Technik

WasteShark: Elektrischer Walhai soll Müll im Meer vertilgen

von Paul Bandelin

Das Start-up RanMarine hat eine elektrische Aquadrohne entwickelt, die dem Plastikmüll in den Ozeanen den Kampf ansagt – und ihn einfach verschluckt.

Der WasteShark, wie er gerade Müll verschluckt.
200 Liter Müll nimmt der WasteShark in seinem Bauch auf – nicht viel, aber ein Anfang. Foto: Ranmarine

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum der Müll im Meer zu einer immer größer werdenden Bedrohung wächst
  • Wie RanMarine mit dem WasteShark dem Plastikmüll im Ozean den Kampf ansagt
  • Warum trotz realer Gefahren wie dem Great Pacific Garbage Patch immer noch so viel Müll im Meer landet

Wie viel Plastikmüll wirklich jedes Jahr in die Ozeane gelangt, dazu gibt es nur Schätzungen. Aber allein über den chinesischen Fluss Jangtsekiang gelangten im Jahr 2017 rund 17 Millionen Tonnen Kunststoff ins Meer.

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Fakt ist, dass nur rund ein Prozent davon an der Oberfläche schwimmt und somit das ganze Ausmaß der Katastrophe nicht offen sichtbar ist. Allein ein Einkaufstüte aus Plastik braucht durchschnittlich zehn bis zu 20 Jahre, bis sie vollständig zersetzt ist. Bei einer PET-Flasche sind es sogar bis zu 450 Jahre, die vergehen müssen, bevor sie im Wasser zerfallen ist. Übrig bleiben sogenannte Mikroplastiken, die Gefahren für die maritime Fauna bedeuten.

Ein Walhai wie dieser ist das Vorbild für den WasteShark.
Vorbild für den WasteShark: Der Walhai schwimmt mit geöffnetem Maul durchs Wasser und saugt dabei alles ein, was ihm zwischen die Kiemen kommt. Foto: Shutterstock / Sean Steininger

Meer im Müll ist ein globales Problem

Zahlreiche Ideen, wie man dem Plastikmüll im Ozean Herr werden kann, gibt es bereits. Eine neue kommt aus den Niederlanden: eine an einen Walhai angelehnte Aquadrohne, die den Müll einfach verschluckt – der WasteShark.

Das niederländische Start-up RanMarine hat sich intensiv mit dem Plastikmüllproblem im Meer befasst. Es will mit der Entwicklung des WasteShark einen Teil zu saubereren und plastikfreien Weltmeeren beitragen. Unterstützung bekommt das Projekt aus Brüssel vom European Institute of Innovation and Technology.

Emissionslose Jagd auf den Müll im Meer

Der WasteShark ist eine Aquadrohne, die so konzipiert ist, dass sie auf der Wasseroberfläche schwimmende Plastikteile einsammelt. Ihr Äußeres basiert auf einem Walhai, der mit geöffnetem Maul durch das Wasser gleitet und dabei alles "einsaugt", was sich vor ihm befindet.

Mit einer nach vorne gerichteten, breiten Öffnung schwimmt der WasteShark durch das Wasser und lagert den aufgenommenen Müll in seinem Inneren. Etwa 200 Liter fasst der Bauch des Müllwals, ehe er "satt" ist und automatisch zur Station zurückgekehrt. Seine Bewegung erfolgt entweder per Fernsteuerung aus der Distanz oder autonom.

Die Idee hinter dieser Drohne ist, dass sie das Wasser ständig von Plastikmüll reinigt. Je fleißiger sie ist, desto weniger Abfall sinkt auf den Grund oder wird auf den Ozean hinaus geweht.

Richard Hardiman, CEO von RanMarine

Bei einer Länge von knapp zwei Metern ist er vorrangig für den Einsatz in Hafenbecken und Flüssen geeignet, wo der WasteShark verhindern soll, dass der dort befindliche Plastikmüll den Weg ins offene Meer findet.

Zumal sich dort auch seine Andockstation befindet, wo er den gesammelten Müll deponiert und seine Batterien auflädt. Ist entweder die maximale Ladekapazität erreicht oder nach 16 Stunden die Batterie am Ende, findet er automatisch den Weg zurück.

Bislang existiert vom WasteShark lediglich ein Protoyp. Dieser ist aber mit der neusten Technik – Kamera, Lidar, Echolot und Temperatursensor – ausgestattet und kommt leer auf ein Gewicht von rund 40 Kilogramm. Optional besteht zudem die Möglichkeit, Sensoren zur Messung der Wasserqualität (Leitfähigkeit, gelöster Sauerstoff, Chlorid, Nitrat, etc.) einzubauen.

Great Pacific Garbage Patch als Warnung

Derzeit sieht es weltweit nicht besonders rosig aus für die maritime Flora und Fauna. Geht es so weiter wie bisher, findet sich einer Prognose des World Economic Forum zufolge im Jahr 2050 mehr Plastik als Fisch in den Ozeanen.

Updates

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Denn selbst weitreichende Phänomene wie das stetig wachsende Great Pacific Garbage Patch und mit Plastikmüll übersäte vormalige Traumstrände an vielen Küsten Südostasiens scheinen noch keinen ausreichenden Effekt auf die Menschheit zu haben.

Denn im Durchschnitt entstehen jährlich weiterhin 32 kg Plastikmüll pro Einwohner in der EU. Mit 38 kg pro Kopf liegt Deutschland sogar noch darüber.

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