Elektromobilität

E-Bikes: Pedelec vs. S-Pedelec – Geschwindigkeiten und Pflichten

von Hannes Rügheimer

Die Geschwindigkeit bei E-Bikes und S-Pedelecs kann durchaus höher ausfallen. Allerdings gibt es technische und rechtliche Grenzen zwischen 25 und 45 km/h.

Ein E-Bike vor rotem Hintergrund.
Die Geschwindigkeiten von E-Bikes sind nicht nur von der Technik selbst abhängig – sondern auch von rechtlichen Regelungen. Foto: Audi

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie der Geschwindigkeitsvergleich zwischen E-Bikes und S-Pedelecs ausfällt
  • Welche Unterschiede es bei den beiden Elektrofahrrädern sonst noch gibt
  • Wie das E-Bike zum S-Pedelec wird – und warum das Tuning Risiken birgt

Das Erlebnis ist gigantisch: Was es fürs Fahrradfahren bedeutet, wenn der E-Bike-Motor, die sogenannte Drive Unit, die eigene Tretleistung mit Unterstützungsfaktoren zwischen typischerweise 40 Prozent und 250 Prozent unterfüttert – das muss ein Radfahrer selbst erlebt haben.

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Und das ist nur einer der Vorteile eines E-Bikes. Mit dem richtig gewählten Fahrmodus werden selbst steile Anstiege zur Spazierfahrt, und auch bei weniger trainierter Kondition lassen sich erheblich längere Strecken auf dem Fahrrad zurücklegen.

Und wenn keine Steigung bremst, kann die motorisch verstärkte Tretleistung das Rad auch auf deutlich höhere Geschwindigkeiten beschleunigen als es auf einem normalen Fahrrad ohne Motor möglich wäre.

Damit ein Zweirad als Pedelec gilt, darf der Motor aber nur unterstützend eingreifen. "Gasgeben" mit einem Drehgriff oder anderen Bedienelementen ist nicht erlaubt. Aus technischer Sicht darf die Dauerleistung des Motors außerdem nicht mehr als 250 Watt betragen. Alles darüber und bis 45 km/h ist ein S-Pedelec.

Pedelec und S-Pedelec: Geschwindigkeiten im Vergleich

Handelsübliche Pedelecs regeln ihre Motorunterstützung bei 25 km/h ab. Das heißt zwar nicht, dass man mit ihnen nicht auch noch um einiges schneller fahren könnte – doch die dafür aufgewendete Energie muss dann allein aus den Muskeln des Fahrers kommen. Wer nicht gerade trainierter Rennradfahrer ist, wird hier relativ schnell an natürliche Grenzen stoßen – nicht zuletzt dank des deutlich höheren Gewichts der E-Bikes im Vergleich zu einem normalen Fahrrad.

Der Grund für die Begrenzung auf 25 km/h ist im Wesentlichen ein juristischer: Elektrofahrräder, die mit motorischer Unterstützung höhere Geschwindigkeiten als 25 km/h erreichen können, sind keine Pedelecs mehr, sondern gelten als „Speed-Pedelecs" oder kurz S-Pedelecs.

S-Pedelecs unterliegen ihrerseits der Geschwindigkeitsgrenze von maximal 45 km/h. Zweiräder, die mit ihrer Motorleistung auch diese Grenze übersteigen, sind aus juristischer Sicht Elektro-Motorräder mit wiederum eigenen Anforderungen und Vorschriften. Die Geschwindigkeiten sind also der entscheidende Faktor, um die Elektromobilität auf zwei Rädern einigermaßen einzuordnen.

Die wichtigsten Unterschied: Was Pedelecs von S-Pedelecs unterscheidet

Normale Elektrofahrräder (bis 25 km/h) behandelt der Gesetzgeber nicht anders als ein normales Fahrrad – es gilt kein Mindestalter und es wird kein Führerschein verlangt. Bei S-Pedelecs sieht die Situation dagegen anders aus: Wer so ein Gefährt für die Geschwindigkeitsklasse bis 45 km/h nutzt, braucht dafür einen Führerschein (Klasse AM – Fahrerlaubnis für ein Kleinkraftrad; in den Führerscheinklassen A1, A2, A, B oder T ist diese Fahrerlaubnis enthalten).

E-Bikes und S-Pedelecs: Unterschiede auf einen Blick

  • Geschwindigkeit
  • Führerscheinpflicht
  • Helmpflicht
  • Mindestalter
  • Versicherungspflicht
  • E-Bike
  • 25 km/h
  • nein
  • nein
  • nein
  • nein
  • S‑Pedelec
  • 45 km/h
  • ja
  • ja
  • 16
  • ja; inkl. Versicherungs­kennzeichen

Dass hier höhere Anforderungen gelten, ist kein Wunder – schließlich gilt ja schon für ein Mofa eine Begrenzung der technisch möglichen Höchstgeschwindigkeit auf 25 km/h.

Für ein S-Pedelec muss eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden, was der Halter mit einem Versicherungskennzeichen (umgangssprachlich: Mofa-Kennzeichen) nachweisen muss. Für die Anmeldung muss der Halter zudem eine Betriebserlaubnis mit eingetragener Reifengröße vorlegen. Außerdem besteht im Gegensatz zu konventionellem Fahrrad und Pedelec Helmpflicht.

S-Pedelecs müssen überdies einen ganzen Katalog an Ausstattungs-Vorschriften erfüllen, die für Pedelecs nicht gelten – Rückspiegel, zwei unabhängige Bremsen, eine Hupe (im Verkehrsjuristen-Deutsch „eine elektrische Einrichtung für Schaltzeichen"), ein Bremslicht sowie eine fest montierte Lichtanlage, die sich automatisch einschaltet, sobald der Motor aktiviert wird. Bei einem Reifenwechsel dürfen nur genehmigte Reifentypen verwendet werden, und wie bei anderen Kraftfahrzeugen ist eine Profiltiefe von mindestens einem Millimeter vorgeschrieben.

Des weiteren sind etwa Kinderanhänger oder Kinder-Fahrradsitze auf einem S-Pedelec nicht erlaubt. S-Pedelecs dürfen keine Radwege nutzen, Einbahnstraßen dürfen nicht entgegen der Fahrtrichtung befahren werden, und die Mitnahme in Bussen oder Bahnen ist je nach Verkehrsträger recht unterschiedlich geregelt, kann aber deutlich von der Handhabung bei herkömmlichen Fahrrädern oder normalen Pedelecs abweichen.

Schnell wird also klar: Die höhere Leistung von S-Pedelecs hat einen rechtlich nicht zu unterschätzenden Preis.

Vom E-Bike zum S-Pedelec: Tuning beim Elektrofahrrad

Wird das Elektrofahrrad durch eine technische Manipulation (Tuning) zum S-Pedelec, gelten für das Fahrrad die Bedingungen, die für alle S-Pedelecs gelten. Erwischt die Polizei den Fahrer im öffentlichen Straßenverkehr – etwa im Rahmen einer Verkehrskontrolle – fährt er ohne Versicherungsschutz, gegebenenfalls sogar ohne Führerschein.

Wer die oben beschriebenen verpflichtenden Ausstattungen nicht nachrüstet, sieht sich hier zusätzlich mit einer Unterlassung konfrontiert. Da drohen schnell hohe Geldstrafen und im Extremfall sogar eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr.

Noch schlimmer wird es, wenn der Fahrer in einen Unfall verwickelt ist. Hier ist es auch irrelevant, ob der Fahrer unschuldig an dem Unfall ist oder nicht. Bedenken sollten Fahrer zudem, dass eine Leistungssteigerung unabhängig von der rechtlichen Seite auch konstruktiv nicht vorgesehene Belastungen etwa der Bremsanlage, der Schaltung und/oder der Antriebskomponenten verursacht.

Aber auch beim Umbau vom normalen Fahrrad zum E-Bike gibt es einige Dinge zu beachten – schließlich will sich nicht jeder ein neues Elektrofahrrad kaufen, wenn er doch ein funktionstüchtiges altes Rad im Keller hat.

Um das E-Bike grundsätzlich sicherer zu machen – auch bei hohen Geschwindigkeiten –, hat Bosch ein ABS-System fürs Elektrofahrrad entwickelt. Wie beim Auto soll so das System nicht blockieren, wenn der Fahrer auf dem Rad eine Vollbremsung macht.

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