Technik

Wayve: Künstliche Intelligenz lehrt Autos autonomes Fahren

von Peter Michaely

Das Start-up Wayve sucht beim autonomen Fahren neue Wege. Durch KI und maschinelles Lernen sollen sich autonome Autos das Fahren selbst beibringen.

Ein Kreisverkehr in Großbritannien aus der Luft.
In Großbritannien sollen die ersten autonomen Autos das Fahren lernen – mit der Technik von Wayve. Foto: Wayve

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie autonomes Fahren selbst das Lernen lernen soll
  • Warum Künstliche Intelligenz der Schlüssel dazu ist
  • Welche Rolle künftig der Mensch beim Fahren übernimmt

Erst wirken die Lenkbewegungen des umgebauten Renault Twizy auf der schmalen Straße entlang eines Feldes ziemlich unkontrolliert. Noch ist er mehr "Fahr-Zeug" als "Roboter-Auto", der Mensch muss häufig eingreifen. Gut, dass hier praktisch kein Verkehr herrscht. Was das britische Start-up Wayve demonstriert, ist ein neuer Schritt vom teilautonomen Fahren hin zum autonomen Fahren.

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Das Schlüsselwort lautet Künstliche Intelligenz: Wayve vergleicht den Lernprozess des Autos mit dem von Kindern, die Fahrradfahren üben. Zunächst muss der erfahrenere Mensch noch eingreifen, doch schon nach kurzer Zeit fährt der autonome Twizy selbstständig in der Spur.

Wayve bringt Autos das Lernen bei

Nur rund 20 Minuten dauert es, bis das autonome Auto durch künstliche Intelligenz gelernt hat, nicht von der Straße abzukommen. Der menschliche Faktor spielt jetzt beinahe keine Rolle mehr. Übersetzt in die Sprache der Forscher schafft der Twizy also autonomes Fahren Level 2.

Während die KI-Forschung im Bereich des autonomen Fahrens bislang auf aufwendige Karten, komplexe Algorithmen und eine Vielzahl von Sensoren setzt, bedeutet Künstliche Intelligenz bei Wayve, dass das Auto nur die Informationen verarbeitet, die es mit seinen Sensoraugen sieht – ähnlich wie der Mensch also. Mit ganz ähnlicher Technik arbeitet das System MapLite des MIT, das autonome Autos vollständig unabhängig von zuvor angelegten 3D-Karten machen will.

Die Forschung benutzt für solche KI-Funktionen im Auto den Ausdruck Deep Learning in vielschichtigen neuronalen Netzen. Sie beruhen auf Vorbildern aus der Natur und sind lernfähig.

Bringt die Künstliche Intelligenz den Durchbruch beim autonomen Fahren?

Dass autonom fahrende Autos mit solchen KI-Systemen und entsprechenden KI-Strategien fit für die Zukunft gemacht werden können, erscheint zumindest nicht ausgeschlossen. Der menschliche Fahrer tritt bei der Mobilität dabei zunehmend in den Hintergrund. Wayve glaubt, dass mithilfe dieser KI die Datenflut beim autonomen Fahren deutlich eingedämmt werden kann – für die Zukunft des autonomen Fahrens ein wichtiger Schritt.

Denn noch kann niemand einschätzen, wie die enormen Datenmengen, die durch autonom fahrende Autos generiert werden, bewältigt werden sollen. Wayve glaubt, dass seine Technologie sogar in fremden Städten mit einem Minimum an Karten- und Datenaufwand funktioniert.

Wir wollen unseren Fahrzeugen intelligentere Gehirne anstatt mehr Hardware mit auf die Straße geben.

Amar Shar, einer der Gründer und Geschäftsführer von Wayve

Die Wayve-Gründer sind von ihrer Entwicklung überzeugt. Maschinelles Lernen, also der Aufbau von Wissen durch das Sammeln von Erfahrung, werde dem autonomen Fahren zum Durchbruch verhelfen. Die Autoindustrie, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens, habe zu viel Zeit in komplexe Entwicklungen, aber zu wenig Energie in maschinelles Lernen investiert. Der menschliche Faktor wird weiter zurückgedrängt – die KI ist für die Gründer der Schlüssel zum autonomen Fahren.

Zwei Renault Twizys mit der Technik von Wayve am Straßenrand.
Bisher nur auf abgelegenen Feldwegen: Die Twizys sind mit der Technik von Wayve ausgestattet. Foto: Wayve

Welche Rolle spielt künftig der Mensch?

Die Gründer sind Entwickler vom Fach: Sie haben sich an der Universität Cambridge, wo das Unternehmen seinen Sitz hat, auf Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen spezialisiert. Sie wollen einer neuen Generation von Autos, die autonom fahren, zum Durchbruch verhelfen. Auch Experten der Universität Oxford und weitere Partner wie die NASA sind mit im Boot. Die Technik der Fahrzeuge wird dem Unternehmen zufolge bereits auf öffentlichen Straßen in Großbritannien getestet.

Noch können auch die KI-Experten von Wayve nicht vorhersagen, wann der Fahrer im Verkehr der Zukunft überflüssig sein wird. Dabei spielen Versicherungsfragen eine entscheidende Rolle, sollten Autos in Zukunft autonom fahren. Denn noch ist die Technik der Fahrzeuge nicht ausgereift, der Fahrer bleibt (bislang) unverzichtbar. Partner ist deshalb auch eine große Versicherungsgesellschaft, die untersucht, welche neuen Anforderungen KI-gesteuerte Fahrzeuge im teil- und vollautonomen Modus an Versicherer stellen.

Fazit: Dass Autos in ferner Zukunft autonom fahren werden, gilt als sicher. Derzeit ist der Fahrer das Gehirn des Fahrzeugs. Noch, denn Wayve plant im Grunde nichts anderes, als selbstfahrenden Autos ein eigenes, durch KI und Deep Learning gesteuertes Gehirn einzupflanzen. So lernen sie das Fahren auch in fremder Umgebung selbst. Durch diese KI sollen Autos, die autonom fahren, ohne aufwendige Karten, unzählige Sensoren und riesige Datenmengen auskommen.

Ob so die Zukunft der Mobilität und des autonomen Fahrens aussieht, müssen Praxistests – im echten Verkehr statt auf Teststrecken – erst noch beweisen. Doch es ist ein Ansatz, für den einiges spricht.

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