Gesundheit

Was kann ein Auto gegen meine Rückenschmerzen tun?

von Nicole Jansen

Beim Begriff Ergonomie denken wir meist an rückenschonende Sitze. Fachleute tüfteln dagegen längst an Lösungen, die Autofahren so gesund machen könnten wie eine gute Physiotherapie.

Was kann ein Auto gegen meine Rückenschmerzen tun?
Schmerz lass nach: Wer viel am Computer arbeitet, leidet oft unter Nackenschmerzen oder bekommt gar einen Hexenschuss. Eine gute Ergonomie im Auto verhindert, dass die Probleme noch größer werden. Foto: Shutterstock / sebra

Das erfahren Sie gleich:

  • Moderne Autos verhindern Rückenschmerzen oder einen Bandscheibenvorfall
  • Schon bei der Fahrzeugplanung werden alle Maße und Bewegungen simuliert
  • Ergonomen wollen das Lenkrad gegen einen Joystick austauschen

Wenn die Fahrt mit Bandscheibenvorfall endet

Das Gefühl kennt jeder, der mal mit dem Auto in den Urlaub gestartet ist: Bald zwickt das Kreuz, die Knie versteifen, der Nacken verspannt, und der Allerwerteste wird taub. Kein Wunder, erschlafft doch bereits nach 30 Minuten Sitzen die Rückenmuskulatur. Manchmal führt das bis zum Bandscheibenvorfall.

Bei Rückenschmerzen können auch ältere Modelle aufgerüstet werden – manchmal sogar mit Zuschuss der Kasse.

Abhilfe schaffen Bewegungspausen und ein Sitzkonzept, das sich dem Fahrer anpasst: Eine feste, die Wirbelsäule unterstützende Struktur, verstellbar in Länge, Lehnenstellung, Sitzhöhe und –neigung sowie eine Lordosenstütze zur Entlastung des Lendenwirbelbereichs. Solche Features sind in Neuwagen meist Standard. Und teuer, denn Sitze sollen immer leichter und dünner werden, um Kraftstoff/Energie zu sparen. Je nach Ausführung machen sie bis zu 12 Prozent des Fahrzeugwertes aus – oft mehr als Motor oder Getriebe. Besitzer älterer Modelle können zum Wohle der Wirbelsäule aufrüsten: Die Möglichkeiten reichen vom Keilkissen (ca. 20 Euro) bis zum orthopädischen Austauschsitz (ca. 5000 Euro) Bei nachgewiesener Rückendiagnose gibt´s sogar einen Zuschuss von der Rentenkasse. Auch Feintuning ab Werk ist bei manchem Wagen drin. Ob Klimapaket mit Ventilation und Heizung, Lehnenkopfeinstellung gegen müde Schultern, Komfortkopfstützen, Massage-, Sitzdynamik- oder Memoryfunktion.

Der Vater des Head-up-Displays

Dennoch lassen sich der Kunde bei Neuanschaffungen eher vom Design als von der Ergonomie leiten: „Er gibt viel Geld aus für etwas, das ihm gefällt“, befand bereits 2015 Heiner Bubb, emeritierter Professor für Ergonomie an der Technischen Universität München (TUM). Forschern wie ihm geht es dagegen um die möglichst optimale Anpassung von Maschinen und Technik an menschliche Bedürfnisse und Gegebenheiten. Bubb ist einer der Väter des Head-Up-Displays (HUD) für Fahrzeuge. Damit werden Informationen auf die Windschutzscheibe projiziert. Bei Nacht identifiziert das System Hindernisse, indem es ihre Umrisse rot konturiert, oder warnt vor Gefahrenstellen, während der Fahrer stets auf die Straße sieht. Auch die Optimierung des Zusammenspiels von Fahrer und Auto wird erforscht. Die ergonomische Auslegung der Lenkung oder die am Menschen orientierte Gestaltung von Anzeigen und Bedienelementen machen Fahrten sicherer, weil sie die Ablenkung reduzieren. Der Fahrer bleibt länger konzentriert und ermüdet nicht so leicht.

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Mit Simulationen den Hexenschuss verhindern

Je passgenauer die Ausstattung, desto besser. Die Vielfalt menschlicher Gestalten erfassen die Forscher mit einem 3D-Menschmodell: RAMSIS, das Rechnergestützte Anthropometrisch-Mathematische System zur Insassen-Simulation, ermöglicht schon in frühen Planungsphasen die Simulation jeder Menge Maße und Bewegungen. Das Standard-Tool für ergonomische Gestaltung wird von nahezu 90 Prozent aller Fahrzeughersteller weltweit genutzt.Und es ist einer der Pfeiler, auf dem die Wissenschaftler immer detailliertere, individuell zugeschnittene Autos bauen. So präsentierte die TUM auf der IAA 2011 den E-Kleinwagen Mute, dessen Innenraum dem Augpunkt-Fix-Konzept folgte. Neben einem höhenverstellbaren Sitz ließen sich Pedale, Lenkrad und das zentrale Bedienelement flexibel positionieren. Selbst die Airbags waren passend einstellbar und reduzierten so die Verletzungsgefahr erheblich. Der Mute-Nachfolger VisioM, 2014 ebenfalls an der TUM mit Experten aus der Autoindustrie entwickelt, glänzte mit einem Touch-Display, das der Fahrer mit Wischgesten bedient, was ihn kaum vom Verkehrsgeschehen ablenkt.

Elektrokleinwagen Mute der TU München
Voll flexibel: Der Kleinwagen Mute der TU München passt sich den Insassen komplett an. Foto: Florian Lehmann

Statt mit dem Lenkrad steuern wir Autos womöglich bald mit dem Joystick.

Die Elektromobilität inspiriert Ergonomen besonders. Die Rekuperation von Fahrzeugenenergie (moderate Batterieaufladung durch Bremsreibung) könnte bald die Einpedalbedienung im Fußraum möglich machen. Und an der Schnittstelle zwischen automatisiertem und eigenständigem Lenken setzen Hersteller womöglich eines Tages auf - experimentell schon erprobte - Joysticks. Lenkrad ade!

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