Leben

Studie enthüllt: Mikroplastik in unserem Trinkwasser

von Leonie Butz

Im Meer, in Fischen, in Salz und im Trinkwasser ist Mikroplastik – ob aus der Flasche oder der Leitung. Aber was können wir dagegen tun?

Blasen im Wasser
Mikroplastik im Meer landet in unseren Lebensmitteln – erst im Salz, jetzt auch im Trinkwasser. Foto: Unspalsh/Jamie Street

Das erfahren Sie gleich:

  • Zuerst wurden in Fleur de Sel bedenkliche Mengen an Mikroplastik gefunden
  • Jetzt zeigt eine Untersuchung: Auch in Leitungswasser und Wasser aus Flaschen ist Mikroplastik
  • Großbritannien verbietet jetzt Mikroplastik in Kosmetika und Pflegeprodukten

Mikroplastik: Gift für die Meere

Mikroplastik, das sind, wie der Name bereits vermuten lässt, winzige Plastik-Teile. Sie stecken oft als Bindemittel oder Füllstoffe in Kosmetika – oder als Peeling-Perlen im Waschgel. Über den Abfluss gelangt das Plastik ins Wasser. Kläranlagen können das Plastik nur teilweise aus dem Wasser herausfiltern, so der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der Rest landet in Flüssen und Meeren. Dort lagern sich Schwermetalle und Gifte an dem Material an, die gravierende Folgen für die Meeresbewohner haben können.

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Eine Untersuchung zur Mikroplastik-Verschmutzung von Lebensmitteln durch Abrieb der eigenen Verpackung muss weiter untersucht werden.

Dass aber nicht nur Tiere Opfer dieser Verschmutzung werden, zeigt jetzt eine Untersuchung von Wasser aus Flaschen. Bei der Plastikflasche ist die Verbindung im Kopf ja schon nah: In Wasser aus der Plastikflasche steckt Mikroplastik. Am schlimmsten belastet sind dabei Mehrwegflaschen. Einweg-Plastikflaschen weisen in einer Untersuchung des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA-MEL) hingegen nur ein Zehntel der Menge an Mikroplastik auf.

Das erstaunlichste Ergebnis kam jedoch bei Glasflaschen zutage: Denn einige Flaschen wiesen einen dreifach höheren Anteil an Mikroplastik auf als Einwegflaschen aus Plastik. Um welche Marken es sich bei den 38 untersuchten Mineralwassern handelte, darüber gibt die Studie keinen Aufschluss. Trotzdem empfiehlt das Untersuchungsamt eine weitreichende Kontrolle der Herstellung, die dem hohen Gehalt an Mikroplastik in Mehrwegflaschen auf den Grund gehen soll. Außerdem sei eine Untersuchung zur Mikroplastik-Verschmutzung von Lebensmitteln durch Abrieb der eigenen Verpackung weiter zu untersuchen.

Mikroplastik aus der Leitung

Aber was ist dann die Alternative? Leitungswasser? Auch hier fand eine Untersuchung jüngst Mikroplastik – und das weltweit. Gemeinsam mit der University of Minnesota kontrollierte die Nichtregierungsorganisation (NGO) Orb Media 159 Proben an Leitungswasser aus der ganzen Welt. Überall fand sich Mikroplastik, das meiste Plastik war jedoch in Proben aus den USA, Indien und dem Libanon vorhanden. Aber auch in Europa ist das Leitungswasser laut der Studie nicht frei von Plastik – auch in Deutschland nicht. Über Waschmaschinen, Wäschetrockner, Entlüftungssysteme oder einfach durch Abwasser gelangen winzige Kunstfasern ins Leitungswasser – so die Studie. Trotzdem ist das Wasser aus der Leitung noch immer sehr viel weniger belastet als das Wasser aus Flaschen. Für die Umwelt und für uns ist Leitungswasser also die bessere Wahl.

Fleur de Sel: Ein Spiegel für die Menschen

Aber auch Salz ist stark von Mikroplastik belastet. Am Institut für Biologie und Chemie des Meeres an der Universität Oldenburg untersuchten Wissenschaftler im Auftrag des NDR-Verbrauchermagazins Markt die fünf meistverkauften Fleur-de-Sel-Sorten in Deutschland. Heraus kam eine erschreckende Menge an Mikroplastik im Salz: Zwischen 130 bis 1800 Mikrogramm pro Kilogramm ließen sich bei der Untersuchung nachweisen. Das ist deutlich mehr als in herkömmlichem Meersalz.

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Diese Entwicklung ist nur eine konsequente Folge des vom Menschen produzierten Plastikmülls.

Eine Erklärung dafür könnten die unterschiedlichen Methoden der Salzgewinnung sein. Während das Fleur de Sel von einer hauchdünnen Salzschicht an der Wasseroberfläche stammt, kommt das herkömmliche Meersalz meist vom Boden eines Salzbeckens. Und obwohl es bislang weder einen gesetzlichen Grenzwert für Mikroplastik noch eine offizielle Warnung wegen Gesundheitsgefährdung gibt, raten Experten trotzdem zur Vorsicht. Denn die Schwermetalle und Umweltgifte, die auch für Meeresbewohner gesundheitsgefährdend sein können, sind auch für den Menschen nicht unbedenklich. Gegenüber dem NDR betont Barbara Scholz-Böttcher vom Institut für Biologie und Chemie des Meeres, dass diese Entwicklung nur eine konsequente Folge des vom Menschen produzierten Plastikmülls darstellt. „Insgesamt hält diese Entwicklung der Gesellschaft den Spiegel vor“, betont sie. „Der Plastikmüll landet in einem sehr hochwertigen Produkt jetzt wieder auf dem Essteller.“

Großbritannien als Vorreiter

Ein erster Schritt im Kampf gegen Mikroplastik ist der Verzicht auf Kosmetika, die diese winzigen Plastikbestandteile enthalten. Das gestaltet sich hierzulande aber äußerst schwierig, da Hersteller keine Kennzeichnungspflicht für das winzige Plastik haben. Als europäischer Vorreiter in dieser Entwicklung gilt deshalb gerade Großbritannien. Im Zuge des dortigen 25-Jahre-Umweltplans ist es Herstellern dort ab sofort verboten, Mikroplastik in Kosmetika und Pflegeprodukten zu verwenden. Ein Verkaufsverbot soll später in diesem Jahr folgen. Man müsse die kostbare Meeresfauna retten, und das Plastik sei sowieso überflüssig, heißt es von Umweltministerin Thérèse Coffey. Die Umweltorganisationen des Landes hoffen, mit diesem Schritt einen Meilenstein erreicht zu haben, der als Vorbild für ein weltweites Umdenken dient.

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