Elektromobilität

Wallbox: So finden Sie die richtige Ladestation für zu Hause

von Hannes Rügheimer

Mit Wallboxen lässt sich auch abseits von öffentlichen Ladesäulen Strom zapfen. Der ADAC hat zwölf Modelle getestet – drei davon fielen jedoch durch.

Foto: Shutterstock / rudolfgeiger

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Vorteile eine Wallbox gegenüber der Haushaltssteckdose bietet
  • Welche Kosten für Ladestation und Installation zu erwarten sind
  • Worauf es bei Ladeleistung, Steckersystem und Zusatzfunktionen ankommt

Am sinnvollsten und komfortabelsten lässt sich ein Elektroauto oder Plug-in-Hybrid nutzen, wenn man eine Wallbox in der Garage oder dem Carport installiert hat. Zwar lassen sich die meisten Plug-in-Hybridmodelle sowie manche Elektrofahrzeuge auch an einer Haushaltssteckdose aufladen. Aber dann dauert das Laden oft doppelt so lang oder sogar noch viel länger als mit einer eigenen Ladestation für zu Hause – und dann wird die Elektromobilität zur Geduldsprobe.

Doch nach welchen Kriterien soll ich meine Wallbox auswählen? Und was kostet die Installation? Wie viel Ladezeit spart eine Wallbox? aio beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Ladestation für zu Hause und der ADAC liefert Testergebnisse zu zwölf Modellen.

ADAC: Zwölf Wallboxen im Test – drei sind mangelhaft

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) hat sich einige auf dem Markt erhältliche Wallboxen etwas genauer angesehen. Vier Modelle leisteten dabei 3,7 bis 4,6 kW, fünf Geräte luden die Autos mit 11 kW und drei Boxen schafften 22 kW. Die Ergebnisse fielen dabei sehr unterschiedlich aus.

Wallboxen mit seinem “sehr gut” gibt es in allen Ladestärken. In der Klasse von 3,7 bis 4,6 kW war das die Keba KeContact P30 (762 Euro). Sie zeigte sich im ADAC-Test zuverlässig und einfach zu bedienen. Negativ fiel hingegen der Fehlende FI A-Schutzschalter auf. Der lässt sich aber für rund 30 Euro nachrüsten.

Bei den schnellen 22-kW-Ladestationen konnte die Mennekes Amtron Xtra 22 C2 die Tester überzeugen. Die Box ist mit 1903 Euro zwar sehr teuer, hat jedoch viele Extras an Bord. So ist etwa eine Steuerung per App möglich, in der sich sogar die Ladeleistung einstellen lässt. Die Montage und Installation ist hingegen aufwändig und der Energiezähler nur schwer ablesbar.

Den Gesamtsieg holte sich die ABL eMH1 mit 11 kW für 865 Euro. Sie bietet eine gute Ausstattung zu einem sehr guten Preis. Die notwendigen Schutzschalter sind dabei bereits in der Wallbox verbaut, wodurch keine Zusatzkosten entstehen. Durch das Konzept mit drei Phasen ist das Gerät universell einsetzbar. Der ADAC rät zu genau solchen Systemen, damit es beim Autowechsel nicht zu Problemen kommt.

Deutlich abraten müssen die Tester von den günstigen Boxen Annies-Carparts Simple EVSE (399 Euro) und Franz Röcker Simply EVSE (303 Euro) aus dem Internet. Sie schalten bei Fehlermeldungen des Autos nicht ab. Das kann im schlimmsten Fall zu Bränden und Verletzungen führen. Bei den flotten Wallboxen fiel die Alfen ICU Eve Mini (1378 Euro) durch.

Welche Noten die Wallboxen bekamen und wie die einzelnen Modelle im Detail abschnitten, gibt es im vollständigen Test direkt beim ADAC zu lesen.

Wallbox: Grüner Strom und kurze Ladezeiten?

Interessant ist das Laden an der hauseigenen Ladestation etwa für Nutzer, die über eine eigene Photovoltaik-Anlage verfügen. Geeignete Wallboxen lassen sich über einen sogenannten Energiemanager mit der PV-Anlage koppeln und laden so immer dann das Auto auf, wenn die Anlage kostenlosen Solarstrom produziert und der Haushalt weniger Strom verbraucht, als die Sonne gerade liefert.

Wie groß die Zeitersparnis durch eine Wallbox ausfällt, hängt vom genutzten Fahrzeug ab. Bei vielen aktuellen Plugin-Hybrid-Modellen lädt eine Wallbox nur ein bis zwei Stunden schneller als die vier bis fünf Ladestunden an der Haushaltsteckdose. In solchen Fällen ist zu überlegen, ob die Zeitersparnis die Kosten von mehreren tausend Euro wert ist. Anders sieht es bei reinen Elektroautos aus. Hier kann eine Wallbox die Zeit für eine volle Akkuladung von 26 Stunden auf 9,5 Stunden (Beispiel Opel Ampera-e) oder gar von 40 Stunden auf 6 Stunden (Beispiel Tesla Model S 90D) reduzieren.

Was kostet eine Ladestation für zu Hause inklusive Installation?

Typische Ladestationen für Privatnutzer kosten zwischen 700 und etwa 2000 Euro. Die Kosten für die Installation durch einen qualifizierten Elektriker kommen noch dazu. Ihre Höhe hängt etwa von der Entfernung des Wallbox-Standorts vom Sicherungskasten, der Anzahl von Wanddurchbrüchen, möglicherweise erforderlichen Rohrleitungen oder Grabungsarbeiten sowie der Auslegung und Absicherung der vorhandenen Hauselektrik ab.

Jede Wallbox erfordert einen eigenen Stromkreis, der mit einem Leitungsschutzschalter und einem Fehlerstrom-Schutzschalter (FI-Schalter) abgesichert ist. Bei manchen teureren Wallboxen ist der FI-Schalter bereits integriert. Es lohnt sich nachzurechnen, ob die Mehrkosten für ein solches Modell oder ein separater FI-Schalter zum Preis von typischerweise 250 Euro günstiger sind.

Typisch sind Installationskosten zwischen 500 und 1500 Euro. Sinnvollerweise sollte der beauftragte Elektriker vor einer verbindlichen Auftragserteilung einen Installationscheck vornehmen und einen konkreten Kostenvoranschlag unterbreiten. Solche Vorab-Checks kosten meistens 150 bis 200 Euro – manche Elektriker verrechnen diese Kosten, wenn es wirklich zur Auftragserteilung kommt.

Eine Frau steht vor einer Wallbox von Siemens und hält einen Ladestecker in der Hand
Zusätzlich zum Gerät kostet die Installation einer Wallbox zwischen 500 und 1500 Euro. Foto: picture alliance

Was für eine Ladeleistung brauche ich für mein Elektroauto?

Ein wichtiges Auswahlkriterium für das Wallbox-Modell ist seine maximal unterstützte Ladeleistung. Hier empfiehlt es sich vorauszuplanen: Heute aktuelle Plug-in-Hybridfahrzeuge lassen sich zwar häufig nur mit einer Ladeleistung 3,7 oder 7,4 kWh aufladen.

Doch vielleicht unterstützt schon das nächste Fahrzeug deutlich höhere Leistungen, speziell, wenn es sich um ein reines Elektroauto handelt. Der Preisunterschied zwischen einer Wallbox, die nur 3,7 kWh liefern kann, und einem Modell mit einer Maximalleistung von 22 kWh beträgt nur rund 200 Euro. Angesichts der Gesamtkosten ist dieser Unterschied zu vernachlässigen.

In jedem Fall tauschen sich Ladestation und Elektroauto über die tatsächliche Ladeleistung aus – auch Wallboxen mit höherer Maximalleistung pumpen nur so viel Strom in den Fahrzeugakku, wie dieser verkraftet.

Neben der technischen Auslegung gibt es dabei allerdings noch einen Aspekt zu beachten: Eine Wallbox muss vor der Installation beim örtlichen Energieversorger angemeldet werden. Mancher Stromlieferant verlangt einen Baukostenzuschuss, wenn er für höhere Ladeleistungen wie 22kWh technische Veränderungen vornehmen muss. Dieser Zuschuss kann die Kosten von Wallbox und Installation schnell übersteigen.

Wer nicht bereit ist, für eine Ideallösung noch einmal tausende Euro extra auf den Tisch zu legen, kann in so einem Fall zum Beispiel den Antrag von 22 kWh auf 11 kWh reduzieren und dafür künftig längere Ladezeiten in Kauf nehmen.

Welches Steckersystem für meine Wallbox?

Das nächste wichtige Kriterium bei der Wahl der Ladestation ist das Steckersystem: In unseren Breiten ist der sogenannte „Typ-2-Stecker“ mittlerweile am weitesten verbreitet – auch wenn einige asiatische und US-Autohersteller stattdessen auf den „Typ-1-Stecker“ setzen.

Ladestationen werden entweder mit fest installiertem Kabel angeboten oder mit einer Spezialsteckdose, sodass das Ladekabel zum Aufladen sowohl in der Wallbox als auch im Fahrzeug eingesteckt wird. Letzteres hat den Vorteil, dass man bei Bedarf zum Beispiel auch Ladekabel einsetzen kann, die auf Wallbox-Seite einen Typ-2-Stecker und auf Fahrzeug-Seite einen Typ-1-Stecker haben.

Grundsätzlich wird das Ladekabel während des Ladens mechanisch verriegelt, sodass man ein versehentliches oder böswilliges Abziehen des Kabels nicht befürchten muss. In der Regel empfiehlt sich deshalb eine Wallbox mit Typ-2-Buchse. An ihr können dann etwa auch Besucher ihr Elektroauto aufladen, wenn sie ein passendes Ladekabel selbst mitbringen.

Neben Typ 2 und Typ 1 gibt es noch weitere Ladestecker wie das von manchen japanischen Herstellern genutzte Chademo-System oder das CCS (Combined Charging System), das den Typ-2-Stecker um zusätzliche Kontakte für Gleichstrom-Laden an öffentlichen Ladesäulen erweitert. Die gerade genannten Tipps gelten aber auch für diese Fälle: mit passenden Adapterkabeln lassen sich diese Steckertypen auch an einer Typ-2-Wallbox anstecken.

Auch die Kabellänge sollte ausreichend großzügig geplant werden. Je nach Fahrzeug befindet sich die Ladebuchsen an unterschiedlichen Stellen – am Heck, an der Front oder wie ein Tankdeckel an der Fahrzeugseite. Mit ziemlicher Sicherheit soll in einigen Jahren ein anderes Modell aufgeladen werden – auch dann sollte das Kabel noch mitspielen.

Verlängerungskabel kommen zum Aufladen von Elektroautos nicht in Frage. Sie sind zum einen aus Sicherheitsgründen verboten, zum anderen wird ihr Einsatz technisch unterbunden – denn in diesem Fall ist keine Verriegelung an der Ladebuchse möglich, was den Stromfluss unterdrückt.

Ein Mann hält einen DC CHAdeMO-Stecker, einen DC-Combo-2-Stecker und einen AC-Stecker in der Hand.
Stecker-Roulette: Chademo-Stecker, CCS-Stecker, Typ-2-Stecker (von links). Foto: dpa

Welche Zusatzfunktionen braucht die Wallbox wirklich?

Identifikationsfunktionen wie Berechtigungskarten sind für Privatnutzer in der Regel unnötig. Auch einen Schlüsselschalter braucht man nur, wenn die Ladestation öffentlich zugänglich ist. Bewohner von Einfamilienhäusern können möglichen Stromklau auch einfach durch Ausschalten der Wallbox-Sicherung im Elektroschaltkasten verhindern.

Sinnvoll ist dagegen, den Stromverbrauch separat zu messen – sowohl zur Verbrauchskontrolle als auch für jeden, der seine Fahrzeugkosten gegenüber Arbeitgeber und/oder Finanzamt abrechnen muss oder will. Manche Wallboxen besitzen dazu einen integrierten Zähler.

Doch Vorsicht: Nicht immer erfüllt dieser die eichrechtlichen Bestimmungen. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, lässt den Elektriker für etwa 150 Euro einen Zähler im Schaltkasten einbauen, der alle rechtlichen Anforderungen erfüllt.

Die Integration einer Wallbox in eine Photovoltaik-Anlage setzt voraus, dass sich die Wallbox fernsteuern lässt. Dies erfolgt in der Regel über eine Netzwerkverbindung (Ethernet), die es für typischerweise 100 Euro Aufpreis gibt.

Manche Wallboxen unterstützen darüber auch gleich ein Lastmanagement. Diese Funktion stellt sicher, dass die verfügbare Anschlussleistung selbst dann nicht überschritten wird, wenn mehrere Wallboxen am gleichen Hausanschluss hängen und gleichzeitig mehrere Fahrzeuge aufladen.

Die Ladestationen stimmen sich dann ab, ob ein einziges angeschlossenes Elektroauto die volle Leistung erhält oder ob diese auf mehrere gleichzeitig ladende Fahrzeuge aufgeteilt wird. Übliche Anwendungsfälle sind Hotel- oder Firmenparkplätze sowie Gemeinschaftsgaragen. Doch falls irgendwann auch der Zweitwagen elektrisch fährt, kann dieses Thema ebenso für Privatnutzer relevant werden.

Welche Wallboxen entsprechen diesen Kriterien?

Folgende Wallboxen passen zu den Kriterien, die wir oben genannt haben. Sie unterscheiden sich allerdings auch in ein paar Punkten, bei denen Sie als Nutzer auswählen können, ob diese für Sie relevant sind. Wir haben diese Punkte unter "Besonderheiten" aufgeführt.

Marke/Modell: ABL SURSUM eMH3 Basic
Besonderheiten: Bis zu 22 kW Ladeleistung, integriertes Typ-2-Kabel 5 Meter, manueller Ein/Aus-Schalter hinter abschließbarer Blende
Preis: 899 Euro

Marke/Modell: ESL Walli Light
Besonderheiten: Bis zu 11 kW Ladeleistung, integriertes Typ-2-Kabel 5 Meter, integrierter Fehlerstrom-Schutzschalter, Ethernet-Schnittstelle
Preis: 854 Euro

Marke/Modell: KEBA KeContact P30c
Besonderheiten: Typ-2-Steckdose, bis zu 22 kW Ladeleistung, integrierter DC-Fehlerstromsensor, integrierter Energiezähler mit LED-Anzeige *
Preis: 1099 Euro

Marke/Modell: Menekes Amtron Start 11
Besonderheiten: Typ-2-Steckdose, bis zu 11 kW Ladeleistung, integrierter Fehlerstrom-Schutzschalter *
Preis: 1206 Euro

Marke/Modell: Wallbox Copper
Besonderheiten: Typ-2-Steckdose, bis zu 22 kW Ladeleistung, WLAN, Bluetooth, Gesichtserkennung und Ethernet-Schnittstelle*
Preis: 1319 Euro

* auch Modelle mit Typ-1-Steckdose oder integriertem Typ-1-Ladekabel erhältlich

Fazit: Gönnen Sie sich Ihre eigene Ladestation!

Wer sein Elektroauto in einer eigenen Garage oder in einem Carport abstellt, sollte sich unbedingt eine Wallbox anschaffen – die langen Ladezeiten über eine Haushaltssteckdose rechtfertigen die Ersparnis nicht. Aber was machen Menschen, die in einer Mietwohnung leben und trotzdem ein Elektroauto fahren wollen? Auch für diese Kombination haben wir nützliche Tipps.

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