Technik

Verkehrstechnik in UK: Verkehrsschilder gegen Handys am Steuer

von
Carola Franzke

Smarte Verkehrstechnik: Ein Pilotprojekt mit intelligenten Verkehrsschildern warnt gezielt Autofahrer, die mit dem Handy am Steuer unterwegs sind.

Ein Mann sitzt am Steuer und tippt auf dem Handy.
Handy am Steuer: Das ist nicht nur verboten, sondern auch gefährlich. Kann ein Verkehrsschild das Problem in den Griff bekommen? Foto: Shutterstock / VAlekStudio

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Experten die neue Verkehrstechnik begrüßen
  • Weshalb intelligente Versschilder nur ein erster Schritt für mehr Sicherheit sind
  • Wie zukünftig auch die Nummernschilder von Handynutzern am Steuer registriert werden könnten

Schilder, die ein Warnsymbol für "Kein Handy am Steuer" zeigen, sobald sie ein Mobiltelefon in Benutzung registrieren. Eine solche Technik testet das englische Norfolk, eine Grafschaft im Osten des Landes, seit Juli 2018. Die intelligenten Verkehrsschilder sind ein Pilotprojekt, das momentan auf vier Stellen reduziert ist. Noch im August wollen die Tester die Schilder aber auch an anderen Straßen aufstellen.

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Die intelligenten Verkehrsschilder sind mit gerichteten Antennen ausgestattet und können so die Funkwellen einer bestehenden Telefonverbindung auffangen. Westcotec, der Hersteller der Schilder, gibt an, dass die Technik auch in der Lage ist, gleichzeitig aktive Bluetooth-Verbindungen zu registrieren. Wer also mutmaßlich über ein Bluetooth-Headset oder eine Freisprecheinrichtung telefoniert, dem zeigt das System das Warnsymbol nicht an. Bleibt noch die Frage, wie es mit einem telefonierenden Beifahrer aussieht ...

Experten begrüßen die neue Verkehrstechnik

Viele Verkehrsexperten begrüßen solche Ideen für moderne Verkehrstechnik, denn die Benutzung des Handys oder Smartphones am Steuer ist eine häufige Unfallursache, nicht nur in Großbritannien.

Gegenüber BBC News betonte Peter Williams, ein Sprecher des RAC (Royal Automobile Club):

Sicher kann so ein Verkehrsschild nicht die normalen Polizeikontrollen ersetzen. Aber die zielgerichteten Warnungen könnten Autofahrer zum Umdenken animieren, und das wäre ein Schritt in die richtige Richtung.

Peter Williams, Sprecher des RAC

Auch die örtliche Polizei in Norfolk begrüßt den Versuch: "Jede Maßnahme, die dieses gefährliche Verhalten verhindert, ist unterstützenswert", so die Polizei gegenüber BBC. Solange es keine Videoüberwachung wie bei Minority Report gibt, mag sich da der Datenschützer denken – aber dazu später mehr.

Intelligente Verkehrsschilder – ein erster Schritt

Es ist zwar eigentlich jedem klar, dass man beim Autofahren die Finger vom Telefon lassen sollte. Trotzdem tut es fast jeder irgendwann mal. Eine anonyme Befragung in Großbritannien ergab, dass mehr als jeder vierte Autofahrer regelmäßig das Smartphone bedient – entweder um zu telefonieren, oder um Nachrichten zu lesen und zu versenden.

Chris Spinks, Sales und Marketing-Manager bei Westcotec und ehemaliger Chief Inspector der Verkehrspolizei in Norfolk ist überzeugt, dass viele Menschen aus Gewohnheit hinter dem Steuer zum Smartphone greifen. Er hoffe, so Spinks gegenüber BBC, dass ein gezielter Hinweis Handynutzer aufrüttelt – und ihnen zeigt, dass sie "erwischt" wurden.

Wie in Deutschland ist die Benutzung des Handys am Steuer verboten – es sei denn, man telefoniert freihändig mit einer Freisprecheinrichtung. Die Strafen liegen bei Bußgeldern ab 230 Euro mit Punkten in Swansea – sozusagen das britische "Flensburg". Bei schlimmeren Fällen werden Fahrverbote ausgesprochen und Bußgelder im vierstelligen Bereich fällig.

Handy am Steuer: Nummernschild der Nutzer erfassen?

Noch ist die Technik des intelligenten Verkehrsschildes nicht völlig ausgereift, denn es unterscheidet nicht, ob auf dem Fahrer- oder Beifahrersitz telefoniert wird. Auch schlägt es keinen Alarm, wenn jemand die mobile Internetverbindung nutzt – ob nun für schriftliche Nachrichten, Social Media-Aktivitäten oder Anrufe aus einer der vielen verfügbaren Messenger-Apps.

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Bisher ist – sicherlich auch auf Grund der möglichen Fehlalarme – die Anzeige des Warnhinweises alles, was passiert. Wer sich das Portfolio von Westcotec ansieht, findet auch ANPR-Anlagen: Also Geräte zur Nummernschilderfassung (Automatic Number Plate Recognition). Da wundert es nicht, dass die Behörden in Norfolk eine Erfassung der Autos als "zukünftige Weiterentwicklung" nicht ausschließt.

Grundsätzlich ist diese Idee natürlich löblich, trotzdem bleiben Fragen rund um den Datenschutz beim Sammeln von Kennzeichen-Informationen ungeklärt – wie etwa bei der Nummernschild-Überwachung in den USA.

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