Leben

Verkehrsüberwachung: Leihräder sammeln Bewegungsdaten

von Paul Bandelin

Leihräder und Big Data sollen bei der Verkehrsplanung helfen: Der Anbieter Lime teilt Bewegungsprofile mit Behörden. Aber was ist mit dem Datenschutz?

Eine Frau fährt auf einem LimeBike durch San Francisco.
Per App sollen Kunden von LimeBike innerhalb kürzester Zeit an ein Leihrad im näheren Umfeld kommen. Die anfallenden Daten gibt das Unternehmen weiter. Foto: Lime/Tim Mena

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Daten das Start-up Lime erfasst mit seinen Leihfahrrädern erfasst
  • Wie diese Daten bei der Verbesserung der Infrastruktur helfen sollen
  • Welche Risiken Experten für den Datenschutz sehen

Wer immer einen Anbieter von Leihrädern fragt, wohin die meisten seiner Kunden fahren und welche die beliebtesten Ziele sind, wird sicherlich eine Aufzählung mit den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung als Antwort bekommen. Ob das der Realität entspricht, lässt sich in der Regel nicht prüfen.

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Das US-amerikanische Start-up Lime, das für seine Leihräder und -scooter bekannt ist, hat vor gut einem Jahr damit begonnen, die Bewegungsdaten der Räder zu erfassen und zu analysieren.

Streckenanalyse mithilfe von Big Data

In South Bend, Indiana, läuft ein Programm von Lime: Es erfasst, wann und wo Einwohner und Touristen Fahrräder über die mobile App anmieten und später wieder abstellen.

Diese Überwachung ist möglich, weil die Räder des Start-ups an keine festen Dockingstationen gebunden sind, sondern ein eingebauter GPS-Chip sie permanent trackt. Mithilfe der Technik kann Lime in Echtzeit nachvollziehen, wann sich die Fahrräder wo befinden, um im Anschluss die getätigte Fahrt auf Basis der gewonnenen Daten zu analysieren.

Seit Januar 2017 gibt es die Leihräder ohne Dockingstation in den USA – mittlerweile in 88 Städten. Auch in Europa hat das Unternehmen bereits Fuß gefasst und ist in Berlin, Frankfurt, Zürich, Madrid sowie Paris vertreten.

South Bend bat als eine der ersten Städte weltweit um die Daten der Räder, woraufhin Lime grünes Licht gab. Anfang 2018 starteten die Kalifornier dann das Programm. Es speichert, wer ein Fahrrad wann und wo gemietet hat und wohin die Person unterwegs war.

Der Clou: Mithilfe dieser Daten entstehen Bewegungsmuster – und es lässt sich herausfinden, wo neue Fahrradwege notwendig sind. Das Programm erlaubt auch Rückschlüsse, welche Wege eine besondere Sicherung benötigen. Schließlich finden auch Unfälle und andere Zwischenfälle ihren Weg ins System.

Vor einigen Monaten nutzte die Stadt die Daten, um herauszufinden, wo die Mieter die Räder bevorzugt abstellen. Diese Stellen bekamen dann eine Markierung, um weitere Radfahrer zu ermutigen, ihre Räder dort zu parken und so zentrale Anlaufpunkte zu erschaffen.

Datenschutzexperten haben Einwände

Datenschutzexperten sehen die Aufzeichnung der Fahrtwege kritisch, zumal Kunden die Möglichkeit haben, mit den Rädern bis direkt vor ihr Haus zu fahren. Sollte sich jemand in das System hacken, käme er somit ganz einfach an die Adresse des Betreffenden.

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Darüber hinaus könnte er herausfinden, auf welchen Strecken die Person häufig unterwegs war; Wege zu einem bestimmten Facharzt könnten Rückschlüsse auf Krankheiten erlauben. Solche Daten gehören nicht in fremde Hände.

Davon will Lime jedoch nichts wissen und verweist darauf, lediglich ein guter Partner sein zu wollen. „Wir glauben, dass dieser Informationsaustausch notwendig ist, um eine starke Vertrauensbasis mit den Städten aufzubauen“, entgegnete Limes Pressesprecherin Emily Warren auf die kritischen Stimmen.

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