Elektromobilität

Wie weit fährt ein E-Bike? Diese Faktoren senken die Reichweite

von Hannes Rügheimer

Die Reichweite eines Pedelecs hängt von vielen Faktoren ab und lässt sich nur schwer voraussagen. Es gibt aber ein paar Tricks für zusätzliche Kilometer.

Unterwegs mit dem Elektrofahrrad: Eine Radfahrerin fährt eine asphaltierte Straße zwischen Feldern entlang.
Untergrund, Gewicht, Gegenwind – viele Faktoren beeinflussen die Reichweite beim Elektrofahrrad. Foto: shutterstock/Mitch Shark

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Faktoren die Reichweite eines Elektrofahrrads bestimmen
  • Was Fahrer von E-Bikes beachten sollten, um die Reichweite zu erhöhen
  • Warum die Wahl von E-Bike, Antrieb und Akku entscheidend ist
  • Wie Bordcomputer und Online-Assistenten bei einer möglichst belastbaren Abschätzung helfen können

Die Herstellerangaben zur Reichweite eines Elektrofahrrads bzw. eines Pedelecs sind letztlich immer nur relative Werte und selten unter realen Bedingungen zu erreichen. Denn wie weit ein Elektrofahrrad tatsächlich mit einer Akkuladung kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

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Einige davon haben E-Biker selbst in der Hand. Beispielsweise wirkt sich das Gewicht vom Fahrer und Gepäck, aber auch vom Pedelec selbst auf die tatsächlich erzielbare Reichweite aus. Je weniger unnötigen Ballast das Fahrrad transportieren muss, umso besser für den Akku und die Reichweite.

Vorausschauend fahren für mehr Reichweite

Andere Einflussgrößen sind weniger offensichtlich – es lohnt sich aber, auch sie im Blick zu behalten: So empfehlen E-Bike-Profis beispielsweise, mit dem maximal zulässigen Reifendruck zu fahren. Denn das minimiert den Rollwiderstand und kann deshalb dazu beitragen, mehr Kilometer aus dem E-Bike-Akku herauszuholen.

An andere Tipps und Verhaltensregeln können sich Fahrer hingegen nur langsam herantasten. So hilft der Hinweis, das Pedelec mit möglichst vorausschauender Fahrweise zu bewegen, gerade Anfängern nur bedingt.

Häufiges Anfahren und Bremsen ist weniger wirtschaftlich als längere Strecken mit möglichst gleichmäßiger Geschwindigkeit zurückzulegen. Diesen "Flow" tatsächlich über größere Anteile der zurückgelegten Strecken durchzuhalten, erfordert allerdings Übung. Zudem ist diese Praxis auf Radwegen im Grünen sicherlich leichter umzusetzen als im Stop-and-Go-Verkehr in einer Stadt.

Wie beim Auto: Richtig schalten spart Strom

Ein weiterer Faktor, der etwas Praxis vonseiten des Radfahrers erfordert: das richtige Schalten. Anfahren und Steigungen legt man am besten in einem kleinen Gang zurück. Mit zunehmender Geschwindigkeit gilt es dann, entsprechend dem Gelände hochzuschalten.

Höherwertige E-Bike-Bordcomputer geben zu diesem Zweck Schaltempfehlungen. Wenn sie im Display erscheinen, sollte man sie beherzigen – auch dies bringt ein klares Plus auf dem Konto der Akku-Reichweite.

Falls die Kosten des E-Bikes eine ungeordnete Rolle spielen und der Komfort im Vordergrund steht, lohnt es sich eventuell, einen Blick auf Pedelecs mit einem sogenannten E-Shift-System zu werfen. Dabei handelt es sich um Automatik-Schaltungen, die den jeweils optimalen Gang zu Trittfrequenz, Pedalkraft, Geschwindigkeit und Motorleistung einlegen. E-Shift macht ein Elektrofahrrad allerdings schnell 300 bis 500 Euro teurer als ein vergleichbares Pedelec mit manueller Gangschaltung.

Ein Elektrofahrrad mit Blick auf den im Rahmen verbauten Akku.
Wie weit eine Akkuladung reicht, hängt auch davon ab, wo man mit dem Elektrofahrrad fährt. Das ständige Anhalten und Anfahren in der Stadt verbraucht mehr Strom als durchgehendes Fahren. Foto: Shutterstock / moreimages

Die Auswirkungen sind deutlich. Bei sonst unveränderten Bedingungen kann richtiges Schalten einen Unterschied zwischen 40 und 60 km Aktionsradius ausmachen (Annahmen: 400-kWh-Akku, City-Bike mit Standard-Antrieb, Durchschnittsgeschwindigkeit 18 km/h, überwiegend guter Asphaltuntergrund und nur wenige Steigungen).

Auf andere Rahmenbedingungen wie die Außentemperatur (mit sinkender Temperatur nimmt die Leistungsfähigkeit von Lithium-Ionen-Akkus ab) oder die Beschaffenheit des Untergrunds haben E-Biker nur wenig Einfluss. Immerhin sollten sie im Kopf behalten, dass sie im Winter mit einer Verringerung der üblichen Kilometerzahlen pro Akkuladung rechnen müssen.

Mehr Akkukapazität – mehr Reichweite

Auch das E-Bike selbst spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle: Prinzipiell sind sportliche Antriebe eher auf hohe Leistung ausgelegt, während Standardmodelle (bei Bosch etwa „Active Line", bei Shimano STEPS E-6000 oder bei Continental der 36-Volt-Motor) im Vergleich eher zurückhaltender ans Werk gehen und deshalb pro Kilometer auch tendenziell weniger Energie verbrauchen.

Ein bei Pedelecs sehr wichtiger und im Prinzip leicht zu beeinflussender Aspekt ist die Wahl der Unterstützungsstufe. Den Anteil des E-Bike-Motors an der gesamten aufzubringenden Tretleistung können E-Biker schließlich durch die Wahl des richtigen Fahrprogramms steuern. Je nach E-Bike und Drive-Unit (also dem Typ des E-Bike-Antriebs) liegt die vom Motor beigesteuerte Unterstützung zwischen 40 und 250 Prozent der aufzubringenden Tretleistung.

Es liegt natürlich auf der Hand, dass geringere Unterstützungsleistungen den Akku weniger schnell leer saugen als höhere. Eine möglicherweise nicht ganz angenehme Wahrheit auch beim Fahren mit einem Pedelec: Umso besser die körperliche Konstitution des Radfahrers, desto höher die mögliche Reichweite. Die Differenz zwischen moderater und hoher Unterstützung kann bei sonst unveränderten Bedingungen leicht 50 Prozent Unterschied zur Folge haben.

Eine Gangschaltung eines E-Bikes in der Nahaufnahme. Richtiges Schalten schont den Akku.
Im richtigen Moment zu schalten spart nicht nur beim Auto Sprit, sondern auch Strom beim E-Bike. Foto: picture alliance / dpa

Und gleich noch eine Binsenweisheit: Akkus mit höherer Kapazität bieten mehr Reichweite – sind aber auch teurer. Im Vergleich: Bei einem typischen Mix über die verschiedenen Fahrmodi und anderen Durchschnittsannahmen erreicht ein 300-kWh-Akku bis zu 70 Kilometer Reichweite, ein 400-kWh-Modell bis zu 85 km und ein 500-kWh-Akku bis zu 100 km. Wer möglichst große Aktionsradien sucht, sollte also auch den höheren Preis für einen Pedelec-Akku mit höherer Kapazität auf den Tisch legen.

Vermutlich ebenfalls keine Überraschung: Eine Möglichkeit zur Steigerung der maximalen Reichweite ist ein zweiter Akku. Der ist mit einem Gewicht von durchschnittlich 2,5 Kilogramm zwar einerseits eine zusätzliche Last (vom Preis ganz zu schweigen). Doch er ist eben auch der Schlüssel dazu, die verfügbare Reichweite elegant zu verdoppeln, was in der Praxis doch erheblich längere Touren ermöglicht.

E-Biker, die so eine Zusatzbatterie nicht im Rucksack oder anderweitig im Gepäck befördern möchten, können sich übrigens nach sogenannten Dual-Battery-Lösungen umschauen. Mit diesem Feature ausgestattete Elektrofahrräder besitzen zwei fest montierte Akkus (zum Beispiel einen am Rahmen und einen am Gepäckträger und schalten dann intelligent zwischen beiden Energie-Speichern um.

Der Mehrpreis solcher E-Bikes entspricht in etwa den Zusatzkosten für den zweiten Akku – die zusätzliche Elektronik fällt preislich kaum ins Gewicht.

Schlaue Bordcomputer – und noch etwas schlauere

Ein Indikator, wie weit die vorhandene Akkuladung wohl reichen mag, geben höherwertige Bordcomputer – beim Hersteller Bosch beispielsweise das Modell Nyon, bei Shimano das Display STEPS SC-E8000 oder bei Continental die angebotene Smartphone-App.

Die von solchen Systemen angegebenen Schätzungen nehmen bei für sie unbekannten Einflussgrößen Durchschnittswerte an und erzielen damit recht passable Prognosen für den per Pedelec erreichbaren Umkreis. Die Spreu vom Weizen trennt sich allerdings, wenn diese Anzeige mit dem Navigationssystem gekoppelt ist und dabei auch für die benötigte Motorleistung sehr wichtigen Steigungen und Gefälle berücksichtigt.

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Weil dies schon die Kür bei Bike-Navigation und Reichweiten-Vorhersage darstellt, lässt sich beispielsweise Komponenten-Hersteller Bosch dieses Feature für seinen Bordcomputer Nyon als separat freischaltbare Premiumfunktion („Topo-Reichweite") mit einer Einmalzahlung von 7 Euro vergüten – eine Investition, die sich für ambitionierte Pedelec-Fahrer auf jeden Fall lohnt.

Übrigens: Um die komplexen Zusammenhänge rund ums Thema Reichweite zumindest ein Stück weit nach den individuellen Faktoren des Fahrers beantworten zu können, bietet E-Bike-Komponentenhersteller Bosch auf seiner Website einen Reichweitenassistenten, mit dessen Hilfe E-Bike-Fahrer die Konsequenzen von Gewicht, Trittfrequenz, Fahrmodus, Reifenprofil und Geländeart auf die zu erwartende Reichweite durchrechnen lassen können.

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