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Leben

VUCA-Welt: Wie Sie bei aller Flexibilität stabil bleiben

von Dr. Kai Kaufmann

Wir leben in Zeiten der rasanten Beschleunigung und permanenten Veränderung. Die nötige Flexibilität kostet uns Stabilität. Sechs Tipps, die helfen.

Zwei Schachspieler sitzen mit Laptop und Handy an einem kleinen Reise-Schachspiel.
Wie beim Schach: Flexibel bleiben und trotzdem seine Strategie verfolgen. Foto: Unsplash/rawpixel

Das erfahren Sie gleich:

  • Was sich hinter der Bezeichnung VUCA-Welt verbirgt
  • Warum die geforderte Mobilität und Flexibilität Mitarbeiter krank machen kann
  • Welche Maßnahmen helfen, trotz VUCA stabil zu bleiben

Es ist schon fast ein Zauberwort in modernen Unternehmen: Flexibilität. Von Arbeitnehmern werden Flexibilität und Anpassungsfähigkeit gefühlt grenzenlos erwartet. Schnell wechselnde Geschäftsmodelle, immer neue Ziele, Prozesse und Teams: In einem unfassbaren Tempo verändern sich die Anforderungen an unsere beruflichen Fähigkeiten. Auf all das sollen wir agil, also flexibel reagieren.

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Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

Mitarbeiter und Führungskräfte sind heute immer häufiger auch räumlich und sozial entwurzelt durch Mobilität: Sie pendeln stundenlang, reisen viel für den Beruf, ziehen für den neuen Job flexibel in andere Städte und Länder. Trennungen von Familie, Freunden und, ja, auch Arbeitskollegen inklusive.

Entwurzelung durch übermäßige Mobilität

Der durchschnittliche deutsche Geschäftsreisende ist 43 Nächte pro Jahr für den Beruf fern von zu Hause, ermittelte gerade die Hotelbuchungsplattform „Laterrooms“.

Wie belastend diese Mobilität sein kann, hängt ab von der Frequenz der Geschäftsreisen und Abwesenheiten von Daheim. Was Geschäftsreisende und Expats besonders stresst, ermittelte die „International SOS“ in der Studie „2017 Business Travel and Emotional Support European Survey“. Befragt wurden Mitarbeiter aus 139 Unternehmen in 13 europäischen Ländern. Angeführt wird die Liste der größten Belastungen übermäßiger Mobilität von zwei sozialen Faktoren:

  • Mangelnde Work-Life-Balance
  • Soziale Isolation
  • Unternehmensstrukturen, Komplexität, Klimaänderungen

Zahlreiche Studien zeigen deutlich, dass sich zu viel Mobilität im Beruf negativ auf Körper und Psyche auswirkt. Häufige Folgen: Depressionen, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Burnout. Für Unternehmen haben diese Auswirkungen auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kostspielige Auswirkungen.

Die Effekte von digitaler Transformation, Globalisierung und Industrie 4.0 betreffen heute jeden zentralen Lebensbereich: technologisch, ökonomisch, privat und beruflich. All dies ist aus Sicht von Ökonomen und Soziologen keine vorübergehende Phase: Die Veränderung ist permanent.

VUCA: Schnelle und ständige Veränderung

Wissenschaftler bezeichnen dies als sogenannte VUCA-Welt. Was der Begriff VUCA bedeutet:

  • "V" für Volatilität sprich: aggressive, sprunghafte Veränderung
  • "U" für Uncertainty, Unsicherheit
  • "C" für Complexity bzw. Komplexität
  • "A" für Ambiguität, Mehrdeutigkeit

In dieser VUCA-Welt erleben Mitarbeiter und Führungskräfte von Unternehmen einen elementaren Verlust an Stabilität in ihrer Arbeit und in ihrem gesamten Leben, beobachten Soziologen und Psychologen

Stabilitätsverlust: Was uns jetzt hilft

Burnout ist die vielleicht „populärste“, weil medial neben Depressionen am stärksten sichtbare Folge der hohen Volatilität unserer VUCA-Welt. Am Beispiel Burnout werden die grundlegendsten Folgen des Wandels deutlich, weil das Verständnis von Burnout aus Expertensicht gerade eine wesentliche Akzentverschiebung erlebt.

Ursache der chronische Erschöpfung ist nur vordergründig eine uferlose Arbeitslast oder Workload oder zu viel Mobilität für den Beruf.

„Es wurde deutlich, dass sich die Betroffenen nicht an zu viel Arbeit, sondern an zu wenig oder zu schlechter Beziehung erschöpft hatten“, fasst Dr. med. Mirriam Prieß in einem Gespräch mit wirtschaftsforum.de ihre Erfahrung aus der Behandlung von Burnout in einer psychosomatischen Fachklinik zusammen. Ein echtes Miteinander bleibt für Mitarbeiter und Führungskräfte in Unternehmen immer öfter auf der Strecke.

"Antwortbeziehungen" statt pures Reagieren

Aus einer ganz anderen Richtung kommt ein ähnlicher Ansatz für gesunde Strategien in einer VUCA-Welt. Prof. Dr. Hartmut Rosa sieht Resonanzbeziehungen als elementar wichtig in einer beschleunigten und entfremdeten Welt.

Rosa versteht darunter „eine Antwortbeziehung, wo wir das Gefühl haben, wir sind wirklich verbunden mit der anderen Seite.“ Also mehr als ein reiner Austausch von Informationen und Handlungsimpulsen. Eine wichtige Message auch für jede Führungskraft.

Prof. Hartmut Rosa und Dr. Mirriam Prieß stellen mit dieser Sicht die wichtigsten Erkenntnisse aus der klassischen Glücks- und Resilienzforschung in den Kontext unseres heutigen Lebens und Arbeitens.

Der Faktor Beziehungen – als empathische Beziehungen und als Resonanzbeziehungen – ist aus demnach ein Schlüsselfaktor für ein gesundes Leben und Arbeiten trotz der hohen Volatilität unserer VUCA-Welt.

Empathie macht glücklich

In einer der weltweit längsten Studien untersucht die University of Harvard seit über 80 Jahren (!), was zu einem gesunden, gelingendes und glücklichen Leben gehört. Der Schlüssel dazu seien empathische Beziehungen, sagt Prof. Robert Waldinger, Direktor der „Harvard Study of Adult Development“.

Dabei geht es nicht unbedingt um die Bindung zum Lebenspartner, „sondern eher um die grundsätzliche Bindung zu anderen Menschen, also im Sinne einer altruistischen und empathischen Bindung“, erklärt Waldingers Kollege, der Psychiater Prof. George Vaillant im „Zeit Online“-Interview. Er leitet die „Harvard-Grant-Study“ als Teil des Langzeitprojektes.

Die „Take away Message“ lautet also: Beziehungen schaffen Stabilität, wenn Flexibilität, Agilität und Mobilität zu einem Stabilitätsverlust führen.

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Was können wir praktisch tun für Gesundheit trotz Volatilität?

6 Tipps für mehr innere Stabilität:

  • Treffen Sie vor oder während Ihrer Geschäftsreise Verabredungen über Gruppen, in denen Sie auf sozialen Plattformen aktiv sind. Am besten mit Kontakten, die Sie schon länger pflegen – das ist am sichersten.
  • Fühlen Sie sich auf Geschäftsreisen einsam oder deprimiert, suchen Sie aktiv engmaschig Kontakt nach Hause und zu Kollegen: z.B. per Skype, Telefon, Messenger oder SMS.
  • Sorgen Sie auch unterwegs durch kulturelle Aktivitäten für eine gesunde Work-Life-Balance.
  • Folgen Sie auch auf Reisen Ihrer sportlichen Routine, auch mal zusammen mit einem Kollegen.
  • Nehmen Sie unterwegs Angebote für soziale Aktivitäten an.
  • Folgen Sie Ihrem inneren Kompass, ihren persönlichen Werten – auch im Job und auf Geschäftsreisen.

Ein Mann im Anzug und mit Koffer sitzt in einem Sessel und Telefoniert über Kopfhörer.
Besonders auf Dienstreisen ist der Kontakt zu Familie oder Freunden wichtig. Foto: Shutterstock / Jacob Lund

Fazit: Beziehungen sind alles

In einer sich rasend schnell wandelnden Welt ist Flexibilität einer der wichtigsten Schlüssel für seelische und körperliche Gesundheit. Neuere Ansätze zeigen aber, dass Flexibilität und Agilität gerade in unserer VUCA-Welt einen Ausgleich brauchen: innere Stabilität. Mit empathischen, resonanzvollen Beziehungen können wir auch in Zukunft dafür sorgen.

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