Technik

Wie Sie mit der Batterie im Elektroauto Geld verdienen

von Dirk Kunde

Der Anteil erneuerbarer Energie im Strommix wächst deutlich, wenn der Strom gespeichert werden kann - deshalb werden Batterien in Elektroautos und Speicherbatterien im Keller zu zentralen Bausteinen der Energiewende.

Wie Sie mit der Batterie im Elektroauto Geld verdienen
Alles im Strom: Der Umstieg auf erneuerbare Energien kostet – kann aber auch wieder Geld einbringen. Foto: Shutterstock / QiuJu Song

Das erfahren Sie gleich:

  • Strom aus erneuerbaren Energien muss zwischengespeichert werden
  • Neben Speicherbatterien kann das auch die Batterie im Elektroauto
  • Wer Strom ins Netz abgibt, erhält mehrere hundert Euro pro Jahr

Erneuerbare Energien werden bevorzugt

Reichweite, Reichweite, immer geht es nur um die Reichweite. Wer überlegt, sich ein Elektroauto zu kaufen, fragt sich als erstes: Wie weit komme ich mit meiner Batterie? Ist ja auch wichtig, aber es gibt eine noch spannendere Frage: Kann ich mit der Batterie im Elektroauto auch Geld verdienen? Und die Antwort lautet: Ja!

Das Stromnetz ist ein sensibles Konstrukt. Angebot und Nachfrage müssen sich die Waage halten.

Das Ganze funktioniert dank der Energiewende. Die Politik will mehr erneuerbare Energien und weniger Strom aus fossilen Energieträgern oder Atomkraft. Aktuell liegt der Anteil von erneuerbaren Energien im deutschen Strommix bei rund einem Drittel. Doch mit den Naturkräften gibt es ein Problem: Wind und Sonne liefern tagsüber die meiste Energie. In Privathaushalten wird der Strom erst gegen Abend benötigt, wenn die Bewohner kochen, waschen oder Fernsehen schauen. Im schlechtesten Fall herrscht tagelang Windstille, oder der Himmel ist komplett bewölkt. Das Stromnetz ist ein sensibles Konstrukt. Angebot und Nachfrage müssen sich die Waage halten.

Windräder zur Erzeugung von erneuerbaren Energien
Die Energiewende verleiht Flügel: Windenergie leistet ein großen Anteil an der Gewinnung von sauberem Strom. Foto: Unsplash/lucabravo

Strom aus dem Elektroauto fürs Haus

Die Deutsche Energie-Agentur beschreibt in ihrer Netzflex-Studie, wie mehr Flexibilität beim Einspeisen und Entnehmen von Strom den erforderlichen Netzausbau kleiner ausfallen lässt. Netzertüchtigung lautet das Schlagwort. Dazu zählen die dezentralen Akkumulatoren, also aufladbaren Batterien, die die Lücke zwischen Stromerzeugung und Nutzung schließen. Unternehmen wie Sonnen, Varta Storage, RWE Homepower und Tesla bieten derartigen Batterien für Privathaushalte bereits an. Wer Solarzellen auf dem Dach hat, speichert hier seine Energie.

Sogar IKEA startet jetzt mit dem Verkauf von Speicherbatterien.

Aber auch Elektroautos werden als Speicher genutzt. Die meisten Autos fahren nur wenige Stunden pro Tag. Befindet sich das E-Auto an der Ladesäule oder der heimischen Steckdose, könnte es tagsüber mit Energie gefüllt werden. Am Abend wird der Strom wieder ins Netz gespeist. Allerdings nur so viel, dass der Besitzer am nächsten Tag noch zur Arbeit und zurück kommt. Interessant wird die Idee, wenn Hunderttausende, eventuell sogar Millionen Elektroautos in Deutschland unterwegs sind. Dann ließen sich die Ungleichgewichte zwischen Erzeugung und Verbrauch sehr präzise nach Wetterlage in den unterschiedlichen Regionen regeln. Das Potential erkennen auch große Unternehmen: Ikea startet, zunächst nur in Großbritannien, mit dem Verkauf von Speicherbatterien des Herstellers LG Chem. Die dazugehörigen Photovoltaik-Solarzellen verkauft das schwedische Möbelhaus schon länger.

Software verknüpft die Batterien

Die Steuerung des Befüllens und Entnehmens von Energie muss jemand dirigieren. Wie das funktionieren kann, zeigt das Hamburger Energieunternehmen Lichtblick mit seiner IT-Plattform Schwarmdirigent. Die Software verknüpft die Photovoltaik- und Biosgasanlagen, Blockheizkraftwerke und Speicherbatterien seiner Kunden. Da, wo viel Energie entsteht, wird sie entnommen und entweder gespeichert und an Orte mit hoher Nachfrage umgeleitet. „Eine wesentliche Herausforderung liegt darin, dezentrale Kraftwerke und Batterien so zu steuern, dass die Stromnetze stabil bleiben. Wir müssen vor Ort einen Ausgleich zwischen Energieangebot und Energienachfrage herstellen“, sagt Heiko von Tschischwitz, Gründer und CEO von Lichtblick. Aktuell sind rund 23.000 Haushalte mit Solaranlagen, Batteriespeichern und Blockheizkraftwerken im Schwarm des Anbieters zusammengeschlossen. Die erzeugte Stromleistung liegt bei knapp 60 Millionen kWh.

Das Geld wird geteilt

Denkt man im größeren Maßstab, könnten Software-Lösungen die Energieverteilung in allen Regionen des Landes koordinieren. Die Erträge aus Energieüberschüssen oder der Batteriespeicherleistung teilt der Dirigent mit den Teilnehmern. Lichtblick verspricht: "Die Erlöse hängen unter anderem von der Art der Einbindung und der Leistung, welche die Batterie erbringt, ab. Dies können bis zu mehrere Hundert Euro jährlich sein."

Zweites Leben als Speicherbatterie

Übrigens könnten auch alte, ausgediente Elektroautos ein zweites Leben erhalten: Am Ende ihres Lebenszyklus haben sie noch immer 70 bis 80 Prozent ihrer Speicherkapazität. Damit eigenen sie sich als Energiespeicher im Keller. Etliche Anbieter werden sich darauf spezialisieren, Batterien aus Elektroautos auszubauen und diese als Heimspeicher zu bündeln – bevor die Zellen an ihrem endgültigen Lebensende zum Recycling gehen.

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