Elektromobilität

Wie alte Autos das autonome Fahren lernen könnten

von
Carola Franzke

Autonomes Fahren ruft Erfinder und Bastler auf den Plan: Aber könnte wirklich jeder sein Fahrzeug in Eigenbau zum selbstfahrenden Auto umrüsten?

Der Rückspiegel eines Autos, darauf ist ein nachrüstbarer Parksensor, die Rainbow Einparkhilfe, angebracht.
Sensoren zum nachrüsten des alten Autos – wie hier die Rainbow Einparkhilfe – ermöglichen autonomes Fahren der Stufe 1 für den kleinen Geldbeutel. Foto: Shutterstock / Grinis

Das erfahren Sie gleich:

  • Was Gebrauchtwagen mit dem autonomen Fahren zu tun haben
  • Wie alte Wagen zu selbstfahrenden Autos werden
  • Wie ein Umbau in der Praxis aussehen sollte
  • Welche Hürden dem Selbstbau-Selbstfahrer im Weg stehen

Was Gebrauchtwagen mit dem autonomen Fahren zu tun haben

Neuwagen mit Assistenzsystemen und teilautonomer Steuerung sind heiß begehrt – und das nicht nur im Bereich der Elektromobilität. Wer keinen „Neuen“ kaufen kann, scheint in die Röhre zu gucken. Oder doch nicht?

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Der Markt an gebrauchten Autos, die weltweit auf den Straßen unterwegs sind, ist riesig. Die Frage nach gebrauchten Fahrzeugen und ob man mit Nachrüstsätzen auch seinen „Alten“ zum selbstfahrenden Auto umbauen kann, ist nicht nur naheliegend, sondern auch sehr reizvoll.

Als Zweitausrüster oder Anbieter von Nachrüstsätzen sind Entwickler – zumindest theoretisch – nicht an einen Hersteller gebunden. Da die Ressource „potenzieller Kunde“ für selbstfahrende Autos im Eigenbau fast unendlich ist, öffnet sich also ein riesiger Tummelplatz für Erfinder und Bastler.

Den Gesetzen der freien Marktwirtschaft folgend gibt es bereits einige Unternehmen und Start-ups, die sich damit befassen, wie man gebrauchte Autos zum Selbstfahren umrüstet.

Wie alte Wagen zu selbstfahrenden Autos werden

Es gibt beispielsweise Polysync aus Portland (Oregon) und AutonomouStuff aus Morton (Illinois), beides Anbieter von Hard- und Software, um Autos in Eigenbau autonom zu machen. Auch drive.ai, ein Sillicon Valley-Start-up, befasst sich damit. Ins Auge fällt auch Udacity, gegründet von dem Deutschen Sebastian Thrun.

Udacity ist eine Bildungs- und Networking Plattform, auf der sich ein besonderer Schwerpunkt einerseits um die Entwicklung des autonomen Fahrens dreht. Andererseits geht es um die Ausbildung der dringend benötigten Entwickler und Ingenieure.

Thrun ist forschender Professor in Stanford und ein ehemaliger Google Fellow; bei Google X hat er als Projektleiter an der Entwicklung des selbstfahrenden Autos und an Google Glass mitgewirkt.

Auf der Webseite von Udacity finden sich so prominente Kooperationspartner wie Google, Amazon, Facebook. Aus der Mobilitätsbranche selbst kommen Namen wie Uber, Mercedes, BMW und McLaren. Klar ist, dass sich in Sachen autonomes Fahren vieles bewegt.

Der Lincoln MKZ – die amerikanische Luxusmarke von Ford – mit Nachrüst-Hardware von AutonomouStuff
Das Unternehmen AutonomouStuff stellt Hard- und Software für Wagen wie den Lincoln MKZ – eine Luxusmarke von Ford – her. So lassen sich eigene Wagen zu selbstfahrenden Autos umrüsten. Foto: AutonomouStuff

Wie ein Umbau in der Praxis aussehen sollte

Alle diese Ansätze wirken bei genauerem Hinsehen jedoch sehr theoretisch. Das verwundert nicht: Der gesetzliche Rahmen, in dem sich solche Erfindungen bewegen müssen, ist in jedem Land anders. Und so riesig der Markt an gebrauchten Autos ist, nicht weniger groß sind die technischen Unterschiede.

Einer, der sich davon am Anfang nicht abschrecken lies, ist George Hotz, ein Software-Genie und ehemaliges „IT-Wunderkind“ aus Kalifornien. Eigentlich sollte er im Auftrag von Tesla ein optisches Sensorensystem entwickeln.

Als das Projekt platzte, hat er einfach weitergemacht und seinen ersten Prototypen entwickelt. Das Gerät comma one sollte einfach an der Windschutzscheibe anzubringen sein und dem Auto das Selbstfahren ermöglichen. Die amerikanische Verkehrsbehörde wollte da nicht mitmachen und verlangte ausführliche Tests.

Hotz zog den Launch zurück und begann, Hard- und Software getrennt zu verkaufen. Er sagte dazu, „Was die Leute dann damit machen, liegt nicht in meiner Hand. An ihren Autos gebastelt und geschraubt haben sie schon immer, was sollte denn jetzt falsch daran sein?“

Doch auch George Hotz ist inzwischen mit seinem Start-up comma.ai auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Und es ist klar: Leider wird comma.ai nicht die Lösung für autonomes Fahren für Jedermann und alle Gebrauchtwagen sein.

Das Unternehmen verkauft gegenwärtig zwar Nachrüstsätze, aber nur für ausgesuchte Modelle von Honda und Toyota, die in den USA besonders populär sind — und teils schon die entsprechenden Sensoren an Bord haben.

Welche Hürden dem Eigenbau-Selbstfahrer im Weg stehen

In Europa sind die Stimmen eher kritisch – nicht nur wegen der vielen rechtlichen Fragen. Marcel Mühlich vom Auto Club Europa (ACE) findet den nachträglichen Einbau von Assistenzsystemen wie Kollisions- und Spurhaltewarner, Licht- und Regensensor, Rückfahrkameras und Einparkhilfen völlig in Ordnung – sofern das fachmännisch ausgeführt wird.

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Aber in Sachen nachträglicher Autonomie zieht er ein klares Fazit: "Komplexe Systeme wie Spurhalte- oder Notbremsassistenten können nur vom Hersteller abgestimmt werden, denn sie müssen auf viele Sensoren und Daten aus dem Steuercomputer des Fahrzeugs zurückgreifen."

Es scheint, als bleibe das selbstfahrende Auto per Nachrüstung auf längere Sicht ein Zeitvertreib für Nerds und Bastler mit eingeschränkter Hoffnung auf Straßenzulassung.

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