Leben

Weniger Smog, mehr Luft: Riesenstaubsauger für Peking

von Sabrina Lieb

Luftverschmutzung ist ein globales Problem, in Peking jedoch besonders. Ein smogsaugender Turm soll nun die Luftqualität im öffentlichen Raum verbessern.

Smog über Peking: Am 18. Dezember 2016 vermeldete China einen roten Alarm, weil in einigen Städten in Nordchina der Smog so dicht war.
In Peking ist der Smog seit Jahren ein Problem – um die Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen, soll jetzt ein Riesenstaubsauger zum Einsatz kommen. Foto: picture alliance / Vcg/MAXPPP/dpa

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum die Luftverschmutzung in Peking die WHO-Grenzwerte um ein vielfaches übersteigt
  • Weniger Smog, mehr Frischluft – wie ein Riesenstaubsauger Abhilfe schaffen soll
  • Wie der Smog Free Tower den gesammelten Dreck nach der Luftreinigung recycelt

In Peking steht der größte Luftreiniger der Welt

Mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern ist Peking die zweitgrößte Stadt Chinas und gilt als das wichtigste kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Mit der Planung eines ganzen KI-Stadtteils machte die Stadt jüngst von sich reden.

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Peking ist bekannt für seine mehr als dreitausendjährige Historie und – so die Kehrseite der Medaille – auch für eine hohe Luftverschmutzung. Der Feinstaubindex in Peking ist 20 Mal so hoch wie der Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation. Da helfen kleine Anlagen, wie ein City Tree, nicht mehr aus. Für Abhilfe soll deshalb nun ein Smog-saugender Turm sorgen.

Weniger Smog, mehr Frischluft

„Luftverschmutzung ist überall, nicht nur in Peking. Wir wollen kreatives Denken und neue Technologien nutzen, um das Leben zu verbessern“, sagt Daan Roosegaarde. Der niederländische Künstler und Innovator hat den größten Smog-Staubsauger der Welt gebaut, der die Luftqualität im öffentlichen Raum verbessern soll.

Der Turm ist Teil des Smog Free Projects, mit dem der Künstler zeigen möchte, wie eine Stadt aussehen, sich anfühlen und riechen kann. „Das lässt die Menschen den Wert sauberer Luft erleben.“ Ein Jahr zuvor hatte der 38-Jährige seinen Smog Free Tower bereits in Rotterdam vorgestellt. Übrigens nicht das erste Kunstprojekt, das neben schöner Optik auch noch der Umwelt hilft.

Ein Turm mit vielen Lamellen, die den Smog einsaugen und filtern; im Hintergrund ist eine Fabrik zu sehen.
Der Turm ist Kunstprojekt und Umweltschutz zugleich: Die Lamellen saugen den Smog in Peking auf. So befreit er eine kleine Region von der Luftverschmutzung. Foto: Derrick Wang

Recycelte Luftverschmutzung

Stolze sieben Meter misst die mit Blechlamellen überzogene Konstruktion, die in Zusammenarbeit mit der niederländischen Universität Delft entstand. Sie soll die Luft reinigen und damit eine 60 Meter umspannende Smog-freie Blase erzeugen.

Der zweistöckige Smog Free Tower soll in der Lage sein, rund 30.000 Kubikmeter Luft pro Stunde zu reinigen. Dabei nutzt der Riesenstaubsauger ozonfreie Technologie, die auf eine effiziente Art und Weise Smogpartikel aus der Luft einfangen.

Aus dem recycelten Feinstaub ließe sich auch Schmuck herstellen, beispielsweise Ringe oder Manschettenknöpfe.

Hierzu saugt der Turm am oberen Ende Luft ein. Den enthaltenen Feinstaub lädt er über Kupferspulen elektrisch auf, wodurch der feine Filter ihn schließlich binden kann. Während die saubere Luft durch die breiten Seiten wieder hinausströmt, bleibt die Luftverschmutzung im Inneren des Turmes.

Und was passiert mit dem gesammelten Dreck? Den will Roosegaarde nicht einfach entsorgen sondern weiter verwerten. So kann der komprimierte Smog beispielsweise in kleine transparente Würfel gegossen werden. Auch ließe sich mit dem recycelten Feinstaub Schmuck herstellen, beispielsweise Ringe oder Manschettenknöpfe.

Der Smog Free Tower geht auf Reisen

Der smogfreie Turm funktioniert mit einer geringen Menge an Strom aus Windenergie. Er saugt 75 Prozent der PM10- und PM2.5-Feinstaubpartikel aus der Luft. Unter Feinstaub fallen feste Teilchen der Außenluft, die nicht sofort zu Boden sinken, sondern eine gewisse Zeit in der Atmosphäre verweilen.

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Dabei gibt es verschiedene Klassen von Staubpartikeln: PM10 (Particulate Matter) bezeichnet dabei Partikel mit einem aerodynamischen Durchmesser von weniger als 10 Mikrometer. Der größte Teil davon stammt aus Verbrennungsvorgängen, beispielsweise aus dem Kfz-Verkehr, der Gebäudeheizung oder aus Produktionsprozessen. Die als PM2.5 bezeichneten Staubfraktionen hingegen sind gerade mal so groß wie Bakterien und können bis in die Lungenbläschen gelangen.

Nach den Stationen in Rotterdam und Peking soll der smogfreie Turm nun auch auf Reise gehen und in weiteren Metropolen wie Paris, Mumbai, Los Angeles und Mexico City aufgestellt werden. Dabei sollen nach und nach auch fest installierte Smog Free Tower folgen. Laut Roosegaarde seien zehn weitere Türme in den nächsten Jahren realistisch.

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