Gesundheit

Vorbeugen und Anzeichen erkennen: Thrombose beim Autofahren

von Gertrud Teusen

Nicht nur bei Flugreisen ist die Thrombose-Gefahr hoch: Auch beim langen Autofahren droht Thrombose. aio erklärt Symptome und Möglichkeiten zur Vorbeuge.

Blick aus einem Auto auf einen Stau.
Nichts bewegt sich mehr: Im Stau ist die Thrombose-Gefahr besonders hoch. Foto: Shutterstock / KuLouKu

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Stau auf den Straßen die Thrombose-Gefahr steigert
  • Mögliche Ursachen: Was den Blutfluss behindert
  • Wie Sie Symptome erkennen und richtig vorbeugen

Je länger die Fahrt in den Urlaub dauert, desto größer ist das Risiko einer sogenannten Reise-Thrombose. Bislang kannte man den Begriff nur im Zusammenhang mit Flugreisen über den Atlantik oder nach Südostasien. Das lange Sitzen im Flugzeug mit viel zu wenig Beinfreiheit ist als Thrombose-fördernd und somit Gesundheits-gefährdend bekannt.

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Neue Erkenntnisse dazu bringt eine Studie aus den Niederlanden. Die Universität Leiden befragte und untersuchte 1900 Probanden, die eine Thrombose erlitten hatten, nach den entsprechenden Auslösern. Demnach waren nicht nur Flugzeugen für den gefährlichen Gefäßverschluss verantwortlich, sondern auch lange Autofahrten und Bahnreisen über vier Stunden.

Steigert Stau auf den Straßen wirklich die Thrombose-Gefahr?

Thrombose-Experten laufen seitdem Sturm gegen diese neuen Erkenntnisse der MEGA-Studie (Multiple Environmental and Genetic Assessment of Risk Factors for Venous Thrombosis) aus den Niederlanden. Dabei waren die Forscher um Suzanne Cannegieter eigentlich einem ganz anderen Thrombose-Auslöser auf der Spur: nämlich dem Einfluss der Luftdruckverhältnisse in Flugzeugen auf das Entstehen eines gefährlichen Blutgerinnsels.

Heraus kam dann allerdings, dass die beengten Sitzgelegenheiten in Flugzeugen, Autos, Bussen und der Bahn mehr zum Risiko einer Thrombose beitragen, als irgendetwas anderes. Schlussendlich bestätigt die Studie aber nur das, was ohnehin bekannt ist: Wer ein entsprechendes Risiko trägt, erhöhte es eben, indem er sich über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend bewegt.

Die neue Erkenntnis: Vier Stunden eingeschränkte Bewegungsfreiheit (insbesondere der Beine) verdoppelt das Risiko auf eine Venenthrombose.

Was den Blutfluss behindert

Unter einer Thrombose versteht man die Bildung eines Blutpfropfes in einem Blutgefäß, das im schlimmsten Fall zum Verschluss einer Arterie oder Vene führen kann. Folgende Ursachen sind bislang bekannt:

  • Das Blut fließt zu langsam – das kann beispielsweise nach Operationen der Fall sein
  • Das Blut ist krankhaft-verändert – es gibt zu viele Blutzellen oder gerinnungsfördernde Blutbestandteile
  • Die Gefäßwände sind beschädigt oder krankhaft verändert

Das alles kann passieren, ohne dass der Betroffene wirklich etwas davon merkt. Aufschlussreicher sind da schon die Risikofaktoren.

  • Menschen mit einer Körpergröße über 1,90 m haben ein fünffach höheres Thromboserisiko
  • Übergewichtige Menschen mit einem Body-Mass-Index von mehr als 30 sind etwa zehnfach häufiger betroffen
  • Frauen, die mit der Pille verhüten, tragen ein 20-fach erhöhtes Risiko
  • Nur bei Flugreisen haben auch kleine Leute (unter 1,60 m) ein fünfmal höheres Risiko
  • Auch Schwangere gehören zu dem Personenkreis, mit generell hohem Risikopotential – sie sollten ihren Arzt dazu befragen

Symptome erkennen

Um die Symptome richtig zu deuten muss man wissen, dass die Mediziner zwischen einem arteriellen und venösen Gefäßverschluss unterscheiden.Die ersten Anzeichen sind durchaus widersprüchlich und dementsprechend lassen sich die Thrombose-Symptome für einen Laien nur schwer zuordnen.

Die arterielle Thrombose betrifft meist die Beine. Typische Symptome sind:

  • Plötzlicher Schmerz, der stechend oder ziehend sein kann
  • Blasse Haut und kalte Beine
  • Das Gefühl im Bein verschwindet und man verliert innerhalb von wenigen Stunden, die Kontrolle über die Bewegungen

Die Venenthrombose tritt ebenfalls in den Beinen am häufigsten auf. Man unterscheidet oberflächliche und tiefliegende Thrombosen, wobei letztere gefährlicher sind. Die typischen Anzeichen:

  • Die Beine schwellen an, zumeist am Unterschenkel, rund um den Knöchel und am Fuß
  • Dadurch hat man das Gefühl „schwere Beine“ zu haben
  • Typischer „Muskelkater“ – also Schmerzen im Unterschenkel, manchmal auch im Fuß, Oberschenkel oder der Leiste
  • Die Haut verfärbt sich bläulich, ist gespannte und/oder glänzend

Längere Autofahrt? Öfter mal eine Pause machen

Die Studie aus den Niederlanden war ein schon lange überfälliger Weckruf an alle Autofahrer, die gerade jetzt im Sommer lieber stundenlang auf dem Weg in den Urlaub im Stau stehen, als rechts ranzufahren und sich ausgiebig zu bewegen.

Eine lange Reise sollte ganz bewusst und geplant in regelmäßigen Abständen unterbrochen werden, um eine ausgiebige Pause zu machen – und das nicht nur gegen den Urlaubsstress.

  • Achten Sie beim Fahren immer auf eine entspannte Sitzposition, bei der Sie sich nicht eingeengt fühlen
  • Die beliebten Durchhaltetherapien wie Kaffee oder Tee sind im Sinne der Thrombose-Prophylaxe eher kontraproduktiv, da sie den Blutfluss verlangsamen und den Köper austrocknen
  • Wer ein bekanntes Thromboserisiko hat, der sollte mit seinem Arzt sprechen und notfalls Kompressionsstrümpfe tragen. Die sind zwar kein modischer Hingucker, helfen aber den Venen, die nötige Spannung zu halten, um ein Gerinnsel gar nicht erst entstehen zu lassen
  • Vorsorglich blutverdünnende Medikamente einzunehmen hilft nichts und schadet nur
  • Was hingegen hilft, sind regelmäßige Bewegung und viel (Wasser-)Trinken. Das sollte nicht nur der Fahrer, sondern auch alle Beifahrer in einem eng-gepackten Urlaubsfahrzeug
Ein Mann macht Dehnübungen.
Der beste Schutz vor Thrombose: Pausen mit ausreichend Bewegung – auch beim Autofahren. Foto: Shutterstock/Mangostar

Übrigens: Eine Thrombose „passiert“ selten während einer Autofahrt, sondern entwickelt sich im Laufe von Stunden und Tagen danach. Man sollte also die Thrombose-Anzeichen kennen, um sich im Fall eines Falles ärztlich behandeln zu lassen.

Die Thrombosen treten jedoch keineswegs nur während der Reise oder kurz nach der Ankunft auf. Auch in den folgenden Wochen sei das Risiko noch erhöht.

MEGA-Studie, Universität Leiden

Worst-Case-Szenario – die Lungenembolie

Eine Thrombose ist immer gefährlich, denn wenn man sie unbehandelt lässt, kann sich daraus eine lebensgefährliche Lungenembolie entwickeln. Dabei löst sich das Blutgerinnsel, das beispielsweise die Vene verstopft, und macht sich „auf den Weg zur Lunge“.

Aus diesem Grund werden Thrombosen auch immer sehr ernst genommen und die Betroffenen unter Umständen stationär im Krankenhaus beobachtet. Die Behandlung erfolgt dort durch blutverdünnende Medikamente und manchmal auch durch eine Operation, bei der der Thrombus entfernt wird. Kommt also zu den oben beschriebenen Symptomen noch Atemnot hinzu, ist das ein akuter Notfall.

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