Technik

Was bringen Wearables wirklich für die Fitness?

von Nele Justus

Sie sollen uns helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden: Smartphones und Wearables messen Schritte, Bewegung, Schlaf und Herzfrequenz. Aber führt das wirklich zu mehr Gesundheit und Fitness? Jein, meinen Experten.

Was bringen Wearables wirklich für die Fitness?
Fitness first: Jeder dritte Deutsche nutzt inzwischen einen Fitnesstracker. Foto: Shutterstock / Jacob Lund

Das erfahren Sie gleich:

  • Smartphones und Smartwatches sollen zu mehr Bewegung verhelfen
  • Den größten Nutzen haben ohnehin aktive Menschen
  • In Zukunft werden die Geräte noch viel mehr können

Gesundheit ist ein riesiger Markt

Ob Fitnessarmband oder Smartwatch - der Markt der sogenannten Wearableswächst. Wir alle wollen mehr Bewegung, mehr Gesundheit und mehr Fitness. Dabei zählt jeder Schritt. Fast jeder dritte Deutsche ab 14 Jahren nutzt mittlerweile einen Fitness- oder Gesundheitstracker, ergab eine Bitkom-Studie im vergangenen Jahr.

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Und fast ebenso viele deutsche Smartphone-Nutzer setzen Fitness- oder Gesundheits-Apps ein. Allein in den USA werden heute etwa neun Milliarden US-Dollar mit mobilen Gesundheitslösungen umgesetzt, 2018 sollen es bereits zwanzig Milliarden sein. Aber spornen die Wearables uns wirklich zu mehr Bewegung an – oder ist das nur ein Wunschdenken?

Tatsächlich mehr Fitness

Wer ein Fitnessarmband trägt, bewegt sich mehr – zumindest kurzfristig, belegt eine vor kurzem veröffentlichte Studie des kanadischen JMIR Instituts. 970 Schritte mehr legten die rund 300 Probanden nach sechs Wochen im Durchschnitt zurück.

Fitness-Tracker werden häufiger von Leuten gekauft, die bereits einen gesunden Lebensstil führen.

Doch gilt der Motivationsschub offenbar nicht für jede Zielgruppe. David Ellis, Psychologe an der Lancanster Universität, sagte der BBC: „Fitness-Tracker werden häufiger von Leuten gekauft, die bereits einen gesunden Lebensstil führen und ihre Fortschritte messen wollen.”

Für viele andere folgt auf den ersten Hype der große Frust: Etwa die Hälfte der geschätzten 33 Millionen Amerikaner, die einen Fitness-Tracker besitzen, nutzen ihn nicht mehr. Ein Drittel der Käufer legt die Technik schon nach einem halben Jahr zur Seite. Langfristig scheinen Wearables also nicht die Motivation hochzuhalten und Verhaltensänderungen herbeizuführen.

Keine Hilfe beim Abnehmen

Und auch beim Abnehmen helfen Smartphone, Smartwatch und Wearables nicht unbedingt weiter, wie eine im amerikanischen Fachmagazin JAMA veröffentlichte Studie aufzeigt. Für die Untersuchung machten rund 500 Übergewichtige eine Langzeitdiät. Die Hälfte der Gruppe bekam nach einem halben Jahr zusätzlich ein Fitness-Armband, das für einen zusätzlichen Bewegungsanreiz sorgen sollte. Doch war das eher kontraproduktiv. Die Gruppe mit Armband speckte im Schnitt 3,5 Kilogramm ab, die ohne Fitness-Tracker allerdings fast sechs Kilo. Die Erklärung: „Es könnte sein, dass die Leute denken, ich war jetzt so aktiv, da könnte ich auch einen Cupcake essen“, resümiert der Hauptautor der Studie, John Jakicic. Außerdem sei ein solches Armband nicht für jeden motivierend - wer an Trainingszielen häufig scheitere, werde eher frustriert.

Wearable Apple Watch
Erst Gewicht abnehmen, dann Kalorien aufnehmen: Wearables wie die Apple Watch bringen nichts, wenn die verlorenen Kalorien hinterher im Restaurant wieder aufgefüllt werden. Foto: Unsplash/crew

Wearables verändern das Gesundheitssystem

Während im Moment noch der Fitness-Bereich im Vordergrund steht, gehen Experten davon aus, dass sich der Fokus auf medizinische Anwendungen richten wird. Wearables könnten in Zukunft nicht nur als Armband, Fitnessuhr oder Smartwatch am Körper getragen werden, sondern genauso gut in Kleidungsstücke wie T-Shirts oder Strümpfe eingenäht oder als Pflaster direkt auf der Haut befestigt werden.

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Die Sensoren in den Geräten sind noch zu unpräzise, um valide Daten zu erheben.

Vitalparameter wie Herzrhythmus, Atemfrequenz und Bewegungsaktivität könnten beobachtet werden, um so den Gesundheitszustand von Patienten zu verbessern. Diese Daten könnten beispielsweise helfen, Schlaganfälle vorzubeugen. Und Diabetiker könnten Hilfe bei der Insulin-Dosierung erhalten, indem die Daten des Bewegungs-Trackers mit dem elektronischen Kalorientagebuch und den Blutzuckerwerten verknüpft werden. Ein Pilotprojekt in Köln läuft dazu bereits. Aber noch steckt das Thema E-Health in den Kinderschuhe. Denn die Sensoren in den Geräten seien noch zu unpräzise, um valide Daten zu erheben, so die Experten.

Trotzdem sind schon jetzt die Krankenkassen auf den Zug aufgesprungen. Viele bieten ihren Kunden bereits einen Zuschuss zu Smartwatches und Wearables an. Und erste Versicherer haben Tarife angekündigt, die auf der Generierung von Gesundheitsdaten über Wearables und Smartphone basieren.

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