Elektromobilität

Wir sind mit dem autonomen Shuttlebus Emily in Berlin gefahren

von Stefan Adrian

Das Berliner Innovationszentrum InnoZ und die Verkehrsbetriebe (BVG) testen einen autonomen Shuttlebus. Wir haben eine Probefahrt mit "Emily" unternommen.

Straße des 17. Juni, Berlin.
In Berlin befindet sich eine der wenigen Strecken in Deutschland, auf der autonomes Fahren getestet wird. Foto: Shutterstock / Patino

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie am Innovationszentrum in Berlin jeder Besucher mit einem autonomen Shuttlebus fahren kann
  • Wie noch in diesem Jahr ein Testbetrieb im öffentlichen Verkehr stattfinden soll
  • Was der "süße" Shuttlebus Emily so auf dem Kasten hat

Emily: Der süße autonome Bus

"Wie süß. Wenn so das Fahren der Zukunft aussieht, dann kann sie kommen." Das ist die Antwort meiner Freundin, als ich ihr ein Foto von Emily schicke.

Emily – so heißt der Shuttlebus des französischen Herstellers Easymile, in dem ich gleich zum ersten Mal eine autonome Fahrt unternehme werden. Süß war nicht das Attribut, das ich beim Anblick im Kopf hatte. Eher: na ja.

Vielleicht symbolisiert der kleine Flitzer mit seinen je sechs Sitz- und Stehplätzen aber auch nur archetypisch den Zwiespalt der immer besser werdenden Technologie des Autonomen Fahrens und der Elektromobilität.

  • Auf der einen Seite drollige Shuttles, die freiere Städte und eine sauberere Umwelt ermöglichen, da sie nicht wie Privat-PKW heute im Schnitt 23 Stunden pro Tag rumstehen
  • Auf der anderen Seite ein Zweifel, die Liaison aus Künstlicher Intelligenz und GPS über Leben und Tod richten zu lassen und es das rauben zu lassen, was das Auto auch für mich symbolisiert: Selbstbestimmung und Fahrspaß

Ein Shuttlebus auf Erprobungsfahrt in Berlin

Diese Fragen sitzen wie Engel und Teufel auf meiner Schulter, während Rand Abu Ajamia auf mich zukommt. Rand ist Studentin am Innovationszentrum für Mobilität und Gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) in Berlin und einer der Stewards für Emily, die seit Anfang des Jahres der Öffentlichkeit für eine Probefahrt zur Verfügung steht.

Emily ist aber schon viel weiter als ihre Vorgänger.

Rand Abu Ajamia, Steward für Emily und Studentin am InnoZ

Der EFEUS-Campus ist ein halböffentlicher Erprobungsraum, in dem Dinge, die im Straßennetz nicht so schnell genehmigungsfähig sind, umgesetzt werden können. PKW, Radfahrer und Fußgänger auf dem Areal stellen dabei realitätsnahe Bedingungen dar. Bereits im November 2016 wurde hier das erste, öffentlich zugängliche Testfeld für hochautomatisierte Shuttles in Deutschland installiert.

Auch in Wien gibt es bereits ein Testgelände, auf dem autonome Shuttlebusse unterwegs sind.

Zur Sicherheit mit menschlichen Begleiter

"Emily ist aber schon viel weiter als ihre Vorgänger", so Rand, nicht ohne Stolz in der Stimme. Beim Losfahren gibt der Elektrobus vom Typ EZ 10, der eine Maximalgeschwindigkeit von 40 km/h erreichen kann, ein Klingeln von sich, dem analogen Gebimmel einer Straßenbahn nicht unähnlich. Im lässigen Schritttempo rollt das Shuttle an den in der Sonne sitzenden Studenten, Wissenschaftlern oder Geschäftsleuten vorbei.

Emilys Fahrverhalten wird vornehmlich gesteuert von an jeder Außenecke eingelassenen Safety-Buttons, die Hindernisse und Gefahren erkennen. Erkennt sie Passanten entlang der Straße, verlangsamt sie, zwei Meter vor einem seitlich parkenden LKW bleibt das Shuttle vollständig stehen.

Nach wenigen Sekunden rollt es langsam weiter, um gleich darauf wieder anzuhalten; so tastet sich Emilie voran, um sich schließlich im Schneckentempo am Hindernis vorbei zu schieben. Ihr Steward ist über diese Eigeninitiative überrascht: "Das scheint sie neu gelernt zu haben."

Für solche Fälle kann der menschliche Begleiter einen in der Innenwand eingelassenen Schalter umlegen und auf Handbetrieb umstellen. So lässt sich über eine Fernbedienung mit zwei Joysticks steuern. Im autonomen Modus verlangsamt und beschleunigt Emily unmerklich. Kaum jedoch legt der Mensch Hand an, erinnert die Fahrt ein wenig an einen Autoscooter. Der Bus besitzt erstaunliche Wendigkeit auf engstem Raum.

Dass besonders hierzulande die Nutzer eine Möglichkeit des menschlichen Eingreifens erwarten, zeigte Anfang 2018 auch eine Umfrage des TÜV Rheinland – denn noch fehlt das Vertrauen in autonome Steuerung.

Autonomes Fahren bei Olympia in Japan 2020

Das regelmäßige Abbremsen und Anfahren im autonomen Modus erfüllt mich mit Sicherheit. Es bringt mich aber auch zur Überlegung, dass es nicht die gefährlichen Fahrsituationen sind, die die Herausforderung des Erkennens darstellen, sondern vielmehr die harmlosen.

Das Beratungsunternehmen Roland Berger rechnet jedenfalls damit, dass bis 2030 ein Viertel der Transportleistung auf fahrerlose Fahrzeuge entfallen wird. Japan will bereits zu den Olympischen Spielen 2020 autonom fahrende Taxis im Straßenverkehr zulassen. Daimler und Bosch wollen noch 2018 selbstfahrende Taxis in Deutschland testen.

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Dann soll auch Emily auf den Berliner Straßen zu sehen sein. Man ist am InnoZ gerade dabei, eine Erlaubnis zu bekommen, um noch in diesem Jahr einen Shuttle zur nahe gelegenen S-Bahnstation Südkreuz einzurichten. Dann kann auch der Rest der Stadt entscheiden: süß oder na ja.

Ab wann beginnt eigentlich autonomes Fahren? Autos mit Assistenzsystemen etwa zählen bereits als teilautonom. Die Entwicklungsstufen zum hin zum Selbstfahrer finden Sie detailliert erklärt ebenfalls bei aio.

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