Elektromobilität

Versicherung fürs E-Bike: So sind Sie und Ihr Pedelec geschützt

von Gertrud Teusen

Haftpflicht, Hausrat oder E-Bike-Versicherung. Bisher sind Versicherungen bei normalen Pedelecs keine Pflicht – kennen sollten Fahrer sie trotzdem.

Ein Mann auf einem E-Bike.
Wer auf dem E-Bike unterwegs ist, sollte für den Fall der Fälle durch eine Versicherung abgesichert sein. Foto: Shutterstock / moreimages

Das erfahren Sie gleich:

  • Wann es eine Versicherungspflicht für das Pedelec gibt
  • Warum die Haftpflichtversicherung die wichtigste Versicherung für E-Bike-Fahrer ist
  • Wie die Hausratversicherung bei Diebstahl oder Vandalismus einspringen kann
  • Wann eine spezielle E-Bike-Versicherung sinnvoll ist
  • Wie Sie die ideale Versicherung für Ihr E-Bike finden

Eine Haftpflicht-Versicherung für E-Bikes, das ist der Plan der EU-Kommission. Sie soll Folgeschäden aus Unfällen mit den Elektrofahrrädern abfedern – denn mit der Verbreitung der Elektrofahrräder steigt die Zahl der Unfälle stetig.

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Da die Rechtslage in Europa noch recht große Unterschiede aufweist, will die EU-Kommission eine einheitliche Regelung finden. Diese bezieht sich allgemein auf Fahrzeuge – spezifisch aber auch auf E-Bikes. Denn die Kommission weist ausdrücklich darauf hin, dass nicht nur durch Autos, sondern auch durch andere elektrisch betriebene Fahrzeuge wie E-Bikes Unfallgefahr besteht.

E-Bike-Versicherung: Gibt es eine Versicherungspflicht?

Die Wahrheit ist, dass von den knapp 4000 Geschädigten durch E-Bike-Unfälle viele erhebliche Unfallfolgen durch Pedelec und nicht durch die schnelleren S-Pedelecs verursacht wurden. Die bis 45 km/h zugelassenen Elektrofahrräder sind bereits jetzt führerschein- und versicherungspflichtig. Anders sieht es bisher bei den "langsameren" E-Bikes aus.

In Deutschland fallen Modelle, die schneller als 25 Stundenkilometer fahren und deren Motor auch ohne Treten arbeitet, in dieselbe Kategorie wie Mopeds. Sie gelten als Kleinkrafträder und unterliegen deshalb ohnehin schon jetzt der Versicherungspflicht.

Michael Burmann, Versicherungs- und Verkehrsrecht-Experte gegenüber der Süddeutschen

Für die Pedelecs mit gedrosselter Geschwindigkeit sind all diese Vorschriften freiwillig – ob das mit der neuen Regelung so bleibt, das muss sich noch zeigen. Gegen eine entsprechende Verpflichtung laufen die entsprechenden Verbände allerdings Sturm. Von einer Kriminalisierung der E-Biker spricht beispielsweise die "European Cyclists Federation". Möglicherweise befürchtet die so gut laufende Branche auch Umsatzeinbußen, wenn eine solche Hürde auf künftige Fahrer zukommt.

Ein Fahrradsattel von hinten.
Immer mehr E-Bikes sind auf den Straßen unterwegs – somit steigt auch die Zahl der Unfälle. Foto: Shutterstock / allanw

Die wichtigste Versicherung fürs Pedelec: Die Haftpflichtversicherung

"Bei einem Unfall mit Pedelec übernimmt der private Haftpflichtversicherer die Kosten", sagt ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Das klingt einfach und ist es auch – wenn man eine solche Versicherung hat.

Weil diese elektromotor-unterstützten Räder aber nur mit maximal 25 km/h unterwegs sind, stuft der Gesetzgeber sie als normale Fahrräder ein, für die keine besonderen Vorschriften gelten. Das wird dann problematisch, wenn der Fahrer eines Pedelecs einen Unfall hat und keine private Haftpflicht hat. Denn das kann sehr teuer werden. Insbesondere, wenn es um sogenannte "Personenschäden" geht, die oft mit einem langwierigen Heilungsprozess verbunden sind.

Anstatt komplizierte EU-Richtlinien umzusetzen glaubt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, dass der EU-Vorschlag am eigentlichen Problem vorbeigeht. "Viel wichtiger wäre es, die Privathaftpflichtversicherung zur Pflicht zu machen, dann müsste diese Debatte gar nicht geführt werden", erklärte deren Sprecher Peter Grieble.

Diebstahl oder Vandalismus – die Hausratversicherung hilft

Von Unfällen und eventuellen Folgeschäden einmal abgesehen, handelt es sich bei einem E-Bike auch um ein teures Gefährt. Bei durchschnittlichen Preisen von 1700 bis 3500 Euro für ein neues E-Bike machen sich natürlich viele Fahrer Sorgen wegen Diebstahl oder Vandalismus.

Generell gilt, dass E-Bikes, die im häuslichen Einzugsbereich abgestellt und entsprechend gesichert sind, in der Hausratversicherung inbegriffen sind. Das gilt auch für den Diebstahl von Einzelteilen. Bei der Anschaffung eines Elektrofahrrads ist es deshalb gut, den Kauf bei der Hausratversicherung anzumelden und den Versicherungsschutz entsprechend zu erweitern.

Die Hausratversicherung allein ist aber manchmal nicht genug: nämlich genau dann, wenn unterwegs etwas passiert. Diese Lücke im Versicherungsangebot haben zunehmend mehr Versicherer entdeckt und bieten eine spezielle Fahrrad- bzw. E-Bike-Versicherung an.

Was deckt welche E-Bike-Versicherung ab?

  • Leistungen
  • Hausratversicherung
  • Fahrradversicherung
  • Diebstahl
  • Teile-Diebstahl
  • Vandalismus
  • Sturz-/Fallschäden
  • X
  • Materialfehler
  • x
  • Konstruktionsfehler
  • x
  • Verschleiß
  • x
  • Auslandsschutz
  • x

Stand August 2018

Wann ist eine spezielle E-Bike-Versicherung sinnvoll?

Wie bei allen Versicherungen ist es eine Risiko-Nutzen-Abwägung, die über Sinn und Unsinn entscheiden. Pauschal gilt die Empfehlung: Ein teures Fahrrad und ein neues Elektrofahrrad sind die idealen Versicherungsobjekte für spezielle Fahrradversicherungen. Allerdings gilt auch: Je mehr Risiken man ausschließen möchte, desto teurer wird der Schutz.

Wer sich ein Pedelec oder ein hochwertigeres E-Bike anschafft, sollte das nicht nur der Hausratversicherung mitteilen, sondern auch gleich nachfragen, zu welchen Bedingungen das Rad versichert ist. Oft ist es nämlich so, dass Fahrräder nur bis zu einem bestimmten Prozentsatz der gesamten Versicherungssumme mitversichert sind. Dann erhält der Versicherte im Schadensfall nämlich nur eine (vielleicht vergleichsweise) geringe Summe, die den Wert des E-Bikes mitnichten wettmacht.

Bei besonders hochwertigen Rädern kann eine separate Diebstahlversicherung sinnvoll sein, diese erstattet im Zweifelsfall den Gesamtwert des Rades. Insofern muss man auch beim Abschluss einer E-Bike-Versicherung genau nachlesen, welche Erstattungen vorgesehen sind. Dabei sollte man auch darauf achten, ob die Versicherer nur neue oder auch gebrauchte (ältere) E-Bikes schützen.

Ein Fahrradschloss an einem Fahrradreifen.
Leichte Beute: Simple Schlösser lassen sich allzu einfach von Dieben knacken. Foto: Shutterstock / Mitch Shark

Wann ist eine Fahrradversicherung auch auf E-Bikes ausgelegt?

Versicherungsangebote von Fahrradversicherungen sollten speziell auch für Pedelecs und E-Bikes ausgelegt sein. Das lässt sich an folgenden Punkten erkennen, die mitversichert sein sollten:

Elektronikschäden

Bei E-Bike oder Pedelec können Probleme mit der Elektronik richtig teuer werden, eine gute Versicherung ersetzt dafür die Werkstattkosten. Bei Versicherungsabschluss sollten Sie deshalb darauf achten, ob es eine Werkstattbindung gibt. Unter diesem Stichpunkt sind in der Regel auch Akku-Schäden und Akku-Defekte (Akku-Plus) mitversichert.

Feuchtigkeitsschäden

Ein Kurzschluss bei Feuchtigkeit ist fatal und im Regen liegen zu bleiben, besonders unangenehm. Solche Schäden sollten mitversichert sein und die Erstattung der Kosten (möglichst) unabhängig von der Werkstatt-Wahl.

Pick-up Service

Keineswegs ein ungewöhnlicher Luxus: Denn gerade mit E-Bikes fallen die Touren gern mal etwas größer aus. Falls Sie aufgrund eines Defekts mit Ihrem Bike liegen bleiben, übernimmt die Versicherung die Abholkosten nach Hause oder in die nächste Werkstatt.

Im Gegenzug müssen Sie sich mit dem Versicherungsvertrag zu einer gewissen Umsicht verpflichten, nämlich:

  • eine hochwertige Sicherung des E-Bikes, beispielsweise durch ein hochwertiges Schloss
  • eigenverschuldete Schäden oder Diebstähle vermeiden: Beispielsweise hat ein Biker, der sein Rad über Nacht draußen anschließt und den Akku nicht mitnimmt, keinen Anspruch auf Ersatz

Welche Versicherung Sie und Ihr E-Bike am besten schützt

Zahlreiche Online-Portale bieten mit verschiedenen Tests und Rankings einen guten Marktüberblick der Fahrradversicherungen an. Auf folgende Kriterien sollten Sie dabei achten:

  1. Vergleichen Sie das Angebot einer Hausratversicherung mit zusätzlicher Fahrradversicherung gegenüber einer reinen Fahrradversicherung. Je nach Hersteller, Modell, Neuwert und Wohnort fahren Sie damit u.U. günstiger als mit einer speziellen E-Bike-Versicherung
  2. Die wichtigste Frage ist: Was zahlt die Versicherung wirklich? Eines haben alle gemeinsam: Sie erlauben die Absicherung eines Rades bis zu einer Höchstversicherungssumme. Das bedeutet, dass ein Rad nicht unendlich teuer sein darf
  3. Die Höchstversicherungssumme variiert von Anbieter zu Anbieter und richtet sich nach dem jeweiligen Zeitwert, zwischen 499 Euro und bis hin zu 5000 Euro. Das bedeutet auch, je älter das E-Bike wird, desto weniger erstattet die Versicherung, wenn etwas passiert
  4. Die Höchstversicherungssumme sinkt also automatisch. Im Schadensfalle wird der Zeitwert mit dem Preis einer Neuanschaffung abgeglichen. Reparaturkosten sind häufig auf 2.000 € begrenzt
  5. Der Preis einer Fahrradversicherung ist abhängig von unterschiedlichen Faktoren. Dabei legt der Versicherungsnehmer die Höhe der Versicherungssumme selbst fest – wobei es meist eine Obergrenze (zwischen 4000 und 5000 €) gibt. Bei der Beitragsermittlung wird oft noch die Diebstahlsstatistik mit einbezogen: Je öfter in einer Stadt Fahrraddiebstähle passieren, desto höher fällt der jeweilige Versicherungsbeitrag aus
  6. Die zunehmende Zahl an Fahrraddiebstählen veranlasste das Versicherungsportal Getsurance 2017 unterschiedliche Fahrradversicherungen auf den Prüfstand zu stellen. Nach Auswertung zeigte der Test enorme Preisunterschiede. So schnitt beispielsweise der teuerste Tarif in Bezug auf die Leistung mit am schlechtesten ab
  7. Die Stiftung Warentest bzw. Finanztest hat 25 Versicherungsanbieter geprüft. Die getesteten Versicherungen können online oder beim Fahrradhändler abgeschlossen werden. Die Fahrräder teilten sie je nach Wert in vier Kategorien: 500 € (Citybikes), 1500 € (Rennräder), 2500 € (E-Cityrad) und 4000 € (E-Trekkingrad)

Fahrradversicherungen werden in der Regel für ein Jahr abgeschlossen. Günstige Versicherungen sind nicht automatisch weniger leistungsstark. Für ein durchschnittliches City-E-Bike sollten Sie mit einem Jahresbeitrag um 140 € rechnen, hochwertigere Räder kosten entsprechen mehr – ab 300 € pro Jahr.

Updates

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Ein Fahrradfahrer auf einem Radweg in der Mitte der Straße.
Nicht nur der Helm dient der Sicherheit: Eine Versicherung kann im Zweifel finanzielle Sicherheit bieten. Foto: picture alliance / dpa Themendienst

Fazit

Was Sie tatsächlich brauchen, das ist natürlich individuell unterschiedlich. Ein gesundes Preis-Leistungsverhältnis lässt sich auf Online-Vergleichsportalen errechnen. Die private Haftpflicht ist auf jeden Fall eine gute Idee – auch wenn die EU-Verordnung noch nicht in Kraft getreten ist.

Ob die spezielle E-Bike-Versicherung oder der Diebstahlschutz sinnvoll ist, das muss jeder Fahrer für sich entscheiden. Helfen können dabei die Überlegungen, wie hoch die Diebstahlzahlen in der Heimatstadt sind oder wie teuer das eigene Wusch-Bike werden soll.

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