Elektromobilität

Wenn das E-Bike streikt: Selbst reparieren oder in die Werkstatt bringen?

von Gertrud Teusen

Laufen Akku oder Motor des E-Bikes nicht mehr rund, dann ist guter Rat teuer – sprich häufig kann nur der Fachmann in der Werkstatt einen Schaden beheben.

Ein Frauenfinger an einem E-Bike-Akku.
Reagiert das System des E-Bikes nicht, dann ist meist der Besuch in der Fachwerkstatt angeraten. Foto: Shutterstock / Microgen

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum beim E-Bike eine kleine Panne zum großen Problem werden kann
  • Weshalb die Garantie bei einem defekten Fahrrad nur bedingt hilft
  • Wieso hinter Problemen mit dem E-Bike meist die Software steckt
  • Warum Sie Akku, Motor oder Display besser nicht selbst reparieren
  • Was eine Fachwerkstatt regelmäßig checken sollte – und was Sie selbst tun können

E-Bike ist gleich Fahrrad – nur eben mit dem Vorteil, dass die Pedalleistung durch einen Elektromotor unterstützt wird? Nicht ganz. Der kleine Unterschied – Motor oder kein Motor – hat große Auswirkungen. Im positiven Sinn müssen sich Fahrer weniger anstrengen, um von A nach B zu kommen. Wenn allerdings diese Unterstützung ausfällt, dann kann eine kleine Panne schnell mal zum großen Problem werden – wie beim großen Bruder, dem E-Auto.

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Wer sich ein Pedelec – ganz gleich mit welcher Motorisierung – anschafft, sollte sich bewusst sein, dass den eigenen Reparaturkünsten enge Grenzen gesetzt sind. Denn die Zeiten, in denen man mit ein bisschen Flickzeug und einer überschaubaren Werkzeugauswahl ein Rad wieder instand setzten konnte, enden dort, wo Strom im Spiel ist.

Neues Rad – volle Garantie?

Als stolzer Besitzer oder Besitzerin eines neuen Elektrofahrrads erwartet man eigentlich noch keine größeren Probleme. Je nach Hersteller und Fachhändler, bei dem man das Bike erworben hat, fährt man ohnehin in den ersten Monaten "auf Garantie". Der sorgenfreie Zeitraum unterscheidet sich, je nachdem, welches Rad man wo gekauft hat. Beim Privatkauf sind Garantien ausgeschlossen, es sei denn man erwirbt ein E-Bike der Premiummarken (z.B. mit einem Bosch-Motor), diese bleiben selbst beim Verkauf bestehen.

Etwas anderes sind Gewährleistungen für mangelhafte Ware. Auf diese hat man länger (bis zu zwei Jahren) Anspruch. Nach Ablauf von sechs Monaten jedoch kommt die Umkehr der Beweislast zum Tragen. Ab dann muss der Käufer nachweisen, dass das Rad schon beim Kauf einen Mangel hatte. So oder so: Wer selbst Hand an ein neues Pedelec legt, verwirkt jegliche Ansprüche gegenüber Händler oder Hersteller.

Probleme mit dem E-Bike? Oft ist die Software schuld

An einem E-Bike gibt es viele sensible Teile, die man schlicht nicht alleine reparieren sollte. Denn wenn der Motor keinen richtigen Zug mehr hat oder die Reichweite merklich nachlässt, dann stehen Akku, Motor und vor allem die Software unter Generalverdacht. "Probleme bei Pedelecs haben tatsächlich oft mit der Software zu tun", bestätigt auch René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Der einzig vertretbare Instandsetzungsversuch darf für den Laien das Drücken des Reset-Knopfs sein.

Um das System zurückzusetzen muss in der Regel der Anschalt-Knopf am Akku für etwa 20 Sekunden gedrückt werden. Wie beim Computer wird dadurch ein Neustart des Systems initiiert. Manchmal lassen sich dadurch Antriebsprobleme schon lösen. Wenn dem nicht so ist, dann muss das Rad in die Werkstatt. Entsprechende Fach-Werkstätten verfügen über Diagnose-Tools mit denen ein Systemcheck durchgeführt werden können. Geprüft werden dabei:

  • Bordcomputer
  • Akku
  • Motor

Auch ob die Software auf den aktuellen Stand ist, lässt sich so prüfen. Allerdings ist das Wissen, woran es hakt, noch keine Garantie, dass es auch gleich in der Werkstatt behoben werden kann. Oft werden defekte E-Bikes zum Hersteller geschickt und dort repariert.

Eine Männerhand drückt auf das Display eines E-Bikes.
Ein Neustart kann das E-Bike wieder flott machen – ansonsten heißt es ab in die Werkstatt. Foto: Shutterstock / moreimages

Akku, Motor, Display – bitte nicht öffnen!

Das Grundprinzip von E-Bikes ist, dass die Pedelec-Motoren während des Tretens den Fahrer mit bis zu 250 Watt Leistung unterstützen. Die dafür nötige Energie, die der Motor braucht, stellt der Akku bereit. In der Regel handelt es sich dabei um einen Lithium-Ionen-Akku.

Das Display des E-Bikes ist sozusagen die Schaltzentrale, die den Antrieb koordiniert. Wenn der Motor lahmt oder nicht anspringen will, dann liegt es oft nur daran, dass das Display nicht richtig eingesteckt oder in die Halterung geschoben wurde. Daran herumzumanipulieren, kann allerdings gefährlich sein.

Bei Display, Akku und Motor gilt: keinesfalls öffnen!

Wasilis von Rauch vom Verkehrsclub Deutschland (VCD)

Allein die Lithium-Ionen-Akkkus reagieren schon sehr sensibel auf Manipulationen und könnten bei unsachgemäßer Handhabung überhitzen oder gar in Brand geraten. Und – wie der Name Elektrofahrrad schon nahelegt – fließt Strom durch einige Teile des Rades. Sich bei Reparaturversuchen einen elektrischen Schlag zu holen ist also durchaus möglich. "Gesundheitsgefährdend wird es ab einer Spannung von 50 Volt", sagt Experte von Rauch.

Und auch ein Reifenwechsel kann problematisch sein – wenn der Motor des E-Bikes nicht in der Mitte des Rads sitzt:

Kompliziert kann ein Reifenwechsel bei Pedelecs sein, die den Motor im Vorder- oder Hinterrad haben. Der Motorstecker – die Verbindung von Akku und Motor – ist manchmal nicht gut zu erreichen, zudem ist das Rad mit Motor deutlich schwerer.

VCD-Experte Wasilis von Rauch

Nahaufnahme eines Mittelmotors eines E-Bikes.
Sitzt der Motor in der Mitte, ist der Reifenwechsel kein Problem – ansonsten ist auch hier die Werkstatt der erste Anlaufpunkt. Foto: Shutterstock / Hadrian

Das sollte eine Fachwerkstatt regelmäßig checken

Qualifizierte Fahrradwerkstätten bieten einen regelmäßigen Wartungsservice für Elektrofahrräder an. Gerade für die neuralgischen Problembereiche des E-Bikes (und bei entsprechendem Wert) lohnt sich das durchaus. Eine solche Durchsicht sollte idealerweise nach der Winterpause geschehen, oder wenn man das E-Bike ganzjährig nutzt, auch gern im Herbst.

Was man regelmäßig, schon in Hinblick auf die höheren Geschwindigkeiten, die ein E-Bike erreichen kann, checken lassen sollte, sind die Bremsen. Pedelecs verfügen in der Regel über hydraulische Bremsen. Da man mit seinem Elektrorad natürlich auch Tempo machen kann, sind gute Bremsen das A und O. Je nachdem wie das Bike genutzt wird sollte man regelmäßig einen Bremstest durchführen und bei Unsicherheit in die Werkstatt gehen.

Dort wird folgendes gemacht:

  • Bremshebel auf den Druckpunkt hin prüfen
  • Bremsscheiben auf Verfärbungen hin begutachten
  • Bei Verschleißanzeichen Bremsscheiben austauschen
  • Befüllen und Entlüften der Bremsanlage

Das können Sie selbst tun: Gute Pflege ist entscheidend

Die Reifen des E-Bikes müssen u.U. einiges aushalten. Dabei spielt der richtige Reifendruck eine wichtige Rolle, der – wie beim E-Auto – auch die Reichweite beeinflussen kann. Auf der Seite der Reifen ist der Minimal- und Maximal-Druck vermerkt – daran sollte man sich unbedingt orientieren. Dazu braucht man bspw. eine Pumpe mit Manometer oder ein ähnliches Druckmessgeräte. Der berühmte Daumendruck, den man vom normalen Fahrradreifen kennt, genügt beim E-Bike nicht. Experten empfehlen den Reifendruck einmal im Monat zu kontrollieren. Bei dieser Gelegenheit kontrolliert man die Reifen am besten auch gleich auf Risse oder sprödes Material.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Ein gut gepflegtes Elektro-Fahrrad geht weniger häufig kaputt. Das liegt unter anderem daran, dass es viele sensible Teile gibt, die sich mit Dreck und Schmutz gar nicht gut vertragen. Je nach Gebrauch sollte man es mindestens zweimal jährlich einer Grundreinigung unterziehen – auch um es in der kalten Jahreszeit winterfest zu machen. Dazu sind spezielle sanfte Reinigungsmittel die beste Wahl.

Worauf Sie unbedingt achten sollten:

  • Die Kontakte an Akku und Display dürfen nicht feucht gesäubert werden – diese sollten trocken bleiben
  • Alle Schrauben sollten fest angezogen sein – vor allem beim Sattel und Lenker
  • Für die Reinigung von Kette und Ritzeln bieten sich übrigens ausrangierte Zahn- oder Spülbürsten an. Auch sollten sie regelmäßig gefettet werden, am besten mit hochwertigen Kettenfetten. Das sollte man übrigens regelmäßig, etwa einmal im Monat, tun

Unter Strom – die Grenzen der Fahrradbastelei?

Generationen von Fahrradfahrern haben Reifen gewechselt und Schaltungen eingestellt. Da ein E-Bike zum großen Teil wie ein normales Fahrrad funktioniert, kann man alles, was mechanisch ist, in der Regel selbst reparieren. Wem das zu heikel ist, der sollte besser in eine qualifizierte Werkstatt gehen. Fakt ist, dass E-Bikes meist ein Vielfaches eines normalen Fahrrads kosten. Vor diesem Hintergrund sollte man an die elektrischen Teile wirklich nur den Fachmann lassen.

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