Elektromobilität

Von schwebenden Zebrastreifen und unsichtbaren Autos

von Alexander Kraft

Optische Täuschung: Zebrastreifen, die über dem Boden zu schweben scheinen.
Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, greifen Behörden zu ungewöhnlichen Maßnahmen, zum Beispiel zu 3D-Zebrastreifen. Foto: YouTube/Vegamálun GÍH

Das erfahren Sie gleich:

  • Verkehrsschilder weisen auf wandelnde Smombies (Smartphone-Zombies) hin
  • In Frankreich wecken unsichtbare Autos Passanten aus der Trance
  • 3D-Zebrastreifen sollen Autofahren zum Bremsen anhalten

Der Straßenverkehr ist vor allem für Fußgänger ein gefährliches Pflaster. Mit ungewöhnlichen Maßnahmen sollen deren Aufmerksamkeit und Sicherheit steigen.

Den Blick vom Handy auf die Straße lenken

Die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr sinkt. Faktoren dafür gibt es viele: Sei es die multimediale Ablenkung im Auto oder der Blick aufs Smartphone beim Laufen. Um der Unfallgefahr vorzubeugen und die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer weg von Telefonen und Tablets wieder Richtung Straße zu lenken, greifen Verkehrsbehörden und Stadträte zu teils ungewöhnlichen Maßnahmen – wie schwebende Zebrastreifen und unsichtbare Autos.

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Achtung: kreuzende Smombies

2015 wählte der Langenscheidt-Verlag den Begriff "Smombie" zum Jugendwort des Jahres. Das Kofferwort setzt sich zusammen aus den Begriffen "Zombie" und "Smartphone" und beschreibt das inhärente Abgelenkt-Sein durch Mobiltelefone im öffentlichen Raum. In Stockholm installierte der Grafiker Jacob Sempler infolgedessen ein Straßenschild, das vor kreuzenden Smombies warnen soll. Das Piktogramm war als Scherz gedacht und wurde vom Ordnungsamt entfernt, fand aber vor allem in der Bevölkerung großen Zuspruch – der soweit ging das Warnschild als offizielles Verkehrszeichen in Schweden etablieren zu wollen.

In Südkorea gab es 2016 einen ähnlichen Vorstoß, initiiert von der Stadtregierung in Seoul. Diese ließ im Rahmen eines Pilotprojektes ebenfalls Warnschilder aufstellen: Eines richtete sich an Autofahrer und wies sie auf möglicherweise abgelenkte Smartphone-Nutzer hin; ein zweites adressierte direkt die Passanten und untersagte ihnen die Nutzung des Smartphones an bestimmten Orten.

Mitte 2017 trat in Deutschland der neue Verkehrszeichenkatalog in Kraft. Dieser verabschiedete unter anderem alte, nicht mehr zeitgemäße Straßenschilder und führte gleichzeitig neue, auf die gegenwärtigen Bedürfnisse angepasste ein. Unter anderem finden sich in dem Katalog Hinweisschilder auf Ladestationen für Elektroautos oder Wasserstofftankstellen. Ein Schild, das vor Smombies warnt, gibt es hierzulande allerdings nicht.

Eine Sekunde der Unachtsamkeit reicht

Weil es bei Verkehrsunfällen häufig um Bruchteile von Sekunden geht, hatte sich Paris im Frühjahr 2017 eine radikal-offensive Aktion für mehr Aufmerksamkeit im Verkehr überlegt. An einer Fußgängerampel installierte die Stadt einen Bewegungssensor, eine Kamera und einen Lautsprecher. Sprang die Ampel auf Rot, quietschten die Reifen eines Autos, sobald ein Passant die Straße unachtsam oder unerlaubt überquerte. Die akustische Vollbremsung des unsichtbaren Autos riss die Fußgänger aus ihrer Trance und erschreckte sie bis ins Mark. Die Kamera fotografierte die Passanten in der Schrecksekunde und warf das Bild anschließend auf eine digitale Reklameanzeige. Die Angst war den Betroffenen dabei buchstäblich ins Gesicht geschrieben.

Mit der Aktion wollte die französische Hauptstadt für mehr Achtsamkeit im Straßenverkehr sensibilisieren. Allein rund um Paris ereignen sich jedes Jahr über 4500 Verkehrsunfälle, bei denen Passanten zu Schaden kommen.

Optische Täuschung: Schwebende Zebrastreifen

In Hamburg und Braunschweig richten sich aktuelle Maßnahmen verstärkt an Autofahrer. Nach isländischem Vorbild sollen unter anderem in Braunschweig-Lehndorf und in Hamburg an mehreren Standorten 3D-Zebrastreifen getestet werden. Durch das Aufmalen verschiedener Farbschattierungen zwischen Schwarz und Weiß auf den Asphalt ergibt sich ein räumlicher Eindruck, der Autofahrern suggeriert, die Zebrastreifen würden über der Straße schweben. Aus der Entfernung sehen die an sich flachen Streifen dann aus wie dreidimensionale Balken – eine optische Täuschung, die Autofahrer dazu bewegen soll, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Immerhin gilt an Zebrastreifen der Vorrang der Fußgänger gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Die Realität sieht jedoch anders aus und zeigt, dass Handlungsbedarf besteht.

Ob sich der erhoffte Nutzen tatsächlich einstellen wird, ist fraglich. In Linz, Österreich, und in Ísafjörður, Island, wo die 3D-Zebrastreifen bereits den Asphalt zieren, lässt sich anhand der Zahlen keine Einsicht der Autofahrer feststellen. Das liegt daran, dass der 3D-Effekt nur in eine Richtung und aus gewisser Entfernung funktioniert und darüber hinaus bei Nässe und Dunkelheit quasi verpufft.

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