Elektromobilität

Mehr E-Bikes heißt mehr Unfälle – so die Statistik

von Leonie Butz

Mit der Popularität von E-Bikes steigt die Zahl der tödlichen Unfälle von Radfahrern in ganz Deutschland. Auch 2017 ist ein Trend nach oben zu erkennen.

Verschlechtern E-Bikes die Unfall-Statistik?
E-Bikes machen das Radfahren leichter – aber auch gefährlicher? Statistiken sagen ja, das ist aber nicht das ganze Bild. Foto: Unsplash/outerwoodsmedia

Das erfahren Sie gleich:

  • Die Vision: Null Unfall-Tote auf deutschen Straßen
  • Aber die Zahl der Unfälle und tödlichen Unfälle mit E-Bikes steigt
  • Ungeübte Fahrer sollten deshalb ein Fahrsicherheitstraining absolvieren

Vision: Nie wieder ein tödlicher Unfall

Vision Zero. Das ist kein neuer Zombie-Horrorfilm, sondern eine Vision, in der kein Mensch mehr im Verkehr umkommen soll. Die Idee stammt ursprünglich aus Schweden und sollte dort die Arbeitssicherheit gewährleisten. Seit 1997 dient das Modell aber auch als Konzept für einen sicheren Straßenverkehr. Die Vision: Keine Verkehrstoten mehr.

Auf dieser Basis hat sich auch in Deutschland einiges in Sachen Verkehrssicherheit getan: 1976 wurde der Sicherheitsgurt Pflicht, Airbags und Notbremsassistenten sind heute in den meisten Autos Standard, und auch das ABS liefern Autohersteller inzwischen meist serienmäßig. Trotzdem liegt Deutschland damit noch weit hinter Spitzenreiter Schweden: 2016 starben insgesamt 3214 Menschen bei Unfällen in Deutschland. Laut dem Statistischen Bundesamt ist das zwar die niedrigste Zahl seit mehr als 60 Jahren. Aber auch wenn die Zahlen allgemein sinken, gibt es bedenkliche Entwicklungen. So stieg die Anzahl von Toten bei E-Bike-Unfällen drastisch an.

Realität: Mehr tödliche Unfälle durch E-Bikes

Besonders für Senioren über 65 Jahre ist das Risiko eines tödlichen Unfalls mit E-Bikes doppelt so hoch wie beim normalen Fahrrad, heißt es aus der Unfallforschung. Die Zahlen bestätigen diese Prognose: Das Innenministerium in Stuttgart bestätigte gegenüber der dpa, dass 2017 die Zahl der Unfälle mit E-Bikes erneut drastisch gestiegen ist. Waren es 2016 noch 878 Unfälle im Südwesten des Landes, so stieg die Zahl 2017 auf 1096. Und auch die schweren Verletzungen durch E-Bike-Unfälle stieg leicht an. 2016 gab es 259 schwer Verletzte, 2017 waren es 303. Bei den leichten Verletzungen nahm die Zahl um mehr als 100 Fälle zu – von 507 auf 665 im vergangenen Jahr.

Und auch die Unfall-Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen diesen Trend. 2016 war jeder 62. Pedelec-Unfall tödlich – bei normalen Fahrrädern war dies nur bei jedem 234. Unfall so. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung der tödlichen E-Bike-Unfälle um 39 Prozent. Das soll nicht bedeuten, so die Unfallforscher, dass das E-Bike generell unfallträchtiger ist – kommt es aber zu einem Unfall, endet dieser schneller tödlich als bei einem normalen Fahrrad. Dies liegt vor allem an höheren Geschwindigkeiten der Räder sowie am abweichenden Anfahr- und Bremsverhalten. Fahrsicherheitstrainings, vor allem für ältere Verkehrsteilnehmer, bieten einige Bundesländer gemeinsam mit Verkehrs-Institutionen wie dem Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (Bundesverband) e.V. (ADFC) zwar an, das Interesse daran ist jedoch gering bis nicht vorhanden.

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Laut dem Zweiradindustrieverband (ZIV) sind derzeit über drei Millionen E-Bikes auf deutschen Straßen unterwegs, das sind mehr als 15 Prozent aller Fahrräder.

Realität: Mehr tödliche Unfälle durch E-Bikes
Besonders ungeübte Fahrer sollten bei den ersten Erfahrungen mit E-Bikes nicht auf ein Fahrsicherheitstraining verzichten. Foto: Unsplash/petkovski

Mehr alkoholbedingte Unfälle

Und auch die Zahl der Verletzten durch Unfälle mit alkoholisierten Fahrern ist 2016 um ein Drittel gestiegen. Nach dem Motto „ich kann nicht mehr Autofahren, also steige ich aufs Elektrofahrrad“, setzen sich viele nach dem Feierabendbier lieber auf ihre E-Bikes. Bei bis zu 25 km/h ist dies im betrunkenen Zustand jedoch keine sichere Alternative – auch wenn es laut Gesetz erlaubt ist, mit bis zu 1,5 Promille auf das Elektrofahrrad zu steigen. Das gilt allerdings nur, solange der Fahrer dabei nicht mit Fehlern oder Übertretungen auffällt. Und es gilt auch nicht für die schnellen Pedelecs, die bis zu 45 km/h erreichen können. Bei ihnen zählt, wie auch beim Auto, 0,3 Promille als Grenze.

Die Zahl der Unfälle und der Toten auf deutschen Straßen ist eng damit verbunden, dass sich mit E-Bikes auch diejenigen auf den Drahtwesel schwingen, die zuvor nicht die körperlichen Möglichkeiten hatten – etwa alte oder kranke Menschen. Von 2015 auf 2016 verzeichnete der Markt einen Anstieg der Verkaufszahlen um 13 Prozent von 535.000 auf 605.000. Laut dem Zweiradindustrieverband (ZIV) sind derzeit über drei Millionen E-Bikes auf deutschen Straßen unterwegs, das sind mehr als 15 Prozent aller Fahrräder. Bei einem so drastischen Anstieg der Elektrofahrräder ist ein erhöhtes Unfallaufkommen nicht ungewöhnlich. Trotzdem gilt besonders für ungeübte Fahrer: Erst auf unbefahrenen Wegen testen, bevor es in den Straßenverkehr geht. Wer sich unsicher fühlt, sollte zusätzlich ein Fahrsicherheitstraining absolvieren und nicht auf den Helm verzichten.

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