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Leben

Was muss ich morgen noch besitzen?

von Ji-Hun Kim

Was früher der Inbegriff von Wohlstand war, ändert sich heute radikal: Besitz dient nicht unbedingt mehr ein Statussymbol. Aber wer sind eigentlich die Treiber hinter dieser Entwicklung und wo geht die Reise hin?

Was muss ich morgen noch besitzen?
Weniger ist manchmal mehr: Für viele Menschen ist Besitz nicht mehr so ein wichtiges Statussymbol wie früher Foto: Unsplash/Samuel Zelller

Das erfahren Sie gleich:

  • Die Vorstellung von Statussymbolen verändert sich
  • Sharing umfasst immer mehr Lebensbereiche
  • Sogar Bohrmaschinen werden inzwischen geteilt

Mit Carsharing fing alles an

"Mein Haus. Mein Auto. Mein Boot." Lange Zeit diente Besitz als Statussymbol, manifestiert in dem berühmten Werbespot der Sparkasse aus dem Jahr 1998 – der Satz mit dem Haus und dem Boot hat sich in das Gedächtnis einer ganzen Generation eingebrannt.

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Knapp 20 Jahre später hat Besitz vor allem bei jungen Leuten eine geringere Bedeutung als noch zu Zeiten des Sparkassen-Spots. Das neue Wort der Stunde heißt Sharing. Viele denken dabei vor allem an Carsharing, und tatsächlich erfreuen sich Carsharing-Dienste wie Drive Now, Car2go, Multicity und Flinkster immer größerer Beliebtheit. In Berlin bereichern seit einiger Zeit elektrische Roller von Sharing-Plattformen wie Emmy oder COUP das Stadtbild. Urbane Radfahrer, die ihr geliebtes Rennrad für den Clubbesuch oder den Weg zur Arbeit Fahrraddieben nicht unter die Nase reiben wollen, setzen ohnehin schon lange auf Mietfahrrädersysteme.

Auto kaufen und Carsharing sind keine Gegensätze

Ideen und Konzepte rund ums Carsharing werden dabei stets weiter entwickelt. Viel Potential sehen Experten im sogenannten Peer-to-Peer-Sharing, also dem privaten Teilen des eigenen Autos. Das zeigt, dass es sich bei den Begriffen Mieten und Besitzen von Automobilen nicht zwangsläufig um ein Gegensatzpaar handeln muss, also nicht zwischen Auto kaufen einerseits und Carsharing andererseits getrennt werden muss.

Sharing könnte in nischigen Bereichen sehr gut funktionieren.

Viele fragen sich heute daher, ob und was man überhaupt noch besitzen muss – Besitz ist halt so 90er. Wo und wann ergibt also Mieten oder Teilen am meisten Sinn? Der Serien-Entrepreneur Stephan Uhrenbacher hat schon diverse Start-ups im Sektor Sharing Economy an den Start gebracht. Darunter die Wohnungsplattform 9Flats oder auch die mittlerweile wieder eingestellte Sharing-Plattform Whyownit „Sharing könnte in nischigen Bereichen sehr gut funktionieren“, erklärte der Unternehmer bereits vor einigen Jahren gegenüber dem Branchenblatt e-tailment, „Yachtvermietung, Privatflugzeuge – das ließe sich alles noch professionalisieren. Je teurer ein Produkt ist und je seltener es genutzt wird, desto größer ist das Potenzial für Sharing.“

Nachhaltigkeit und eine gerechtere Welt

Der renommierte amerikanische Soziologe und Ökonom Jeremy Rifkin sieht in einer neuen Ökonomie des Teilens und Tauschens gar die Möglichkeit, eine „sozialere Weltgemeinschaft“ zu schaffen und damit zudem eine legitime Alternative zum Kapitalismus im 21. Jahrhundert. „Die Antwort auf den Klimawandel, auf zerrüttete Wirtschaftssysteme und die ungerechte Verteilung von Reichtum ist die Sharing Economy“, schreibt Rifkin. Wobei Rifkin, der auch als Berater für Politiker und die EU-Kommission tätig ist, Unternehmen wie Airbnb und Uber nicht per se als Sharing Economy betrachtet: „Es sind hybride Unternehmen. Sie sind kapitalistisch mit einem kleinen Sharing-Anteil“, erläutert er in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin enorm.

Eine Bohrmaschine eignet sich ideal zum Teilen
Teilzeitkraft: Eine Bohrmaschine arbeit nur 13 Minuten – in ihrem ganzen Leben. Foto: Taduuda/Unsplash

Sharing geht sogar offline

Aus der Schweiz stammt daher das Konzept Pumpipumpe, das vor allem wegen seines Offline-Charakters spannend ist. Hier können Interessenten (mittlerweile gibt es über 19.000 teilnehmende Haushalte weltweit) zunächst online Stickersets für 5 CHF/Euro bestellen und dann ihren Briefkasten mit den jeweiligen Gegenständen markieren, die der Nachbarschaft zur Verfügung gestellt werden. Lichterketten, Kamerastative, Reiskocher, aber auch der WLAN-Zugang kann – wenn gewünscht – geteilt werden. Das fördert die Kommunikation und den Austausch im Kiez. So ein Konzept kann die Bindung in Nachbarschaften stärken und minimiert zudem unnötiges Eigentum. Ist beispielsweise die eigene Bohrmaschine kaputt, kann man so im Hausflur nachschauen, welcher Nachbar eine parat hat und mit ihm in Kontakt treten.

Teilen und Vernetzen benötigen im 21. Jahrhundert also nicht gezwungenermaßen aufwendige Apps oder digitale Distributionsnetzwerke. Es ist vor allem eine Einstellungssache, die gerade für die Generation der Millenials immer selbstverständlicher wird. Und diese wird bis 2025 rund 75 Prozent der weltweiten Erwerbsbevölkerung darstellen. Am Ende dürfte unterdessen eine Erkenntnis an vorderster Stelle sein: Dass Teilen nämlich vor allem auch Spaß machen kann.

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