Elektromobilität

Formel 1, Formel E, Roborace: Fährt der Motorsport bald autonom?

von Carsten Fischer

Roborace will die Formel 1 von morgen werden: ohne menschlichen Fahrer, sondern elektrisch und vollkommen autonom. Sieht so der Motorsport der Zukunft aus?

Ein selbstfahrender Elektrorennwagen von Roborace fährt über die Rennstrecke auf dem Tempelhofer Feld in Berlin.
Ein selbstfahrender Elektrorennwagen von Roborace fährt über die Rennstrecke auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Foto: picture alliance / Bernd von Jut

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Roborace die Königsklasse der selbstfahrenden Rennwagen werden will
  • Was die neue Rennserie von der Formel 1 und Formel E unterscheidet
  • Warum es Roborace schwer haben könnte, sich breitenwirksam zu etablieren

Im Februar 2017 hat Kinetik sein erstes autonomes Rennauto, das Robocar, vorgestellt. Das Fahrzeug sieht aus wie eine Mischung aus Formel-1-Wagen und Marschflugkörper, hat es doch kein Cockpit und ist entsprechend flach konstruiert.

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Das britische Unternehmen hofft, dass ihr Bolide der Ahne einer ganz eigenen Rennsportserie wird – als Ergänzung zur Formel 1 und Formel E und weniger als Ersatz –, bei der technisches Können und gut trainierte Neuralnetzwerke die einzigen Stars der Show sind. Sieht so der Motorsport der Elektromobilität aus?

Kein Ersatz, sondern Ergänzung

Auch der CEO von Roborace und ehemalige Formel-E-Pilot Lucas Di Grassi sieht in der neuen Rennserie nicht den Nachfolger für den klassischen Motorsport, sondern eher ein zusätzliches Angebot:

"Roborace hat nicht zum Ziel, den Motorsport zu ersetzen, sondern in Bereiche vorzudringen, die der Motorsport nicht erreichen kann. Wir orientieren uns weder am Design noch am Format oder den Rennen. Vielmehr wollen wir Unterhaltung in einer völlig neuen Weise erschaffen."

Bis es soweit ist, dürfte noch einige Zeit vergehen – wenn sich die Zuschauer überhaupt in ausreichender Zahl für Rennen ohne menschliche Dramen und Charaktere begeistern lassen.

Noch kein Vergleich zur Formel 1

Bereits seit mehreren Jahren arbeitet das Start-Up an der ersten autonom gefahrenen Rennserie, dem sogenannten Roborace. Als Fahrzeuge kommen dabei ausschließlich KI-gesteuerte Rennwagen ohne Piloten zum Einsatz. Aktuell existiert von dem Robocar allerdings erst einer.

Zuletzt konnten die Entwickler ihr Baby auf dem prestigereichen Goodwood Festival of Speed präsentieren, auf dem der elektrische Sportwagen I.D. R kurz zuvor einen neuen Streckenrekord aufgestellt hatte.

Das autonom fahrende Robocar war im Gegensatz zu den Boliden menschlicher Piloten allerdings alleine auf der Strecke und hatte zudem aus Sicherheitsgründen eine Geschwindigkeitsdrosselung auf 125 Kilometer pro Stunde aktiv. Damit ist er noch weit entfernt von den Geschwindigkeiten, mit denen die Formel-1-Boliden über die Piste brettern.

In Zukunft aber könnte das Roborace mit Geschwindigkeiten bis zu 300 km/h bestritten werden. Damit wäre es sogar schneller als die elektrifizierte Rennserie der Formel E mit 225 km/h.

Die Software macht den Unterschied

Was den Machern des Robocar für das Roborace vorschwebt, ist kein Konstrukteurswettbewerb wie bei der Formel 1 oder Formel E. Die Vehikel sollen alle baugleich sein und sich lediglich in ihrer Software unterscheiden.

Deren Basis stellt Kinetik in einer Form Open Source den teilnehmenden Teams zur Verfügung, die wiederum die KI und die computerbasierten Echtzeit-Algorithmen modifizieren dürfen – um mehr Leistung und Effizienz zu erzielen.

Entsprechend waren die beiden ersten Teams, die an einem Testwettbewerb teilgenommen haben, Gruppen von Entwicklern zweier Universitäten: Die Universität Pisa und die TU München schickten den Devbot des Unternehmens in Berlin auf die Strecke. Dabei war der Devbot, ein Vorgänger des Robocars mit Sitzplatz für einen menschlichen Fahrer, ebenfalls alleine auf der Strecke.

Noch findet das Roborace allerdings ausschließlich in den Köpfen der Veranstalter statt. Bis daraus ein echtes Rennen oder gar eine ganze Rennserie wird, dürfte noch einige Zeit vergehen: Denn das einzig existierende Robocar dient derzeit vornehmlich Demonstrationszwecken, indem es bei Zeitfahrten antritt.

Ein Grund dafür könnte sein, dass die verbaute Technik teuer ist und die Entwickler bei Kinetik Sorge haben, ihr "Baby" in die Hände fremder Teams zu geben, die es direkt in einen Crash schicken könnten.

Deshalb mussten die Teams aus München und Pisa auch vor dem eigentlichen Wettbewerb ihre Software zunächst eine improvisierte Fahrprüfung bestehen lassen.

Als Lösung schwebt Roborace eine Staffelung in Rennklassen vor wie im Motorsport üblich: Die lernende Software soll demnach zunächst kleine Go-Karts fahren, um sich dann langsam an die Masse und Kraft eines Formel-E-Boliden heranzutasten.

Roborace: Die Formel E ohne Menschen

Was das Roborace allerdings langfristig vom Erfolg abhalten könnte, ist am Ende doch das Fehlen einer menschlichen Komponente. Wie viele Kommentatoren zu den Demonstrationsfahrten und Videos im Netz anmerken, interessiert sie die bloße Fahrt von Rennwagen auf der Strecke nicht, wenn dahinter keine menschlichen Emotionen stecken – gleiches könnte auch für ein breites Publikum gelten.

Emotionen haben die Entwickler der Software zwar garantiert auch, allerdings gibt es im aktuellen Motorsport wenige Fans, die sich hauptsächlich für die Techniker eines Rennstalls interessieren.

Als ehemaliger Fahrer der Formel E weiß auch Lucas Di Grassi um die Wichtigkeit eines menschlichen Fahrers:

"Motorsport kann niemals vollkommen elektrisch und autonom werden. Entweder weil es zu extrem wäre oder weil es nicht dem Spirit von Motorsport entspricht. Niemand möchte rein autonomen Sport oder Motorsport sehen. Die Zuschauer interessieren sich für die Fahrer und ihren Wettbewerb untereinander."

Deshalb gehe es bei Roborace unter anderem auch darum, das Potenzial künstlicher Intelligenzen und der Technologien dahinter aufzuzeigen, die auch außerhalb des Rennsports immer relevanter für den Automobilsektor werden.

Ein Beispiel für das Scheitern von autonomem Sport als Medienerfolg lässt sich am Fußball beobachten: Die Weltmeisterschaft ist alle vier Jahre das größte Medienereignis der Welt; die Robo-Fußballer schauen sich Menschen hingegen höchstens in der Zusammenfassung bei YouTube an – wenn ihnen überhaupt bewusst ist, dass dieser Wettbewerb existiert.

Updates

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Auch Formate wie Robot Wars, bei denen von Hobbybastlern gebaute Kampfmaschinen im britischen und amerikanischen Fernsehen gegeneinander antreten, haben den Boxsport bislang nicht ersetzt. Ob das Roborace für den Motorsport da bessere Chancen hat, ist zumindest zweifelhaft.

Deshalb wird Roborace zunächst im Tandem mit den Rennen der Formel E ausgetragen. So sollen die KI-Rennwagen in Form eines Rahmenprogramms vor dem eigentlichen Rennen ihre Runden auf der gleichen Strecke drehen.

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