Technik

Wie der Wohlfühlwert die Reisekrankheit in autonomen Autos stoppt

von Paul Bandelin

Die Reisekrankheit entsteht, wenn das Gehirn widersprüchliche Informationen erhält. Besonders in selbstfahrenden Autos tritt sie vermehrt auf.

Ein Auto, das schnell durch einen Tunnel fährt – an den Wänden werden Lichter reflektiert.
Beim Autofahren kommt es bei vielen Menschen zur Reisekrankheit – besonders in selbstfahrenden Autos, wenn die Augen im Laptop statt auf der Straße sind. Foto: Shutterstock / Younes Stiller Kr

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Reisekrankheit besonders beim autonomen Fahren zum Problem wird
  • Wie eine Langzeitstudie mit selbstfahrenden Autos Reisekrankheit vermeiden soll
  • Warum auch der Konflikt zwischen Gleichgewichtsorgan und Auge zum Unwohlsein beiträgt

Die Hersteller autonom fahrender Autos müssen sich bei der Entwicklung ihrer Fahrzeuge mit einem auf den ersten Blick eher sekundären Problem befassen: Der Reisekrankheit. Ersten Studien zufolge gibt es ein erhöhtes Auftreten der Beschwerde in selbstfahrenden Autos. Bei der Bewegungs- oder Reisekrankheit reagiert der Körper bei rund 70 Prozent der Menschen mit Schwindel, Kopfschmerz, Blässe und/oder Übelkeit auf ungewohnte Bewegungen, während er sich in einem Fahrzeug befindet.

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Der Grund dafür: Die Sinnesorgane erhalten widersprüchliche Informationen zur räumlichen Lage und Bewegung des Körpers und reagieren dementsprechend. Auffallend dabei ist, dass die Fahrer des jeweiligen Fahrzeugs so gut wie nie von der Reisekrankheit betroffen sind. Ein valides Verfahren, um der Problematik Herr zu werden, gibt es noch nicht.

Gegen Reisekrankheit in selbstfahrenden Autos

Die Tochterfirma der indischen Automobilfirma Tata Motors, Jaguar Land Rover, hat sich jetzt diesem Problem angenommen. Sie haben mit einer Studie versucht herauszufinden, wie sie den Betroffenen in selbstfahrenden Autos helfen können.

Dabei hat das Unternehmen einen Algorithmus kreiert, der eine Art Wohlfühlwert individuell für jeden Menschen generiert. Dieser lässt sich nutzen, um die Einstellungen des selbstfahrenden Autos sowie seines Inneren so anzupassen, dass sich die Reisekrankheit um bis zu 60 Prozent vermindert.

Da wir uns in Richtung einer autonomen Zukunft bewegen, bei der die Insassen eines Fahrzeugs mehr Zeit haben, um zu arbeiten, lesen oder zu entspannen, ist es enorm wichtig, dass wir Fahrzeuge entwickeln, die sich den Eigenheiten des Passagiers anpassen, um der Reisekrankheit vorzubeugen.

Spencer Salter, Ingenieur bei Jaguar Land Rover

Der Wohlfühlwert errechnet, wie anfällig die jeweiligen Insassen für die Reisekrankheit sind. Dabei kommen biometrische Sensoren zum Einsatz, die physiologische Auffälligkeiten der Passagiere erkennen und aufzeichnen. Kombiniert mit Bewegungs- und Dynamikdaten erkennt das Fahrzeug so, wann jemandem übel wird – noch bevor es ihm schlecht geht – und ändert gegebenenfalls die Fahrweise oder die Lichtverhältnisse.

Darüber hinaus könnte das Navigationssystem dem Insassen beispielsweise vorher mitteilen, in welche Richtung das Fahrzeug demnächst abbiegt. So kann sich dieser darauf einstellen.

Das Armaturenbrett eines Autos.
Wenn Insassen im Auto nicht auf die Straße blicken, können Auge und Gleichgewichtsorgan in einen Konflikt geraten. Foto: Shutterstock / Yauhen_D

Für die Erstellung dieser individuellen Einstellungen hat Jaguar Land Rover die Daten von rund 25.000 Kilometern autonom gefahrener Strecke untersucht und währenddessen ergründet, wie die Probanden auf verschiedene Aufgaben als Beschäftigung, wie beispielsweise das Lesen von E-Mails reagieren. Anhand dessen haben die Experten eine Art Basislinie erschaffen, wie sich autonome Autos bewegen müssen, um die Wahrscheinlichkeit von Übelkeit und Schwindel zu minimieren.

Auge und Gleichgewichtsorgan im Einklang

Ein weiteres Forscherteam, das sich dem Problem angenommen hat, kommt von der US-amerikanischen Uni Michigan. Am dortigen Transportation Research Institute haben Michael Sivak und Brandon Schoettle ein System entwickelt, das die Reisekrankheit ebenfalls bekämpfen soll. Die Technik ahmt Lichtsignale in der näheren Umgebung der Augen der Passagiere nach, die diese sehen würden, wenn sie in einem selbstfahrenden Auto aus dem Fenster schauten.

Updates

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Diese Technik soll den häufig aufkommenden Konflikt zwischen Auge und Gleichgewichtsorgan beseitigen. Dazu entwickelten die beiden Forscher zwei Varianten:

  • Bei ersterer tragen die Insassen eine Art Brille, die sie mit Lichtsignalen versorgt
  • Bei der Zweiten ist die Lichtanlage im Auto installiert

Noch befindet sich die dazugehörige Forschung allerdings in den Kinderschuhen.

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