Leben

VanLife: Die Hippies der Neuzeit leben im Campingbus

von Daniela Pemöller

Ein Trend erobert Instagram: Unter dem Hashtag #vanlife lassen Aussteiger ihre Follower an ihrem freien Leben im Campingbus teilhaben.

Ein Campingbus vor einem See, links und rechts stehen ein paar Bäume.
Mit dem Campingbus die Welt bereisen und die Bilder davon bei Instagram oder im eigenen Blog teilen: Der junge Künstler Foster Huntington lebt diesen Traum von Freiheit. Foto: Unsplash/Alvin Engler

Das erfahren Sie gleich:

  • Was sich hinter dem Phänomen VanLife verbirgt
  • Wie Foster Huntington die VanLife-Bewegung startete
  • Warum Star-Fotograf Ed Caraeffs im Campingbus lebt

VanLife als Lebenseinstellung

Es geht um Entschleunigung. Und darum, sich einzulassen. Auf die Natur, fremde Menschen und auf Unerwartetes. Kurzum: VanLife ist nicht nur ein Trend, sondern eine Lebenseinstellung. Die sogenannten VanLifer sind meist 20 bis 30 Jahre jung und haben all ihre Besitztümer gegen einen Campingbus eingetauscht, mit dem sie durchs Land kurven.

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Über dieses freie, Abenteuer erfüllte Leben berichten sie mit Hochglanz-Fotos auf Blogs und Instagram-Beiträgen. Auch in Deutschland ist der VanLife-Trend längst angekommen. Immer mehr Aussteiger berichten hier über ihr Nomadenleben. Es gibt sogar mittlerweile ein VanLife-Magazin.

Dabei ist das Phänomen nicht neu. Der Mensch war zunächst Nomade und wurde später erst sesshaft, in dem er Acker bestellte. Diese Art des Lebens steckt also tief in unseren Genen. Zuerst tourten wir zu Fuß, später auf dem Rücken der Pferde und seit gut 125 Jahren nun mit dem Auto von Ort zu Ort.

Foster Huntingtons Hashtag geht um die Welt

VanLife, wie wir es heute kennen, hat der Amerikaner Foster Huntington begründet, indem er einfach den Hashtag #vanlife erfand. Sein Motto: "Home is where you park it."

Innerhalb kürzester Zeit folgten dem jungen Künstler tausende Menschen auf seinen Social Media Kanälen. Doch als der damals 23jährige Aussteiger Huntington sich im Juli 2011 seines gut bezahlten Jobs bei Modedesigner Ralph Lauren in New York entledigte, um die Welt in seinem VW T3 Synchro von 1987 zu erkunden und seine Fotos bei Instagram zu posten, waren damals viele skeptisch, erzählt der VanLife-Gründer rückblickend in Interviews.

Auch weil Instagram damals noch in den Kinderschuhen steckte und gerade mal ein bis zehn Millionen aktive Nutzer zählte – heute sind es um die 700 Millionen. Foster Huntingtons großartige Fotos von einsamen Standorten und berauschender Natur beeindruckten aber viele Nutzer und fanden schnell Nachahmer.

Dabei ist der Lebensstil nicht immer günstig. Huntington berichtet, dass er irgendwann seinen VW T3 Synchro gegen einen Toyota Tacoma tauschen musste. Denn mit 2500 Dollar Reparaturkosten pro Monat (etwa 2000 Euro) war der Bulli einfach zu teuer.

Nach drei Jahren hatte Foster Huntington genug vom Leben hinter dem Steuer. Mittlerweile hat er zwei Fotobücher über Aussteiger veröffentlicht und wohnt in einem Baumhaus am Pazifischen Nordwesten. Der Hashtag "Van Life" wurde bis jetzt übrigens mehr als zwei Millionen Mal bei Instagram gepostet.

Star-Fotograf Ed Caraeffs im Campingbus

Gar nicht mehr jung, aber dafür umso berühmter ist VanLifer Ed Caraeffs. Seine Fotos von Jimi Hendrix und der brennenden Gitarre sind legendär und erschienen gleich zwei Mal auf dem Titel des Rolling Stone Magazin. Er war 17 Jahre alt, als er seine Karriere als Musik-Fotograf begann. 14 Jahre lang fotografierte er absolute Größen der Musikindustrie – zum Beispiel The Doors, Eric Clapton, Dolly Parton, Iggy Pop, Elton John und Bob Dylan.

Vor fast drei Jahren verkaufte Ed nun sein Foto-Archiv und das Haus in Santa Monica, um mit einem VW T3 von 1990, den er liebevoll „Mondstrahl“ taufte, Amerika zu bereisen

Dem Athleisure Magazin erklärte er die Entscheidung so: „Ich habe früh angefangen zu arbeiten, da war ich noch in der Schule.“ Eine Auszeit, wie andere sie nach dem Abi machen, habe er nie gehabt.

Als Ed Caraeffs dann 2012 in nur einer Woche zwei langjährige, gute Freunde zu Grabe tragen musste, ging das Grübeln los. Gleichzeitig erfuhr er von seinen beiden Kindern, dass er Großvater würde.

Ed begann, seine „Bucket List“ zu schreiben – also die Dinge aufzulisten, die er vor seinem Tod noch machen wollte. „Da tauchte ganz weit oben die Auszeit auf.“ Lockeres Herumreisen ohne Ziel, im Campingbus schlafen und viel Freizeit genießen – das war sein Traum.

Trotz alledem brauchte er ein Jahr, um sicher zu gehen, dass er es wirklich machen wollte. Eineinhalb weitere Jahre habe er gebraucht, um ein neues Zuhause für seine geliebten Haustiere zu finden und um alle Habseligkeiten los zu werden. Am 15. Juni 2015 brach Ed dann auf mit seinem VW Westfalia. Den Bus hatte ihm einer seiner Söhne bei Ebay ersteigert.

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Mittlerweile ist er mehr als 50.000 Meilen gefahren – immer der Sonne hinterher. Was für ein VanLife...

Nachhaltigkeit und Minimalismus sind längst ein wichtiger Aspekt bei Instagram: Fair Fashion etwa verbindet Umweltschutz mit guten Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter.

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