Technik

Vom Einrad-Motorrad zum E-Einrad: Wann kommen die Monowheels?

von
Marten Zabel

Das Monowheel ist ein alter Tüftler-Traum. Jetzt kommen Elektro-Einräder und sollen das Konzept etablieren. Sind die alten Nachteile tatsächlich überwunden?

Ein Einrad vor rotem Grund.
Der Traum vom Einrad oder Monowheel ist alt – mit neuer E-Technologie soll er jetzt neu aufleben. Foto: getty images

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sich das Monowheel in den kommenden Jahren seinen Platz im Verkehr sichern soll
  • Wie Elektro-Einräder verschiedener Hersteller um neue Kundschaft buhlen
  • Weshalb sich das einrädrige Motorrad bisher nicht durchsetzen konnte

Mobil mit nur einem Rad – das ist schon seit dem frühen 20. Jahrhundert der Traum vieler Bastler und Tüftler. Immer wieder haben Leute auch entsprechende Gefährte entwickelt und gebaut, so ganz durchgesetzt hat sich das Konzept aber nie. Das könnte sich mit einer neuen Generation von Fahrzeugen jetzt ändern – dank computergesteuerter Balance und vollelektrischem Antrieb.

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Das Unternehmen Bel&Bel hat zuletzt mit der Ankündigung des Monowheels Z-One One auf sich aufmerksam gemacht, das aussieht wie eine halbe Vespa. Unter dem Sitz befindet sich das Rad, direkt davor ein Windbrecher und darüber dann der Haltegriff. Im Stand halten zwei ausklappbare Stützen das Gefährt aufrecht. Im Betrieb soll das eine Mischung aus Gyroskopen, Beschleunigungssensoren und eine ähnliche Technologie erledigen, wie sie im Segway und den inzwischen immer gebräuchlicheren Hoverboards zur Balance dient.

Das Monowheel Z-One One von Bel&Bel.
Futuristisch und ein wenig instabil wirkt das Z-One-One-Monowheel von Bel&Bel. Foto: bel&bel

Das Z-One One ist nicht das erste elektrische Einrad mit Selbstbalancefähigkeiten. Das S1000, dessen Design eher an ein Geländemotorrad ohne Verkleidung angelehnt ist, gibt es bereits für rund 1300 US-Dollar auf dem Markt. In Deutschland ist es allerdings weder erhältlich, noch hat es mit seiner Höchstgeschwindigkeit von mehr als 30 Kilometern pro Stunde eine Straßenzulassung.

Monowheel: Elektro-Einräder als Rideables

Im kleineren Segment der Rideables, also kleinster Fahrzeuge, die sich auch herumtragen lassen, gibt es ebenfalls kommerziell erhältliche Monowheels:

  • Das ONEWHEEL oder das E-Balance Hoverwheel sind elektrische Skateboards mit einem einzelnen Rad in der Mitte
  • Das Inmotion V5F hat ein größeres Rad zwischen den Beinen des Nutzers, der auf ausgeklappten Fußrasten steht

Einige dieser Fahrzeuge sind zwar schon ab rund 300 Euro erhältlich, nach aktuellem Recht allerdings im deutschen Straßenverkehr noch immer verboten.

Nur ein Rad zu haben spart vor allem Gewicht, zumindest bei den vorgestellten Fahrzeugen – ein großer Vorteil. Der Nachteil ist allerdings, dass es wenig Stabilität gibt, sollte einmal eine Notbremsung nötig sein: Der Fahrer steuert das Gefährt schließlich komplett über Gewichtsverlagerung und bei einer harten Bremsung wird er nach vorne kippen, was das System nur durch Beschleunigung ausgleichen kann. Oder es kippt eben um und der Fahrer fällt über den Lenker. Entsprechend dürften die Konstruktionen allesamt nicht auf höhere Geschwindigkeiten abzielen.

Das einrädrige Motorrad in der Geschichte

Das Monowheel für den Verkehr tauglich zu machen ist ein alter Traum: Schon in den 1860er Jahren bauten Erfinder in Europa und Amerika Fahrräder mit einem einzelnen, großen, umlaufenden Rad. Das sollte vor allem mit Unebenheiten der Straße weniger Probleme haben, als zwei kleinere Räder. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts folgten dann einige Motorrad-Varianten, etwa das Monowheel von Edison-Puton von 1910 mit einem 150-Kubikzentimeter-Motor und 3,5 Pferdestärken.

Das umlaufende Einrad hatte genau wie heutige Monowheels mit kleinen Rädern ein Problem mit dem Bremsen: Kippen kleine Einräder bei einer harten Bremsung nach vorne um, rollen die großen Monowheels in diesem Falle über – Pilot, Motor und alles gehen über Kopf und das gesamte Gefährt überschlägt sich in seinem Rad.

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Das mag zwar nicht zwangsweise zu Schäden führen, ist aber für die Bremswirkung alles andere als gut. Auch eine zu harte Beschleunigung führt zu diesem Effekt – nur eben in die andere Richtung.

Vermutlich werden einrädrige Fahrzeuge zumindest für den Transport von Menschen eine Randerscheinung bleiben und sich höchstens als Freizeitspaß ihre Nische etablieren. Aber wer weiß, was die Revolution elektrischer Kleinfahrzeuge noch bringen wird.

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