Elektromobilität

Wie kann ich mit einer Ladestation für ein E-Auto Geld verdienen?

von
Stefan Adrian

Eine private Ladestation, die der Besitzer der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt – das ist nur eine Möglichkeit, mit dem E-Auto Geld zu verdienen.

Ein Ladestecker an einer öffentlichen Ladestation.
Nicht nur öffentliche Betreiber können mit Ladestationen Geld verdienen – auch private Besitzer einer Lademöglichkeit können E-Auto-Fahrern Strom "verkaufen". Foto: Shutterstock / Ekaterina Kupeeva

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Geld verdienen mit der Ladestation noch in den Kinderschuhen steckt
  • Wie sich mit dem stehenden E-Auto und Blockchain-Technologie Geld verdienen lässt
  • Wie das Geld zum Stromtankwart wird

Der Ausbau öffentlicher Ladestationen geht in Deutschland weiter voran. Mehr als 16.100 Ladepunkte gibt es hierzulande bereits. Wer sein Auto aufladen möchte, will sich jedoch nicht immer auf freie Säulen verlassen und von den Preisvorstellungen der Anbieter abhängig sein. Ein eigener Anschluss, etwa per Wallbox, ist deshalb bei vielen Nutzern gefragt.

Der neue Audi e-tron

Jetzt Ihren elektrischen SUV zusammenstellen

Konfiguration starten

audi.de/DAT-Hinweis

Der ist nicht nur praktisch, sondern kann auch Geld in die Kasse spülen. Wer es richtig anstellt, refinanziert damit vielleicht sogar einen wesentlichen Teil seiner Fahrtkosten. Dabei gibt es verschiedene Wege, um mit Ladestation und Elektroauto einen kleinen Zuverdienst zu erreichen.

Elli: Mit Volkswagens Stromanbieter Geld verdienen

Der deutsche Automobilkonzern Volkswagen dreht sein Geschäft in großem Umfang auf Elektromobilität. Für die kommenden Jahre sind zahlreiche Modelle mit Elektromotor geplant – in den Werken findet ein Umbruch statt. Zusätzlich investiert das Unternehmen in die Bereitstellung grüner Energie. Dafür gründete VW den Stromanbieter “Elli”.

Der soll bald Strom aus erneuerbaren Energiequellen an deutsche Haushalte liefern – egal ob sie ein Elektroauto haben oder nicht. Sollte ein entsprechendes Fahrzeug vorhanden sein, gibt es auch Wallboxen mit 11 kW sowie ein DC-Modell mit 22 kW. Letzteres ist besonders interessant, weil sich damit Geld machen lässt.

Die Wallbox arbeitet bidirektional, also in zwei Richtungen. Sie gibt Strom an das Fahrzeug ab, kann ihn den Batterien aber auch wieder entziehen. Kompatible Autos geben die elektrische Energie damit bei Bedarf ans Netz ab, die Besitzer erhalten dafür etwas Geld. Produziert das eigene Haus außerdem Strom, etwa durch eine Photovoltaik-Anlage, lässt sich auch dieser über Elli verkaufen. Weitere Details dazu will VW im Laufe des Jahres verraten.
Ladeservices für den Mittelstand

Ladeservices für den Mittelstand

Mario Freiherr von Maltzahn betreibt das Rittergut Leppersdorf, einen bei Dresden gelegenen Gutshof mit Ferienwohnungen. Der gelernte Elektriker, dessen Familie einer alten Adelsdynastie entstammt, baut die Räumlichkeiten seines Anwesens seit Jahren aus.

Im Zuge dessen kam ihm auch früh der Gedanke, eine Ladestation für Elektroautos zu installieren. "Weniger wegen potenzieller Gäste. Ich möchte sie vielmehr öffentlich anbieten für Menschen, die zufällig vorbeikommen", so seine Gedanke. Ein wichtiger Schritt in Richtung Elektromobilität.

Anfang Juni 2018 nahm er die Ladestation in Betrieb, Mitte Juni stellte er sie auf einige Tankstellen-Finder-Plattformen.

Ich hatte durch den Umbau des Gutshofs Anschlüsse mit 32 Ampere, eine Schnellladestation mit 22 kW war daher ein Muss. Es bringt ja nichts, wenn ein Wagen acht Stunden lang zum Aufladung steht.

Mario Freiherr von Maltzahn

Lachend fügt er hinzu: "Gekommen ist aber noch keiner." Damit taucht der sächsische Vermieter in eine Materie ein, die gerne als Airbnb für Elektroautos bezeichnet wird: Wie lässt sich als Privatperson mit elektrischen Ladestationen Geld verdienen? Was ist dafür nötig? Und geht das überhaupt?

Ja, wenn man Fritz Vogel von Enio glaubt. Der österreichische Unternehmer stellte im vergangenen Jahr seine Ladestation YouCharge vor. Sein Clou: Die Auflademöglichkeit steht im öffentlichen Raum, z.B. auf dem Gehsteig. Sie speist sich durch eine Auslegeleitung von der eigentlichen Ladestation, die im privaten Bereich steht, z.B. im Garten oder der Hauseinfahrt. Der Strom stammt aus dem hauseigenen Stromnetz.

Mit einem QR-Code kann jeder, der möchte, sein E-Auto laden und per Kreditkarte bezahlen. Der Besitzer der Ladestation bekommt das Geld und führt einen kleinen Betrag pro Transaktion an Enio ab. Betankt wird durch ein selbsteinziehendes Kabel, das ein langlebiger Seilzugmechanismus betreibt.

Wenn also Fahrer nach dem Aufladen vergessen, das Kabel einzurasten oder – auch das soll vorkommen – nach einem dringenden Telefonat in das Fahrzeug springen und davon fahren, bleibt das Kabel auf diese Weise nicht auf dem Gehsteig liegen und wird zum Ärgernis oder zur Stolperfalle. Nicht unwichtig für private Betreiber im öffentlichen Raum.

Aufladen durch Blockchain-Technologie?

In Deutschland ging vergangenes Jahr Share&Charge an den Start. Das Essener Start-up wollte ein Manko der Elektromobilität – nicht genügend öffentliche Ladestationen – durch die Kopplung mit privaten Ladestationen schließen. Blockchain-Technologie sollte eine dezentrale Infrastruktur und ein unkompliziertes Zahlungssystem ermöglichen, private Anbieter unkompliziert Geld verdienen.

Laut Hector Garcia, CTO des Entwicklers MotionWerk, habe sich das aber als zu große Herausforderung herausgestellt, vor allem was die Skalierbarkeit der Transkationskosten betrifft. Seit März dieses Jahres ist Share&Charge eingestellt – auch wenn die Macher betonen, nach wie vor an die Idee als solche zu glauben.

In England scheint das besser zu funktionieren. Dort treiben Plattformen wie chargeyourcar oder bookyourcharge den Sharing- & Cashing-Gedanken fort. Die zweite Plattform entstand im Mai 2017 als "Chargie" – im jamaikanischen Patois die Bezeichnung für einen engen Freund.

Kein Wunder: Laut einer Studie von Zap-Map, einem weiteren Anbieter, sind 48% der privaten Besitzer bereit, ihre Ladestationen anderen E-Autos zur Verfügung zu stellen. Bei ihrem im Mai 2018 gestarteten Programm Zap-Home stellen Privatpersonen ihre Location zum Aufladen zur Verfügung – zusammen mit Kontaktdaten und Zeiten, in denen die Stationen zur Bedienung frei stehen. Der Besitzer setzt einen Preis fest, gezahlt wird per PayPal.

Mit dem stehenden E-Auto Geld verdienen

Eine weitere Möglichkeit, Geld zu verdienen, ist die Vehicle to Grid-Methode. Hier wird das Fahrzeug zum temporären Stromspeicher und hängt im ruhenden Zustand am Netz. Der Akku nimmt bei Bedarf Strom auf oder gibt überschüssigen Strom ins Netz ab. Gerade wenn viel Strom im Netz ist, lässt sich das Auto preiswert laden.

Bei wenig verfügbarem Strom müssen Anbieter diesen aus dem Ausland teuer einkaufen – oder aber den, der aus dem Akku um die Ecke rückeingespeist wird. Elektroautos könnten so zu Puffern der Energiewende werden.

Aber Heerscharen von Elektroautos als Mini-Speicher für das intelligente Stromnetz klingt zu gut, um wahr zu sein, und tatsächlich gibt es einige Tücken. So führt das häufige Be- und Entladen von Akkus zu deren verminderten Lebensdauer, und die Rückeinspeisung funktioniert mit den meisten Serie-E-Autos nicht.

Zurück zur Ladestation: Geld als Stromtankwart

Die gängigere Methode ist und bleibt also wohl vorläufig die Vermietung einer privaten Ladestation. Ob und wie sich das private Sharing durchsetzen wird, hängt von der Technik, einer sinnvollen Einheitlichkeit und einer gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit ab. Je automatisierter und schneller ein Ladevorgang, desto höher der Anreiz. Und desto geringer die Hemmschwelle für eine Privatperson, mal schnell bei einem Unbekannten auf einen Steckdosen-Quickie vorbei zu kommen.

Vor wenigen Jahren konnte man sich ja auch noch nicht so recht vorstellen, seine Städtetrips im Nebenzimmer von Fremden zu verbringen. Heute steht Airbnb bei Kommunen auf der schwarzen Liste, weil es sich negativ auf die örtlichen Mietpreise auswirkt. Zumindest das wird wohl beim Teilen von privaten Ladestationen nicht der Fall sein.

Elektromobilität

Updates abonnieren und Dossier "E-Mobility" gratis erhalten.

Mal sehen, was kommt …

Auf dem Land lebende Anbieter wie Mario von Maltzahn sind jedenfalls nach wie vor Pioniere in einem überschaubaren Markt. Dementsprechend hat auch der Schlossherr noch nicht komplett definiert, wie genau er mit seinem Schnelllade-Spot umgehen wird. "Ich rechne das Aufladen erstmal bar ab, mit anderen Zahlungsmethoden muss ich mich erst noch befassen. Für eine halbe Stunde Laden habe ich einen Euro angesetzt", meint er. "Dann werde ich ja sehen, was passiert."

Ob private oder öffentliche Ladestationen, die Kosten sind meist recht unüberschaubar. Wer sich – zumindest im öffentlichen – Ladedschungel zurechtfinden möchte, der erhält Tipps und Tricks bei aio.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen