetreuung in den Ferien

Den Hund in den Urlaub mitnehmen oder zuhause lassen? Kaum ein Hundehalter macht sich diese Entscheidung leicht, die meisten wägen für und wider sorgfältig ab. Aber nicht immer gehen Urlaubswünsche und tierische Bedürfnisse überein. Will der Besitzer seinem Liebling wirklich eine Flugreise zumuten? Im Frachtraum? Für knapp drei Wochen Aufenthalt auf irgendeiner Insel? Auch eine Kreuzfahrt im Mittelmeer ist nicht wirklich eine Option.

Ladestation

aio-Empfehlung

Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

Selbst bei einer Autoreise müssen sich Herrchen oder Frauchen fragen, ob sie im Hochsommer (oder im Winter mit Minustemperaturen) dem Hund wirklich einen Gefallen tun. Klar ist er selber zu allen Schandtaten bereit, aber allein für die Reisen in andere Länder braucht es Impfungen und manchmal sogar tierärztliche Gesundheitsnachwiese. Auch gelten in vielen EU-Ländern andere Regeln als hierzulande, so dürfen Hunde beispielsweise nicht überall mit ins Restaurant – und von Mai bis September auch nicht überall an den Strand.

Hundesitter im Freundeskreis

Aber woher eine gute Tierbetreuung für den Urlaub finden? Kleine Haustiere wie Kaninchen, Vögel oder Meerschweinchen finden schneller ein Urlaubsplätzchen oder eine Betreuung im Bekanntenkreis. Der Hund allerdings braucht volle Aufmerksamkeit, regelmäßige Gassirunden, Fellpflege und unter Umständen aufwendige Futterzubereitung. Wer unter den Freunden hat denn schon wirklich die Zeit und den Sachverstand für so eine umfangreiche und liebevolle Tierbetreuung? Es ist ja schließlich auch eine gewisse Verantwortung damit verbunden. Und so beginnt die Suche nach einer angemessenen, professionellen Unterbringung.

Hund am Strand mit Ball in der Schnauze
Jetzt ist meine Zeit: Hunde brauchen regelmäßig Beschäftigung – ein Hundesitter aus dem Freundeskreis ist damit oft überfordert. Foto: Unsplash/Jake Oates

Hundepension dringend gesucht

Ein Blick ins Internet lässt erstmal aufatmen – es gibt so viele Hundepensionen, Tierhotels und Hundesitter-Angebote. Doch Unterbringungsmöglichkeiten mit guten Bewertungen und vielen zufriedenen Kunden sind oft langfristig ausgebucht. Und bei genauem Studium der Möglichkeiten wird klar: Die Ansichten, was eine angemessene Tierbetreuung ist, gehen weit auseinander. Denn nicht jedes Angebot passt zu jedem Hund.

Bei den Unterbringungsmöglichkeiten wird nach Betreuungskonzepten entschieden – und da sollte der erste Blick beim Internetcheck darauf liegen, welche Hunde überhaupt genommen werden. Mit intakten (nicht-kastrierten) Rüden und ebensolchen Hündinnen beispielsweise schränkt sich das große Angebot schon automatisch ein. Es gibt beispielsweise viele Tierunterbringungen, die nur kastrierte (bzw. sterilisierte) Rüden aufnehmen. Dadurch wollen die Betreiber sicherstellen, dass es unter den Rüden nicht zu Raufereien und Dominanzgehabe kommt. Aber auch mit intakten Hündinnen hat man unter Umständen Probleme, denn während der Läufigkeit nehmen nur ganz wenige professionelle Anbieter die Damen in Obhut.

Was bist du denn für ein Hund?

Mit den Hunden ist es wie mit den Menschen: die Geschmäcker sind verschiedenen. Die einen mögen Cluburlaub mit möglichst viel Abwechslung, die anderen gehen zum Entspannen ins Kloster. Finden Sie also zuerst einmal heraus, in welcher Urlaubsform Sie sich (und ihr Hund) am Wohlsten fühlen würden.

Stark vereinfacht lassen sich die Vierbeiner (unabhängig von der Rasse) in drei Charaktere unterteilen.

1. Die Mimose

Es ist der Hund, der im Mittelpunkt seines Familienverbandes steht und dem jeder Wunsch von den treuen Hundeaugen abgelesen wird. Er ist eigentlich immer und überall dabei. Bekommt Fressen vom Feinsten und hat eine Hundeausstattung vom Besten. Er lebt eher solitär, geht brav an der Leine und hat einen geregelten Alltag. Das macht ihn unter Umständen ein bisschen ängstlich, und neue Erfahrungen verunsichern ihn.

2. Der Genügsame

Er ist der ruhende Pol, wenn rundherum das Chaos herrscht. Genügsam fügt sich dieser Hund in jede Situation, Hektik und Aufregung sind ihm fremd. Findet er ein Plätzchen, an dem er seine Ruhe hat, wird alles andere unwichtig. Er ist dem Spielen mit Artgenossen nicht abgeneigt – und wenn die dazugehörigen Menschen nett sind, fühlt er sich (nach einer entsprechenden Eingewöhnungsphase) überall wohl. Beim Fressen ist er nicht wählerisch, Hauptsache der Napf ist stets gut gefüllt. Er ist gern mit seinen Menschen unterwegs, bleibt aber auch allein zuhause – wenn es denn sein muss.

3. Der Hund mit gewissen Vorlieben

In den Angeboten von Hundepensionen findet man ihn unter der Bezeichnung „verhaltensoriginell“. Es sind Hunde vom Typ „Pippi Langstrumpf“, die scheinbar ständig überlegen, welchen Unfug sie als Nächstes anstellen. Das Leben im Rudel finden sie klasse, stellen aber hohe Anforderungen an die menschlichen Führungsqualitäten. Gefressen wird alles, was in den Napf kommt. Er ist ein Gesellschaftshund, und allein ist er nur höchst ungern.

Die Wahl der richtigen Tierbetreuung in den Ferien sollte sich am Wesen des Hundes orientieren. Für die Mimosen sind offene Rudelhaltung und ein Einheitsfutter nicht unbedingt der geeignete Rahmen für einen entspannten Aufenthalt. Der Genügsame fände die Abwechslung zum ruhigen Zuhause wahrscheinlich ganz spannend. Und ein Hund mit besonderen Vorlieben ist dort unter Umständen endlich mal ausgelastet. Herausforderungen können ein Hundeleben auch bereichern.

Zwei Hunde spielen zusammen
Partnerprogramm: Die Wahl der richtigen Unterkunft für den Hund während des eigenen Urlaubs hängt massiv vom seinem Wesen ab. Foto: Unsplash/Jaap Straydog

Welche Hundepension soll es sein?

Diese Beispiele führen fast direkt zur Wahl des richtigen Unterbringungskonzepts: Sterne-Ressort, Einzelzimmer, das Leben im Rudel oder Familienanschluss - jeder Hundehalter entscheidet nach seinen Vorlieben und seinem Geldbeutel.

Sterne-Ressort mit Wellness-Package

Gerade in der Nähe von großen Flughäfen gibt es häufig großzügig angelegte Angebote zur Hundebetreuung, die auch für mehrere Hunde Unterkunft bieten. Sie ähneln Hotelanlagen und bieten sowohl Einzelzimmer als auch Gruppenhaltung an. Der Besitzer checkt an einem Rezeptionstresen ein und übergibt dann das Tier in die Obhut des Personals. Allerdings hat solch ein Service seinen Preis – je nach Größe und Verträglichkeit kommt man pro Tag schnell in den dreistelligen Euro-Bereich pro Tag. Je komplizierter der Gast, desto teurer der Aufenthalt.

Betreut werden die Hunde – je nach Wunsch des Hundehalters – individuell oder in kleinen Gruppen bis zu fünf Tieren. Damit dem Hund nicht langweilig wird, kann Fellpflege und Training hinzu gebucht werden. Das Wellness-Package heißt dort „Grooming“ und kostet natürlich extra.

Verhaltenstherapeutin Dr. vet. med. Stefanie Sprauer sieht das durchaus kritisch: „Hundeunterbringungen, die zugleich Training anbieten, sollte man genau hinterfragen. Welchen Ausbildungshintergrund hat der ansässige Trainer und mit welchen Trainingsmethoden arbeitet er? In der Regel sollte ein Hundetraining möglichst immer mit dem Hundehalter stattfinden, damit ein gemeinsames Lernen stattfindet. Denn nur so findet eine gute Teambildung statt.“ Sonst ist der Hund nach dem Urlaub vielleicht nicht mehr der, den man abgegeben hat.

Rudel auf Zeit

Für uns Menschen klingt es verlockend, wenn der eigene Hund, der vielleicht im normalen Alltag nur wenige Sozialkontakte hat, wenigstens im Urlaub genug davon bekommt. Doch was Hundebesitzern gefällt, ist nicht unbedingt das, womit sich der Hund auch wohlfühlt. Solche Formen der Hundebetreuung sollten ein gut geschultes und aufmerksames Personal haben, das sich mit der Mehrhundehaltung gut auskennt. Es ist ein bisschen „back to the roots“, und nicht alle Vierbeiner können sich in eine bunt-gemischte Gruppe von Artgenossen einfügen. Wichtig ist dabei, dass jeder Gasthund die Möglichkeit hat, sich zurückzuziehen und einen eigenen Ruhebereich hat. Dort wird er auch gefüttert und bekommt seine Streicheleinheiten. Für Auslastung sorgen der Freilauf (sollte großzügig und sicher umzäunt sein) mit den anderen Gasthunden.

Wir schätzen Hunde für das, was sie sind – nämlich hochkompetente Lebewesen mit dem Wunsch nach größtmöglicher persönlicher Freiheit.

Tina Profitt von outdorrDOGS

Verhaltenstherapeutin Dr. Sprauer gibt zu bedenken: „Gerade gemischte Rudel können unsicheren oder gar ängstlichen Vierbeinern Stress bereiten. Das merkt der geschulte, aufmerksame Hundehalter meist bei der ersten Besichtigung. Und dann sollte man sich besser nach einer Einzelunterbringung umsehen.“

Die meisten Hundebetreuer, die Rudelhaltung anbieten, setzen auf kleine Gruppen und geben sich auch viel Mühe, die Strukturen, die zum Rudelleben dazugehören, aufzubauen und zu regulieren. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe und erfordert Geduld und Durchsetzungsvermögen. Das berühmte „das Regeln die Hunde untereinander“ gibt es bei Tina Profitt von outdoorDOGS im bayerischen Voralpenland nicht: „Die Rudelhaltung erfordert stete Aufmerksamkeit vom Personal. Konflikte zwischen den Hunden müssen frühzeitig erkannt und reguliert werden. Wir wollen ja nicht, dass sich einer unserer Gäste verletzt.“

Mobbing, erklärt die Verhaltenstherapeutin Sprauer, sei bei Rudelhaltung häufig ein Thema. Deswegen sind in solchen Unterkünften auch immer nur wenige Hunde gleichzeitig zu Gast. Tina Profitt ergänzt: „Bei solchen Rudel-Angeboten sollten die Halter immer auf die fachliche Qualifikation des Personals achten.“ Und da trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Bei den outdoorDOGS hat jeder Gast-Hund ein eigenes Zimmer im großen, ausgebauten Bauernhof. Solche Ruhezonen sind Tina Profitt wichtig. Auch werden die Gast-Hunde getrennt (und individuell nach ihren Bedürfnissen) gefüttert, so dass keiner auf sein Fressen verzichten muss, nur weil ein anderer Hund stärker ist.

Zimmer mit Auslauf

Weniger Gruppendynamik und mehr Individualität – darauf legen die meisten Hundepensionen wert, die das Einzelzimmer-Konzept anbieten. Jeder Gast-Hund hat ein kleines Zimmer, in das (manchmal) auch das eigene Körbchen oder die Schmusedecke mitgebracht werden können. Häufig ist dem „Zimmer“ ein kleiner Freilauf angegliedert. Für ausreichend Bewegung sorgen allerdings überwiegend die ausgiebige Spaziergänge – zweimal täglich sollte im Angebot inklusive sein. Eine gut-eingezäunte Hundewiese zum Auslauf zwischendurch wäre perfekt.

Hund liegt im Körbchen
Einfach mal abhängen: Auch in der Hundepension sind eigene Bereiche zum Zurückziehen wichtig für den Hund. Foto: picture alliance / dpa

Zum Konzept der individuellen Hundebetreuung gehört zumeist, dass alle Mitarbeiter das Zertifikat gemäß Tierschutzparagraph 11b haben. Das garantiert, dass sie für alle Fälle und Felle gerüstet sind. So finden nicht nur verhaltensoriginelle Hunde ausreichend Auslastung, sondern eben auch gehandikapte oder etwas ältere Tiere. Gerade solche individuelle Unterbringungsmöglichkeiten zeichnen sich dadurch aus, dass sie schnell ausgebucht sind.

Nimmst Du mein Tier, nehm ich Dein Tier

Diese Initiative des Deutschen Tierschutzbundes gibt es schon seit Jahren. Das Projekt hilft, eine Unterbringung für Haustiere während des Urlaubs zu finden, indem sie beispielsweise Hundehalter zusammenbringt, die sich während der geplanten Reisen abwechselnd um ihre Vierbeiner kümmern – gewissermaßen Hundesitter auf Gegenseitigkeit. Ob der örtliche Tierschutzverein an dieser Aktion beteiligt ist, erfährt man in Internet. Diese Betreuungsvariante gibt es inzwischen auch von verschiedenen privaten Anbietern und Internetportalen. Wobei in den meisten Fällen mehr Unterbringungsmöglichkeiten gesucht als angeboten werden. Auch die Qualifikation der Gast-Familien ist durchaus nicht immer gesichert. Aber es soll auch schon viele Fälle geben, indem aus dem einmaligen Arrangement echte Freundschaften geworden sind.

Das verlangt die Hundepension

Professionelle Urlaubsquartiere für Hunde unterliegen strengen Richtlinien und werden regelmäßig vom zuständigen Veterinäramt kontrolliert. Um diese Standards zu halten, schließt der Hundehalter mit der Hundebetreuung einen entsprechenden Betreuungsvertrag ab. Darin sind Rechte und Pflichten geregelt. Zu den Verpflichtungen des Hundehalters gehört:

1. Regelmäßige Impfungen

Nur vollständig und regelmäßig geimpfte Hunde dürfen in die Unterbringung. Die Vierbeiner müssen auch gegen Tollwut geimpft sein, manche Unterbringungen verlangen auch eine Impfung gegen Zwingerhusten. Der Impfpass muss beim Aufenthalt in der Betreuungseinrichtung hinterlegt werden.

2. Hundehalter-Haftpflicht

Wer seinen Hund in eine externe Betreuung gibt, muss eine entsprechende Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben.

3. Entwurmung

Viele Hundeunterkünfte nehmen nur Hunde, die regelmäßig entwurmt werden. Das dient im Wesentlichen dazu, dass sich die anderen Gäste nicht anstecken können.

4. Läufige Hündinnen müssen draußen bleiben

Hündinnen werden durchschnittlich zweimal im Jahr läufig. Um für ungewollte Trächtigkeit nicht haftbar gemacht zu werden, ist die Läufigkeit ein Ausschlusskriterium für viele Hundepensionen.

Andererseits muss der Hundehalter schon auch genau hinschauen und gerade bei der ersten Besichtigung viele Fragen stellen. Beispielsweise, wenn es um die Ernährung geht. Was wird gefüttert? Wird auf individuelle Wünsche eingegangen? Ist das Mitbringen von Lieblingsspielzeug und Leckerlis erlaubt? Wie sauber sind die Zimmer? Gute Hundeunterkünfte gehen auf die Bedürfnisse der Gäste ein und stellen sich den Fragen der Besitzer. Spielzeug und sonstige Lieblingsleckereien sind in vielen Pensionen allerdings unerwünscht und bei Rudelhaltung auch tabu.

Bestenlisten ergeben wenig Sinn

Jeder Hund, jeder Hundehalter und jede Hundeunterbringung ist einzigartig. Eine Ranking-Liste sucht man deshalb vergebens. Einzig das Hunde-Magazin „Dogs“ veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Listen für gut-bewertete Unterkünfte, sortiert nach Bundesländern und Postleitzahlen. Und wie das häufig so ist, sind solche Bewertungen nie wirklich objektiv oder kommen den individuellen Bedürfnissen entgegen. Verlassen kann man sich einzig auf die Zulassung des zuständigen Veterinäramts und auf den Ausbildungsnachweis des Betreibers. Was zählt ist der persönliche Eindruck bei der Auswahl – und ob der Hund dort auch gerne bleibt.

Holt der Halter beispielsweise seinen Hund von einer Probeübernachtung ab, dann kann er deutlich an dessen Verhalten ablesen, ob er gut betreut war. Sicher freuen sich alle Fellnasen, wenn sie auch nur nach einer Nacht in fremder Umgebung ihre Familie wiedersehen. Doch spätestens beim zweiten Mal Anlauf entscheidet sich, ob sie gern mit dem Hundebetreuer mitgehen oder gar nicht mehr als dem Auto steigen wollen.

Natürlich sollte der Hundehalter beim Abholen auch fragen, ob es irgendwelche besonderen Vorkommnisse gab. Auf alle Fälle muss er aber frühzeitig nach einer Unterbringungsmöglichkeit suchen – und zwar bevor er den eigenen Urlaub bucht.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Leben immer informiert.

Auch interessant