Gesundheit

Was ist dran an den neuen Superfoods?

von Alexandra Felts

Superfoods erobern den Ernährungsplan und den Küchentisch. Wir sagen, warum die neuen Trendspeisen trotzdem kein Wundermittel sind.

Was ist dran an den neuen Superfoods?
Alles ganz natürlich: Superfoods sind Naturprodukte, die besonders viele Wirkstoffe liefern. Foto: istock.com/Foxys_forest_manufact

Das erfahren Sie gleich:

  • Superfoods helfen beim Abnehmen und sollen sogar Krankheit heilen
  • Ernährungsexperten warnen vor zu hohen Erwartungen an Superfoods
  • Wichtig bleibt ein ausgewogener Ernährungsplan

Auch Heidelbeeren zählen zu den Superfoods

Wer regelmäßig einen gut sortierten Supermarkt besucht, fragt sich, ob er nicht zum Einkaufen auch ein paar Semester Botanik mitbringen sollte. Da tauchen neuerdings Exoten auf wie Açai- und Gojibeeren, Chia-Samen, Algen, die auf die schönen Namen Spirulina und Clorella hören, Pulver vom Moringabaum oder gar die märchenhaft klingende Physalis. Einst ausschließlich dem Spezialhandel vorbehalten, bevölkern sie nun Regale als Zutat zum Müsli, zum Snack oder gar in einem Fertiggericht, vermarktet von der trendbewussten Nahrungsmittelindustrie. Sie alle zählen zum exklusiven Zirkel der „Superfoods” - darunter versteht man Naturprodukte, die dem Zivilisationsmenschen besonders viele Nähr-, Wirk- und Vitalstoffe liefern. Übrigens gehören zu diesen Superlativen durchaus auch alte Bekannte wie Heidelbeeren, Mandeln oder Brokkoli. Wer sie regelmäßig isst, so das Konzept, schaltet den körpereigenen Turbo ein, lebt gesünder, beugt Erkrankungen vor und zapft das uralte Wissen von Naturvölkern an.

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Ernährungsexperten bertrachten den Hype mit Skepsis.

Den Begriff Superfoods gibt es zwar schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts, aber erst mit dem wachsenden Bewusstsein für gesunde Ernährung sowie den Möglichkeiten eines globalisierten Handels rückte er heute in den Mittelpunkt. Verbraucherschützer, Ernährungsexperten und wissenschaftliche Institutionen wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betrachten den aktuellen Hype um die nicht gerade günstigen Superfoods allerdings mit Skepsis. Zum Einen, weil der Begriff eher aus dem Marketing als aus der Forschung stamme, zum Anderen, weil in vielen Fällen die hoch gepriesenen unterschiedlichen Wirkungen noch nicht nach wissenschaftlichen Standards nachgewiesen werden konnten.

Eine Amazonas-Beere hilft beim Abnehmen

Eine Amazonas-Beere hilft beim Abnehmen
Das blaue Wunder: Die Açai-Beere soll beim Abnehmen helfen. Foto: picture alliance / Foodcollectio

Die kleine blaue Açai-Beere vom Amazonas beispielsweise wird geschätzt, weil sie unter anderem als Anti-Aging-Wunder gilt und beim Abnehmen hilft. Chia-Samen aus Mexiko, die schon den Azteken und Maya vertraut waren, sollen fünf Mal soviel Kalzium enthalten wie Milch und gut gegen Gelenkschmerzen und Sodbrennen sein. Die Alge Spirulina, die inzwischen auch in grüne Smoothies gemixt wird, soll positiv auf das Immunsystem wirken, ihre Süßwasser-Verwandte Chlorella hilft bei der Bildung der Blutzellen und soll Stoffe beinhalten, welche die Wundheilung befördern. Manche Superfoods wie die Gojibeere - die Frucht des Bocksdornstrauchs - wandern als Anti-Aging-Mittel sogar in kosmetische Produkte. Wer möchte nicht möglichst lang jugendlich aussehen und geistig und körperlich rege bleiben? Aber wer Websites der Superfood-Gemeinde studiert, kommt doch ins Staunen. Grünes Blattgemüse wie Spinat soll bei täglichem Genuss sogar vor Alzheimer und Demenz vorbeugen. In die Liste der ernsthaften Erkrankungen, die von diesen pflanzlichen Super Heroes bekämpft werden können oder sogar vorbeugend im Körper agieren, zählen sogar Krebsvarianten.

Der Ernährungsplan muss vielseitig sein

Viel hilft viel? Spätestens hier reagieren Verbraucherschützer und Ernährungswissenschaftler allergisch. Die Materie ist zu komplex, als dass es Wundermittel und Formeln hervorzaubern könnte. Auf jeden Fall sollte der Ernährungsplan vielseitig gestaltet sein: Die Gojibeere, hält das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte fest, sollte man nicht essen, wenn man Blutverdünnungsmittel einnimmt oder schwanger ist. Verbraucherschützer warnen davor, dass zwar Food als super angepriesen werden mag, aber ebenso wie gemeine Äpfel, Tomaten oder Salate Rückstände von Pestiziden oder anderen giftigen Stoffen aufweisen kann. Übermäßiger Verzehr der Açaibeere kann sogar ihren positiven Effekt umkehren und wiederum selbst krebserregend wirken. Bei ihrer jährlichen Tagung 2014 betonte die American Association for Cancer Research, dass regelmäßige Laboruntersuchungen zeigen, dass Obst und Gemüse, Samen und Algen nicht zwingend vor jeder Art vor Krebs schützen. Gleichzeitig könne aber auch nicht nachgewiesen werden, dass fettes Essen die Killerzellen animiert. Nun sind Wissenschaftler vorsichtige Menschen, die eindeutige Aussagen nur auf der Grundlage von seriösen Ergebnissen unter Berücksichtigung aller Faktoren treffen.

Der Ernährungsplan muss vielseitig sein
Bunte Mischung: Statt auf einzelne Superfoods zu setzen, sollte die Ernährung möglichst vielseitig sein. Foto: Unsplash/sambazon

Superfoods sind mit Bedacht zu genießen

Die gute Nachricht ist, wenn auch für Trendsetter langweilig, dass wir uns heute durchschnittlich sowieso gesünder und ausgewogener ernähren als frühere Generationen. Wir Privilegierte können statt Hanfsamen auch den guten alten Leinsamen aufs Müsli streuen und tun der Verdauung des Büromenschen etwas Gutes; auch die heimische Heidelbeere wird zum Beispiel wie ihre exotischen Geschwister seit langem wegen ihrer erprobten entzündungshemmenden Bestandteile geschätzt. Was nicht heißen soll, dass Superfoods nur mit Vorsicht zu genießen sind - aber mit Bedacht und maßvoll. Der Rest ist Psychologie.

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