Leben

Welche Laufschuhe sollen Einsteiger kaufen?

von Stefan Adrian

Laurent Malisoux ist einer der führenden Forscher zum Thema Laufen. Im Interview verrät er, worauf Anfänger beim Kauf ihrer Laufschuhe achten sollten, welchen Trend er für gefährlich hält – und dass sich jeder Läufer zwangsläufig verletzen wird.

Welche Laufschuhe sollen Einsteiger kaufen?
Massenbewegung: Immer mehr Einsteiger kommen zum Laufen. Foto: CC0: Unsplash/Martins Zemlickis

Das erfahren Sie gleich:

  • Führender Laufforscher gibt Tipps zu den richtigen Laufschuhen
  • Der Experte warnt Anfänger vor Barfußschuhen
  • Alte Laufschuhe müssen nicht schädlich sein

Laufen als Forschungsgegenstand

Laurent Malisoux ist Forscher am Luxembourg Institute of Health. Dort widmet er sich seit 2012 speziell der Forschung zur Vermeidung von Laufverletzungen. Aus diesem Grund untersucht Malisoux regelmäßig Laufschuhe und ihre Auswirkungen.

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Malisoux, selbst einst in der höchsten belgischen Volleyball-Liga aktiv, läuft natürlich auch gerne. Allerdings nie morgens: "Ich bin ein Early Bird, was die Arbeit betrifft, nicht aber, wenn es um Sport geht", verrät der Wissenschaftler. Wir haben ihn befragt, worauf Einsteiger beim Laufen achten sollten.

Laufforscher Laurent Malisoux
Laufpapst: Laurent Malisoux forscht seit 2012 am Zusammenhang zwischen Laufschuhen und Verletzungen.

Laufschuhe müssen zuallererst bequem sein.

Herr Malisoux, angenommen, ich möchte mit dem Laufen beginnen. Worauf achte ich bei Schuhkauf?
Der Experte Benno Nigg sagte einmal, ein Schuh müsse zuallererst bequem sein. Wenn er beim Kauf nicht bequem ist, wird er es auch nicht auf wundersame Weise auf der Straße sein. Manche seiner Behauptungen zweifle ich an, dieser aber stimme ich zu. Der zweite Faktor ist, auf Motion-Control-Schuhe zu achten. Hat man etwa Plattfüße, braucht man diese Bewegungskontrollschuhe. Hat man keine, schaden sie nicht. Man muss für eine Einschätzung über seine Füße allerdings nicht zu einem Podologen gehen, vor allem wenn man keine Verletzung hat. Ein Allgemeinarzt kann Ihnen diese Information geben.

Welchen Fehler kann ich als Anfänger begehen?
Barfußschuhe zu kaufen. Für manche mögen sie von Vorteil sein, für den Großteil aber sind sie das Gegenteil, etwa wenn man mit dem Hinterfuß auftritt, wenn man zuvor nie gelaufen ist, wenn man übergewichtig ist, wenn man nicht wirklich fit ist und die Muskeln des Unterschenkels nicht stark genug sind.

Ich zweifele am Nutzen von Barfußschuhen.

Barfußschuhe oder auch Fünf-Finger-Schuhe hatten ihren Hype vor wenigen Jahren. Wurden sie untersucht?
Als Wissenschaftler habe ich noch keine Daten gesehen, die mir ihre Sinnhaftigkeit beweisen. Auch der rationale Menschenverstand lässt mich ihren Nutzen anzweifeln. Unsere Vorfahren mögen barfuß gelaufen sein, aber seither hat sich unsere Lebensweise geändert, der Untergrund hat sich geändert. Wir laufen nicht mehr über Sand oder Wiesen. Darüber hinaus hat die allgemeine Fitness abgenommen. Die meisten Menschen haben nicht die Voraussetzungen für Barfußschuhe, für die man Kraft in den Füßen und den Unterschenkeln braucht, um mit einer speziellen Technik zu laufen. Die Menschen müssen zuerst lernen, wie sie laufen. Für Lauf-Neulinge, denen aus gesundheitlichen Gründen zum Laufen geraten wurde, halte ich Barfußschuhe für gefährlich.

Läufer, die Schuhe abwechselnd tragen, haben ein geringeres Verletzungsrisiko.

Zurück zum "normalen" Laufschuh. Sollte man unterschiedliche Schuhe für verschiedene Untergründe wie Beton, Schotter oder Gras verwenden?
Eine unserer Studien hat gezeigt, dass Läufer, die Schuhe abwechselnd tragen, ein geringeres Verletzungsrisiko haben. Da es eine Beobachtungsstudie war, mögen andere Faktoren in das Resultat hineinspielen, trotzdem denken wir grundsätzlich, dass Abwechslung gut tut. Auch professionelle Athleten variieren im Training: Volleyballer üben mal Service, mal Service-Annahme, dann wieder Kondition. Diese Abwechslung sollten Läufer auch auf den Boden anwenden, auf dem sie laufen, und auch auf ihre Schuhe. Abwechslung ist ein sehr wichtiger Punkt, um Verletzungen zu vermeiden.

Läufer auf Treppenstufen
Wichtiger Schritt: Läufer sollten mehrere Paar Laufschuhe besitzen und diese abwechselnd tragen. Foto: CC0: Unsplash/Bruno Nascimento

Sind Schuhe nach einer bestimmten Kilometerzahl so abgenutzt, dass sie nicht mehr verwendet werden sollten?
Nicht aus wissenschaftlicher Sicht. Wir wissen nur, dass sich das Verhalten des Schaumstoffs im Schuh verändert. Der Schuh wird nach 500 Kilometern nicht mehr der gleiche sein, das heißt aber nicht notwendigerweise, dass er schädlich ist. Vielleicht ist er sogar besser, da er sich dem Fuß angepasst hat.

Aber ein Schuh kann eine Verletzung herbeiführen?
Ja, aber das ist selten die einzige Ursache. Es ist menschlich, bei einer Verletzung Erklärungen zu suchen wie: "Die Schuhe sind schuld" oder "Ich laufe zu viel auf Asphalt". In Wahrheit ist eine Verletzung meist ein Zusammenspiel anderer Dinge. Die Verletzung ist nur die Spitze des Eisbergs.

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Wird sich das in Zukunft ändern? In zehn Jahren werden wir in der Smart City leben, werden wir auch in Smart Shoes laufen?
Gut möglich. Wir könnten Schuhe haben, deren Innensohle das Laufverhalten messen und uns auf einem Display anzeigen, ob wir auf dem Hinterfuß oder auf dem Vorderfuß laufen, ob wir hart auftreten oder eher leichtfüßige Läufer sind. Technologie und Material verändern sich rasant. Es könnte einen Schaumstoff geben, der die Kraft des Aufpralls bremst, und gleichzeitig hart genug für den Läufer ist, so dass diesem kein Energieverlust durch die Deformation des Schaumstoffs entsteht. Auf die Gefahr hin, zu technisch zu klingen: Die Wucht, wenn der Läufer auf dem Boden trifft, nimmt in den ersten 15-30 Millisekunden stark zu. Die Kraft, die der Läufer entwickelt, um vorwärts zu kommen, passiert später. Und für die meisten wirkt diese Kraft an einem anderen Teil der Sohle. Wir könnten also ein Material haben, das verschiedene Segmente für diese Phasen des Auftretens und des Vorwärts-Pushens umschließt. Schließlich wollen wir vermeiden, durch Deformation des Schaums Energie zu verlieren, sondern so effizient wie möglich zu laufen.

Wenn man läuft, wird man sich verletzen. So einfach ist das.

Kurz zusammengefasst: Füße einschätzen lassen, Schuhe mit Motion-Control-System kaufen - und dann?
Mit dem Laufen beginnen - aber geduldig sein und sich Schritt für Schritt steigern. Viele glauben, das Equipment sei ausschlaggebend, und die Schuhe würden den entscheidenden Unterschied machen. Aber das Wichtigste ist das Trainingsmuster. Wenn man läuft, wird man sich verletzen. So einfach ist das. Die Art, wie man trainiert, wird das Verletzungsrisiko bestimmen. Schuhe variieren lediglich die Belastung, die ein Athlet schultern kann. Der entscheidende Punkt ist die Art, wie man sein Training organisiert. Das kann man nicht oft genug betonen.

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