Technik

Wasserstoff aus der Gasleitung: Ein Plus für Umwelt und Mobilität

von
Marten Zabel

Ein Firmenkonsortium will die Gasleitung ins 21. Jahrhundert bringen: Wasserstoff frei Haus soll Heizung und Pkw antreiben können. Lohnt sich das?

Eine Gasflamme vor schwarzem Hintergrund.
Die Gasleitung könnte in England bald nicht mehr nur den Haushalt versorgen – mit Wasserstoff in der Leitung ließe sich auch das Wasserstoff-Brennstoffzellen-Auto damit betanken. Foto: Unsplash / Parvesh Kumar

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie eine Firmengruppe das Gasnetz von England für Wasserstoff aus der Gasleitung umfunktionieren will
  • Wie sich so nicht nur die heimische Heizung per Wasserstoff betreiben ließe
  • Wie sich so auch Autos mit Wasserstoff-Brennstoffzelle vor dem Haus tanken ließen

In den vorhandenen Gasleitungen ließe sich Wasserstoff statt Erdgas in Privathäuser leiten. Diesen Vorschlag machte eine Gruppe von Firmen in Großbritannien. Eine solche Umstellung der Infrastruktur hätte zwar große Installationskosten, würde aber zwei massive Vorteile mitbringen:

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  1. Heizen mit deutlich klimaverträglicheren Emissionen
  2. Das eigene Auto mit Wasserstoff-Brennstoffzelle auftanken

Der Vorschlag kommt von dem britischen Gasnetzbetreiber Northern Gas Networks und dem norwegischen Unternehmen Equinor. Umsetzbar könnte das Konzept für viele Länder sein: 3,7 Millionen Häuser und 400.000 gewerblich genutzte Immobilien werden im Norden Englands mit Gas beheizt und haben eine eigene Zuleitung.

Um Wasserstoff statt Erdgas zu transportieren, müssten jedoch zumindest Teile des Rohrsystems ersetzt werden. Denn das leichtere Gas benötigt einen höheren Lieferdruck.

Wasserstoffheizung mit umgebauter Gasleitung

Die Heizungen in den Häusern müssten ebenfalls umgerüstet werden – kommerzielle Geräte für den Betrieb mit Wasserstoff gibt es aber bereits. Die beiden Firmen wollen den nötigen Wasserstoff zentral per Dampfreformierung aus Methan herstellen.

Gleichzeitig wollen sie freiwerdendes CO2 einfangen und in Grundwasserschichten abseits der Küste einlagern. Damit ließe sich eine Menge klimaschädliches Gas bei der Gebäudeheizung verhindern. Der Vorschlag der Unternehmen geht von einer Reduktion um 92 Prozent aus.

Günstig wäre das Projekt nicht: Für die Umrüstung von Nordengland setzen die Firmen einen Kostenpunkt von 22,7 Milliarden Pfund an. Damit ließe sich das System ab 2028 in Betrieb nehmen. In einer weiteren Runde ließe sich auch der Rest von England mit zwölf Millionen Haushalten bis 2050 von Erdgas auf Wasserstoff umrüsten.

Die Kosten könnten sich Staat, Endverbraucher und Betreiberfirmen teilen. Letztere dürften auch daran interessiert sein, ihr Geschäftsmodell anzupassen. Denn ansonsten könnte es irgendwann durch langsam fortschreitende Klimaschutzgesetze obsolet werden.

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Anschub für die Wasserstoff-Brennstoffzelle

Bei voller Netznutzung, so die Firmen, ließen sich auch Autos mit dem Wasserstoff betanken. Das würde nicht nur den CO2-Ausstoß Englands weiter senken, sondern vermutlich auch für die Besitzer der Häuser einen Teil der Umrüstungskosten wieder herausholen: Das Eigenheim wäre dann, ganz wie beim Elektroauto, auch die eigene Tankstelle.

Dafür müsste sich die Wasserstoff-Brennstoffzelle als Energieträger für den Pkw allerdings weiter durchsetzen. Das könnte sie im Zusammenspiel mit so einem Projekt durchaus tun. Und vielleicht ist die Insel Großbritannien dafür das perfekte Versuchsfeld.

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