Elektromobilität

Was ist besser für die City: Elektroauto, Elektroroller oder E-Bike?

von Peter Michaely

E-Autos, Elektroroller und E-Bikes finden immer mehr Käufer. Doch für wen eignet sich welche Form der Elektromobilität? Und wie weit fahren die Deutschen?

Luftbild mit Blick aufs Brandenburger Tor in Berlin
City-Life: Blick aufs Brandenburger Tor in Berlin. Foto: Shutterstock / Devteev

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie stark Elektroautos, Elektroroller und E-Bikes im Aufwind sind
  • Welche Form der Elektromobilität für wen geeignet ist
  • Wie Sie testen können, welches Elektrofahrzeug das richtige für Sie ist

Der Trend ist eindeutig: Elektrisch betriebene Fahrzeuge sind stark im Aufwind. 2017 wurden in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 25.056 Elektro-Pkw neu zugelassen. Das entspricht zwar nur einem Anteil von 0,7 Prozent an den 3,44 Millionen Pkw-Neuzulassungen hierzulande – aber auch einer Steigerungsrate von 119,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der neue Audi e-tron

Der erste rein elektrische SUV von Audi.

Zur Reservierung

Auch der Markt für E-Bikes wächst laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) im Rekordtempo. 2017 stieg ihr Absatz in Deutschland auf 720.000 Stück. Das entspricht einer Steigerung von 19 Prozent und einem Marktanteil von 19 Prozent am Gesamtfahrradmarkt.

Diese Quote wird nach Einschätzung des ZIV weiter steigen. Mittelfristig rechnet der Verband mit einem Marktanteil von 23 bis 25 Prozent, langfristig mit bis zu 35 Prozent.

Mit Elektrokrafträdern verhält es sich ähnlich: Laut Berechnungen des Statistik-Portals Statista fahren derzeit fast 9.000 Elektro- und Hybrid-Krafträder auf deutschen Straßen – Tendenz steigend, zumal sich 18,8 Prozent der Motorradfahrer laut Statista vorstellen können, zum Beispiel einen Elektroroller zu kaufen.

Studie bestätigt: E-Autos gerade bei kurzen Strecken beliebt

Die Verkaufszahlen für elektrisch angetriebene Fahrzeuge steigen, das Interesse ist da. Doch wie sieht die Nutzung von Autos in Deutschland eigentlich aus und lässt sie sich mit Elektromobilität vereinbaren? Dieser Frage ging das Institut für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums nach.

Wenig überraschend ist bei den Ergebnissen der Studie, dass Autos außerhalb von Städten noch immer das bevorzugte Mittel zur Fortbewegung sind. Viel interessanter ist hingegen, dass sie sich über den Tag kaum bewegen. Nur 45 Minuten fährt ein Pkw im Durchschnitt. Das gilt natürlich auch für Elektroautos.

Sie sind meist nicht das einzige Fahrzeug im Haushalt, sondern dienen eher als Zweitwagen. Mit diesem legen die Besitzer dann kurze Strecken zurück – in vielen Fällen im urbanen Umfeld. Genau diese Strecken scheinen den Alltag der Deutschen zu dominieren. Etwa drei Viertel der Pkw-Fahrer legen nicht mehr als 10 Kilometer pro Fahrt zurück.

Elektroautos – die Vorteile:

Die Effizienz: Elektroautos haben einen deutlich höheren Wirkungsgrad als Diesel oder Benziner. Je nach Modell liegt die Reichweite unter Idealbedingungen zwischen 100 und 600 Kilometern, ohne dass die Fahrzeuge Abgase ausstoßen. Für Berufspendler ist das häufig ausreichend.

Die Betriebskosten: 100 elektrisch gefahrene Kilometer kosten durchschnittlich vier Euro. Autos mit Verbrennungsmotor sind deutlich teurer, da der Kraftstoffverbrauch im Stadtverkehr durch das ständige Stop-and-Go überproportional ansteigt. Auch der Verschleiß wächst. Elektroautos hingegen sind wartungsärmer und langlebiger. Mittlerweile gibt es bereits Geschäfte und Firmen, die kostenlose Lademöglichkeiten für E-Autos anbieten.

Die Zuschüsse: Der Kauf eines E-Autos wird vom Staat derzeit mit einer Umweltprämie von 4000 Euro unterstützt. Eine fünfjährige Befreiung von der Kfz-Steuer und spezielle Versicherungsprämien machen sie zusätzlich attraktiv. Zehn bis 20 Prozent Nachlass und spezielle Tarife sind möglich

Die Perspektive: Im Gegensatz zu Dieseln drohen Elektroautos keine Fahrverbote in Städten.

Im Vordergrund ist ein angeschlossener Ladestecker zu sehen, im Hintergrund ein weißes Elektroauto
Viele Autofahrer empfinden die Ladesäulen-Dichte als zu gering. Foto: Shuterstock/Sopotnicki

Elektroautos – die Nachteile:

Die Infrastruktur: In Großstädten müssen noch mehr Ladesäulen installiert werden, damit weitere E-Autos in die Innenstädte gelockt werden können. Und das Laden dauert: Von mehreren Stunden an haushaltsüblichen Steckdosen bis zu weniger als 60 Minuten an Schnellladestationen.

Die Unfallgefahr: Stromer sind fast lautlos, was die Unfallgefahr Studien zufolge im Vergleich zu Dieseln und Benzinern verdoppelt. Deshalb müssen sie ab Mitte 2019 Töne abgeben.

Elektroroller – die Vorteile:

Die Betriebskosten: E-Roller fahren sogar noch günstiger als Elektroautos: Auf 100 Kilometer verbrauchen sie Strom für weniger als einen Euro.

Die Kosten für Ersatzakkus halten sich im Rahmen: Bei einer Kapazität von 1000 Ladezyklen und einer Reichweite von 70 Kilometern ergeben sich bei 300 Euro Anschaffungspreis für einen neuen Akku 0,43 Euro Kosten pro 100 Kilometer.

Die Zuschüsse: Auch die Anschaffung von E-Rollern wird von der öffentlichen Hand gefördert. Ein Beispiel: Die Stadt München bezuschusst E-Roller, die für gewerbliche oder gemeinnützige Zwecke genutzt werden, mit bis zu 25 Prozent des Anschaffungspreises. Interessenten sollten sich also auf jeden Fall über die Angebote in ihrer Region informieren. Eine Befreiung von der Kfz-Steuer bringt zusätzliche 25 Euro Ersparnis pro Jahr.

Die Citytauglichkeit: Elektroroller sind sie im Stadtverkehr wendiger als (Elektro-) Autos, und auch die Parkplatzsuche ist einfacher. Je nach Modell sind bis zu 150 Kilometer Reichweite möglich – für die Innenstadt häufig ausreichend. Die meisten Modelle haben herausnehmbare Akkus, die zum Aufladen mit in die Wohnung genommen werden.

Elektroroller – die Nachteile

Die Anschaffungskosten: Im Vergleich zu konventionellen Rollern sind die elektrischen deutlich teurer. Zwischen 2000 und 3500 Euro kosten 45 km/h-Modelle. Wer auch mal auf Schnellstraßen und Autobahnen unterwegs und bis zu 120 km/h schnell sein will, muss zwischen 3500 und 14.000 Euro investieren. Die Kosten für Helm und Bekleidung kommen noch dazu.

Die Ladedauer: Wie beim Elektroauto ist auch die Ladeinfrastruktur für E-Roller noch ausbaubedürftig. Die Ladedauer von teilweise mehreren Stunden ist ein weiteres Handicap. Immerhin können die Akkus bei Elektrorollern mitgenommen und in der Wohnung aufgeladen werden.

Die Wetterabhängigkeit: Ein nicht technisch bedingter Nachteil bleibt: Bei Schnee, Nässe und Kälte sind die Fahrer ungeschützt (beim E-Bike natürlich auch).

Detailaufnahme eines E-Bikes mit Fokus auf dem Akku.
Treten mit Elektrounterstützung: Akku an einem E-Bike. Foto: Shutterstock / Hadrian

E-Bike – die Vorteile:

Die Gesundheit: Im Gegensatz zu E-Auto und E-Roller muss man beim E-Bike noch selbst in die Pedale treten – zwar elektrisch unterstützt, trotzdem fördert die Bewegung die Gesundheit. Steigungen verlieren außerdem ihre Schrecken, auch in der Stadt. Untersuchungen zufolge setzen sich E-Bike-Besitzer dreimal häufiger auf ihren Drahtesel als Nutzer konventioneller Fahrräder.

Die Kurzstreckentauglichkeit: 60 Prozent aller Autofahrten in der Stadt sind kürzer als 6 Kilometer – ie Reichweite eines E-Bikes liegt zwischen 30 und 100 Kilometern. Weiteres Plus: Ein Parkplatz ist nicht erforderlich. Außerdem gibt es mehr Alternativrouten, denn Pedelec-Fahrer dürfen zusätzlich die Radwege benutzen.

Die Betriebskosten: Untersuchungen wie die HU und Versicherungskosten entfallen, da Pedelecs normalen Fahrrädern gleichgestellt sind. Einmal den Akku an der Steckdose laden, kostet in der Regel 8 Cent. Teure Ladeboxen wie bei E-Autos sind also nicht erforderlich. Für spezielle E-Lastenräder gibt es außerdem bereits interessante Förderprogramme. Darüber hinaus gilt das Dienstwagenprivileg seit 2012 auch für Fahrräder. Deshalb können Arbeitgeber E-Diensträder zu günstigen Konditionen für ihre Mitarbeiter leasen.

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E-Bike – die Nachteile:

Die Anschaffungskosten: E-Bikes sind teurer als normale Fahrräder. Auch die Akkus sind nicht billig. Ersatz kostet je nach Modell bis zu 1000 Euro. Viele Modelle sind allerdings mit unterschiedlichen Akkus kombinierbar. Zwischen 500 und 1000 Ladezyklen und eine Lebensdauer von drei bis fünf Jahren sind realistisch. Mehrere zehntausend Kilometer Fahrstrecke sind also möglich.

Fazit: Erst mal beim Sharing testen

Ob nun Elektroauto, Elektroroller oder E-Bike: Elektrofahrzeuge sind schon heute eine gute Alternative. Welche Form der Elektromobilität am besten passt, hängt vom individuellen Anwendungsfall ab. aio rät: Bevor Sie ein neues Fahrzeug kaufen, testen Sie zunächst über Carsharing, E-Roller-Sharing und Bikesharing, welche Art der Elektromobilität für Sie die richtige ist.

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