Leben

Wie Geocaching-Rätsel den Tourismus in Kanada beleben

von
Carola Franzke

Moderne Schnitzeljagd: Wilberforce in Kanada setzt auf Geocaching-Rätsel, um die strukturschwache Region mit sanftem Tourismus zu beleben.

Eine Frau hält eine Schatzkarte auf alt wirkendem Papier
Geocaching ist eine Art moderne Schatzsuche mit GPS. Foto: CC0: Unsplash/N.

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie ein kleiner Ort in Kanada mit Geocaching-Touren den Tourismus belegt
  • Wieso Geocaching und nachhaltiger Tourismus perfekt zusammenpassen
  • Welche skurillen Geocaching-Rätsel die Initiatorin erfindet

Geocaching-Rätsel: Schnitzeljagd mit GPS

Findige Einheimische im idyllischen Wilberforce haben ihren kleinen Ort zur „Geocaching-Hauptstadt von Kanada“ ausgerufen. Mit hunderten von ausgeklügelten Geocaching-Rätseln und den sogenannten „Caches“, also Geheimverstecken, konnten sie die 400-Seelen-Gemeinde tatsächlich bereits zu einem der drei beliebtesten Ziele in der weltweiten Community der aktiven Geocacher machen.

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Über diesen Erfolg freuen sich die Einheimischen sehr, denn Wilberforce in Ontario hat einige Probleme, der Ort drohte langsam auszusterben. So hat etwa die örtliche Bankfiliale geschlossen – die Menschen fahren nun in den nächstgrößeren Ort, um Bankgeschäfte zu erledigen, und machen dann dort auch gleich alle anderen Besorgungen.

Das bedeutet Umsatzeinbußen für viele der kleinen lokalen Geschäfte, führt zu Geschäftsschließungen und macht letztlich das Leben vor Ort für nicht so mobile Menschen wie Senioren noch schwerer.

Genau gegen diese Abwanderung setzt Wilberforce in seiner erklärten Eigenschaft als Geocaching-Hauptstadt nun auf den Tourismus als Ausgleich.

So wurde Wilberforce Geocaching-Hauptstadt

Die Idee dazu hatte Mary Barker, Inhaberin des lokalen Postbüros, nachdem sie 2005 einen Kurs über die Benutzung von GPS-Geräten gemacht hatte. Dabei war auch Geocaching ein Thema, die GPS-unterstützte Schatzsuche, die sich unter Fans seit fast zwanzig Jahren als Trend behaupten kann.

Mary stellte völlig überrascht fest, dass sich ein Cache in Wilberforce ganz in der Nähe befand: „In dem Logbuch waren hunderte von Einträgen. Wann waren all diese Menschen durch unseren Ort gereist? Haben sie im Diner gegessen, Lebensmittel und Souvenirs gekauft oder hier im Ort übernachtet?“

Mary Barker war auch davon beeindruckt, dass alle diese Menschen in den kleinen Ort gereist und wieder abgefahren waren, ohne etwas zu zerstören oder aufzufallen.

Was ist Geocaching?

Geocacher und sanfter, nachhaltiger Tourismus passen wirklich gut zusammen, denn sie sind eine besondere Spezies: Üblicherweise sind das Menschen, die gern draußen sind und sich mit ihrer Umgebung befassen mögen. Die Caches sind schwer zu finden und gut versteckt, denn Außenstehende sollen ja nicht zufällig darauf stoßen.

Ein Cache enthält kleine Schätze, wie etwa Schlüsselanhänger, Murmeln oder ähnliches, und natürlich das Logbuch: Hier tragen sich die Finder ein. Wer einen Cache findet, nimmt sich etwas heraus, muss aber selbst auch einen „Schatz“ hinterlassen. Den exakten Ort eines Caches muss man häufig anhand einer rätselhaften Beschreibung finden: Man muss sich also mit offenen Augen durch die Welt bewegen, um ein erfolgreicher Geocacher zu sein.

Die mobile Version von Pokémon wurde als Nachfolger des Geocaching-Trends gefeiert, weil es die Spieler nach draußen zieht. Dabei stehen die Gamer beim hochgelobten Pokémon Go und anderen, „location based“ Spielen nun einfach draußen an irgendwelchen Kreuzungen und tippen auf ihrem Smartphone herum, anstatt das drinnen auf dem Sofa zu tun.

„Echte“ Geocacher, die dauerhaft Spaß an ihrer Schnitzeljagd haben, nutzen dagegen das GPS oder das Smartphone nur als Werkzeug, um sich an ihr Ziel zu bewegen. Sie genießen ansonsten das Abenteuer in der Natur oder — in Städten — zumindest unter freiem Himmel. Das macht die Geocacher zu genau der Zielgruppe, die sich für nachhaltigen, sanften Tourismus interessiert.

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Skurrile Einfälle beim Geocaching

Mary Barker musste einiges an Überzeugungsarbeit leisten, um die Menschen in ihrer Gemeinde für ihre Idee zu begeistern. Der Erfolg gibt ihr offenbar recht, denn inzwischen machen auch sechs Nachbarorte mit, und es gibt mehr als 500 Caches in der Gegend. Viele davon hat sie sich selbst ausgedacht und zusammen mit ihrem Ehemann und Freunden gebaut.

Nicht nur ihr kleiner Heimatort profitiert vom Tourismus und den vielen Besuchern, auch die Initiatorin hat etwas davon. Die Barkers und ihre Freunde haben viel Spaß dabei, neue Caches zu bauen und sich Rätsel auszudenken: Eines der Verstecke kann man beispielsweise nur öffnen, wenn man ein Kinderlied auf einem Xylophon spielt.

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