Leben

Verpflichtende Solaranlage für Neubauten in Kalifornien ab 2020

von
Carola Franzke

Ein neues Gesetz schreibt vor, dass ab 2020 jedes neue Haus in Kalifornien mit Solarzellen auf dem Dach ausgestattet werden muss. Das gab es so noch nie!

Ein Cottage mit Solarpanels auf dem Dach in Los Angeles.
Wie hier in Los Angeles muss bald jeder Neubau in Kalifornien aussehen. Foto: Shutterstock / divanov

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sieht das Gesetz für verpflichtende Solaranlagen in Kalifornien aus?
  • Gibt es Ausnahmen bei demSolarenergie-Gesetz?
  • Sind im "Golden State"Solarzellen auf jedem Dach realistisch?

Kalifornien will Solarzellen auf jedem Dach

Der US-Bundesstaat an der amerikanischen Westküste gilt schon lange als Vorreiter in Sachen Umweltschutz. Nun geht der „Golden State“ noch einen großen Schritt weiter. Das neue Solarpanel-Gesetz sieht unter anderem vor, dass Hausbauer die Dächer von Neubauten mit Solarzellen zur Eigenversorgung versehen müssen.

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Die neuen Energieeffizienz-Vorgaben, die die kalifornische Energiekommission verabschiedet haben, muss die Baubehörde jedoch noch bestätigt. Eine positive Entscheidung wird bis Ende 2018 erwartet, und das Gesetz könnte dann zum 1. Januar 2020 in Kraft treten.

Ähnliche Vorstöße gibt es zwar hier und da in einzelnen Städten, aber noch nirgends flächendeckend in solcher Dimension. Der „Golden State“ wird immer mehr zum „Solar State“ – und macht das Leben seiner Bewohner so nachhaltiger.

Solarenergie und Energieeffizienz im Golden State

Schon jetzt lautet das Energieziel in Kalifornien, dass Energieformen ohne Kohlendioxid-Emissionen bis 2030 mindestens 50 Prozent der Versorgung ausmachen müssen. Mit anderen Worten, erneuerbare Energie.

Der Vorstoß der Energiekommission, dass auf jedem neuen Haus oder Apartmentgebäude Solarzellen verpflichtend eingeplant werden sollen, ist als historisch zu bezeichnen. Eine Modellberechnung der Behörde kommt zu dem Schluss, dass eine Umsetzung des Solarpanel-Gesetzes zu einer deutlichen Minderung der Treibhausgase führen wird: Die Emissionen würden sich im selben Maß verringern, wenn man 115.000 Autos mit Verbrennungsmotor aus dem Verkehr ziehen würde.

Die neuen Energieeffizienz-Vorgaben beschränken sich aber nicht nur auf Solarpanels für die Dächer von Neubauten, sondern gehen noch einige Schritte weiter. Planer und Bauherren sind dazu aufgefordert, bedarfsgesteuerte Technologien zu verwenden, wie Energiespeicher für zu viel produzierten Strom und Warmwasser-Wärmepumpen.

Auch von besserer Isolierung und intelligenten Belüftungskonzepten ist die Rede – wohl vor allem, um Klimaanlagen überflüssig zu machen. Was in unseren Breitengraden in Wohnhäusern nicht üblich ist, sieht bisher im sonnigen Kalifornien noch anders aus. Und bei bestehenden öffentlichen oder Geschäftsgebäuden soll die Umrüstung auf energiesparende Beleuchtung vorgeschrieben werden.

Alle neuen Häuser? Fast.

Das historisch einmalige Solarpanel-Gesetz soll aber auch sinnvolle Ausnahmen erlauben. So ist es vor allem für Einzelhäuser und Apartmenthäuser bis zu drei Stockwerken gedacht. Schließlich wird die Dachfläche nicht größer, wenn das Haus höher ist. Ebenfalls erlaubt ist der Anschluss mehrerer Neubauten an einen eigenen Solarpark, sollte es beispielsweise architektonisch nicht ins Bild passen. Ausnahmen gibt es auch für Gebäude in Schattenlagen.

Eine Baustelle in Kalifornien – neben historischen Häusern.
Passen die Solarzellen auf dem Dach nicht ins Bild, ist auch ein Solarpark als Alternative denkbar. Foto: Shutterstock/pikappa51

Kritiker der Gesetzesvorlage befürchten vor allem steigende Preise für Häuser im ohnehin angespannten Immobilienmarkt. Schon jetzt ist der Kauf eines Hauses im Golden State etwas für Gutbetuchte – so werden Trends wie das Wohnen im „Wohnheim“ befeuert. Die Befürworter halten dagegen, dass sich die langfristigen Vorteile durch geringere Energiekosten besonders bei Neubauten bezahlt machen. Die nachträgliche Umrüstung hingegen ist oft teuer und weniger effizient, weil etwa die Isolierung des Hauses nicht ausreicht.

Umweltschutz wird großgeschrieben

Das Thema Umweltschutz spielt in Kalifornien schon lange eine wichtige Rolle. So verbot der Bundesstaat 2016 die dünnen, kostenlosen Plastiktüten, die sonst überall in Supermärkten, Apotheken und anderen Geschäften zu haben waren, um die Meere zu schützen. Die Vorlage wurde schon 2014 verabschiedet, das Gesetz trat dann allerdings erst 2016 in Kraft.

Die Grenzwerte für Abgasemissionen werden streng überwacht vom California Air Resources Board (CARB), das bereits Mitte der Sechzigerjahre die ersten Grenzwerte festgelegt hat. Dies war eine Reaktion auf die bis dahin chronische Smogwolke über Ballungszentren wie Los Angeles und San Francisco.

Heute ist die Dichte an Elektrofahrzeugen in Kalifornien hoch. Einerseits wird die Anschaffung subventioniert. Andererseits gehört es auch in prominenten Kreisen zum guten Ton, sich für die Umwelt zu engagieren oder wenigstens ein Hybrid- oder Elektroauto zu fahren. 2015 wurde jedes zweite in den USA verkaufte Elektroauto in Kalifornien zugelassen – und die Sonderrechte der E-Autos werden hier mit harter Hand verteidigt. Passend dazu wird nirgends in den USA die Versorgung mit Ökostrom so vorangetrieben wie an der amerikanischen Westküste.

Hier wird es funktionieren

Kalifornien geht es wirtschaftlich gut, die Wirtschaft wächst im US-Vergleich überdurchschnittlich. Dabei hat der Bundesstaat etwas Bemerkenswertes geschafft: Normalerweise bedeutet wachsender Wohlstand auch wachsende Kohlendioxid-Emissionen. Denn die guten Einkommen verleiten dazu, größere Autos und mehr Wege zu fahren, mehr zu reisen, mehr Strom zu verbrauchen, und so weiter.

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Kalifornien hat es jedoch in den letzten zwei Dekaden geschafft, dieses Verhältnis zu entkoppeln. Hier wächst die Wirtschaft, während die Kohlendioxid-Emissionen sinken. Kalifornien ist der Bundesstaat, der sich so ein Solarpanel-Gesetz leisten kann, und die Kalifornier werden mitmachen.

Auch hierzulande hängen Elektromobilität und Solaranlagen auf den Dächern eng zusammen – sie befördern sich gegenseitig.

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