Elektromobilität

Jungfernfahrt: Wasserstoffzug Coradia iLINT rollt durch Thüringen

von
Marten Zabel

Runderneuerung bei der Schwarzatalbahn in Thüringen: Ab 2021 soll im Testbetrieb der Wasserstoffzug Coradia iLINT auf die Strecke. Warum das sinnvoll ist.

Wasserstoffzug Coradia iLint unterwegs in Thüringen.
Ein Wasserstoffzug für Thüringen: Der Coradia iLINT absolvierte im Februar 2019 seine Jungfernfahrt auf einer Strecke der Schwarzatalbahn. Foto: picture alliance/dpa

Das erfahren Sie gleich:

  • Weshalb der Wasserstoffzug besonders in Thüringen sinnvoll ist
  • Wann das Land eine umweltfreundliche Variante zum Diesel erhält – den Coradia iLINT
  • Wie die Wasserstoff-Brennstoffzellen noch effektiver werden sollen

Thüringen bekommt einen Wasserstoff-Brennstoffzellenzug. Da in dem Bundesland lediglich 30 Prozent des Schienennetzes elektrifiziert sind und die übrigen 70 Prozent mit Diesel befahren werden, ist diese Art des Antriebs eine umweltfreundliche Alternative. Ministerpräsident Bodo Ramelow (CDU) und Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) waren bei der Jungfernfahrt mit an Bord.

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Coradia iLINT schafft bis zu 1000 Kilometer

Ab 2021 sollen die Wasserstoffzüge auf der 25 Kilometer langen Strecke der Schwarzatalbahn zwischen Rottenbach und Katzhütte im Linienverkehr unterwegs sein – zunächst testweise. Eine an der Bauhaus-Universität in Weimar durchgeführte Studie ergab, dass dieser Abschnitt am ehesten für den aus Frankreich stammenden Zugtyp Coradia iLINT (Leichter Innovativer Nahverkehrs-Triebwagen) von Alstom geeignet ist.

Bei einer Fahrgastkapazität von 300 Personen erreicht er voll beladen eine maximale Geschwindigkeit von 140 km/h. Mit vollen Wasserstofftanks und ohne Zwischenhalt ist eine Reichweite von 1000 Kilometern möglich. Mit dem angekündigten Fahrplanwechsel 2021 wird der Wasserstoff-Brennstoffzellenzug eingesetzt. Bis dahin soll am Bahnhof in Rottenbach eine Tankstelle mit Wasserstoff entstehen. Dieser soll wiederum mit Strom aus den in Thüringen ansässigen Windkraftwerken gewonnen werden.

Von 20 Millionen Euro, die das Pilotprojekt kosten wird, stammt wohl rund die Hälfte aus EU-Mitteln. Für die übrigen zehn Millionen sucht die Bahn derzeit noch Partner.

Zwei Wasserstoff-Brennstoffzellen in Triebwagen

Den mit Wasserstoff-Brennstoffzellen angetriebenen Zug Coradia iLINT stellte Alstom 2016 auf der Innotrans in Berlin vor. Die herkömmliche Serie hingegen existiert bereits seit 1999. Vergangenes Jahr transportierte der iLINT erstmals Passagiere.

In dem Triebwagenzug sind zwei Brennstoffzellen eingebaut, die sich zusammen mit dem Wasserstofftank unter dem Dach befinden. Von ihnen kommt der Strom für den Antrieb und alle weiteren Systeme. Jede Brennstoffzelle hat eine Leistung von 200 kW, was eine Fahrt mit konstanter Geschwindigkeit ermöglicht. Da der Zug beim Anfahren aber die doppelte Leistung benötigt, verfügt er zudem über zwei Lithium-Ionen-Akkus. Diese werden durch die über Rekuperation erzeugte Leistung der Bremsenergie geladen.

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Niedersachsen ist Vorreiter beim Wasserstoffzug

Mit dem Erhalt der Zulassung in Deutschland nahmen Mitte September 2018 die ersten beiden Wasserstoffzüge in Niedersachsen den Betrieb auf und verkehren seitdem zwischen Cuxhaven und Buxtehude. Wie auch in Thüringen geplant, kommt der Strom hier aus Windkraftanlagen.

Auch Berlin und Brandenburg machen mobil. Seit Mitte Februar rollt ein Wasserstoffzug zwischen Berlin-Gesundbrunnen und Barnim hin und zurück. Zwar sind es pro Strecke nur 14 Kilometer, es ist aber auch als Zeichen der Mobilitätsoffensive der Hauptstadt in Richtung Elektromobilität zu verstehen. Als weitere Bundesländer planen Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz den Zug einzusetzen.

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