Elektromobilität

Von wegen neuer Trend: Das Solarauto wird schon 60!

von Leonie Butz

Von wegen neuer Trend: Das Solarauto wird schon 60!
Eigentlich ist das Solarauto schon ein alter Hut. Vor 60 Jahren entwickelte ein Amerikaner bereits das erste durch Sonnenenergie angetriebene Fahrzeug: Den Solar King. Foto: Infineon Technologies/aio

Das erfahren Sie gleich:

  • 1958 entwickelte Eric Lidow mit dem "Solar King" das erste Solarauto
  • Der Trend kommt seither in Schüben: In den 80ern war das Solarauto zuletzt auf dem Vormarsch
  • Mit dem Sion von Sono Motors könnte erstmals ein Solarauto massentauglich werden

Solarautos wie der Sion kommen gerade richtig in Fahrt. Was kaum jemand weiß: Bereits 1958 entwickelte ein Unternehmen in den USA das erste Solarauto.

Das Solarauto wird 60 Jahre alt

Das Solarauto ist gerade wieder ganz hoch im Kurs. Der Sion des Start-ups Sono Motors scheint die Hoffnung der neuen Energie-Bewegung zu sein. Alles neu, völlig abgefahrene Idee, oder? Von wegen: Denn 2018 wird das Solarauto 60 Jahre alt. 1958 packte ein Visionär die erste Photovoltaik-Anlage auf ein Elektroauto: Der "Solar King" war geboren.

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Die Idee war ihrer Zeit meilenweit voraus.

Elektroautos waren in den USA bereits um 1900 unterwegs – satte 40 Prozent der Wagen auf amerikanischen Wegen hatten einen Elektroantrieb. Nur 20 Prozent fuhren mit Benzin, die restlichen 40 Prozent wurden noch mit Dampfmaschinen angetrieben. Einer der Elektrowagen war der "Baker 1912" von Baker Motor Vehicle Co. Aus diesem Wagen entwickelte der jüdische Emigrant und Firmengründer Eric Lidow das weltweit erste Solarauto mit Spitznamen Solar King. Dafür montierte der Photovoltaik-Experte Solar-Panels auf das Dach des Elektroautos. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h und einer Reichweite von rund 80 Meilen war das Auto noch nicht wirklich reisetauglich – die Idee war ihrer Zeit trotzdem meilenweit voraus.

Das Solarauto wird 60 Jahre alt
Der König der Straßen: Der Solar King war das erste Solarauto, das jemals gebaut wurde. 1958 war es seiner Zeit aber meilenweit voraus. Foto: Infineon Technologies

Der Trend geht erneut ins Rennen

In den 1970er Jahren entwickelte Alan Freeman in England dann das erste Solarauto, das tatsächlich auf den Straßen unterwegs war – dabei aber eher wie eine Seifenkiste mit einem darauf montierten Wäscheständer aussah. Mehr als ein Prototyp wurde aus der Idee jedoch nicht. Erst in den 1980ern kam das Solarauto wieder ins öffentliche Gespräch: Als die Schweiz die "Tour de Sol" startete. 1986 gingen die ersten solarbetriebenen Dreiräder ins Rennen – mit der Zeit entwickelten einige Hersteller aber auch Fahrzeuge mit vier beziehungsweise mit zwei Rädern. Im Gegensatz zu Fahrrädern und Motorrädern, die bald schon Serie gingen, kam es bei den Autos aber nie so weit – kein Wunder, bei Durchschnittsgeschwindigkeiten von 50 km/h und sehr geringen Reichweiten.

Zur gleichen Zeit entwickelte das deutsche Unternehmen Hotzenblitz Mobile GmbH & Co. KG das Mini-Elektroauto Hotzenblitz. Zwischen 1993 und 1996 produzierten sie in Thüringen rund 140 Modelle, wegen Finanzierungsproblemen war aber noch vor der Serienproduktion Schluss mit dem Hotzenblitz. Erst mit dem nächsten Solarauto-Trend bekam auch das Mini-Auto ein Solardach: Auf der eCarTec 2009 stellte das Unternehmen den Mini-Stromer mit Solardach vor. In Serie ging der Wagen aber nie. Während des Trends stellte der Schweizer Louis Palmer übrigens mit seinem Solartaxi einen neuen Weltrekord auf: Zwischen 2008 und 2009 machte er erstmals eine Weltreise mit einem rein solarbetriebenen Auto.

Der Trend geht erneut ins Rennen
Mit dem Solarauto um die Welt: Louis Palmer war der erste Mensch, der mit einem solarbetriebenen Auto die Welt umrundete. Foto: Louis Palmer

Sion: Das Solarauto kommt wieder in Fahrt

Jetzt scheint zumindest in Deutschland das Solarauto wieder in Fahrt zu kommen. Im Oktober 2017 machte das Studien-Projekt Blue.Cruiser der Uni Bochum den zweiten Platz bei der World Solar Challenge in Australien in der Effizienz-Klasse. Und auch der Sion des Start-ups Sono Motors bestätigt den neuen Trend – und verspricht erstmals ein massentaugliches Solarauto.

Das Konzept ist vor allem auf Carsharing ausgelegt, aber auch auf das Teilen von Strom und lizenzfrei nachbaubare Ersatzteile.

Rein von der Sonne betrieben soll der Wagen bei schönem Wetter 30 Kilometer schaffen, bei schlechtem Wetter immerhin noch 15 Kilometer. Es ist ja auch noch ein Elektromotor an Bord, der zumindest auf dem Papier 250 Kilometer Reichweite bietet. Mit dem Akku des Sion lässt sich auch Energie speichern, die theoretisch sogar als Stromquelle für andere Stromer dienen kann.

Solarauto Sion, Sono Motors
Elektroauto mit eingebauten Solarpanels: Der Sion von Sono Motors ist die deutsche – und aktuellste – Antwort auf den Solarauto-Trend. Foto: Sono Motors

Neben dem Solarbetrieb ist das Auto aber noch mehr auf Umweltschutz getrimmt: Mit breSono genanntem Moos soll der Sion Feinstaub aus der Luft filtern. Dabei dient die Feuchtigkeit im Wagen als Nahrung für das Gewächs. Das Konzept ist übrigens vor allem auf Carsharing ausgelegt. Ab Werk kommt der Sion deshalb mit verschiedenen Share-Möglichkeiten: Nicht nur das Auto kann gemeinsam benutzt werden, auch den erzeugte Strom können Autobesitzer teilen oder sogar verkaufen. Und Ersatzteile für den Wagen sollen lizenzfrei nachbaubar sein. Ab dem zweiten Quartal 2019 will das Unternehmen dann mit der Auslieferung der ersten Autos beginnen – vorausgesetzt, sie erhalten die geplanten 5000 Vorbestellungen für den Sion.

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