Leben

Usalama: Sicherheitsapp schützt Menschen in Kenia

von
Carola Franzke

Einsame Gegenden, überlasteter Notruf: Ein Start-up aus Kenia hat die Sicherheitsapp Usalama erfunden, damit Menschen im Notfall trotzdem Hilfe finden.

Skyline von Nairobi mit Wolkenkratzern
Stadt mit zwei Gesichtern: In Nairobi wechseln sich moderne Viertel und alte, marode Stadtteile ab Foto: Shutterstock / Natalia Pushchina

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Sicherheitsapp eines Start-ups aus Nairobi funktioniert
  • Warum das Smartphone in vielen Gegenden zuverlässiger ist als der offizielle Notruf
  • Warum die Infrastruktur in Kenia trotz der guten Wirtschaft verbesserungswürdig ist

Im Notfall schüttelt der User das Handy oder hält die Lautstärketaste nach unten gedrückt. Eine App auf dem Smartphone ersetzt in der kenianischen Hauptstadt Nairobi das, was andernorts Polizei und Notruf übernehmen. Die App heißt „Usalama“. Das ist suaheli für „Sicherheit“.

Lesen Sie auch

Ladestation

aio-Empfehlung

Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

Löst ein Nutzer über die App einen Notruf aus, informiert das System die gespeicherten Kontaktpersonen. Sie erhalten eine Meldung mit Namen und Telefonnummer des Notrufenden und die App informiert sie über den genauen Aufenthaltsort mit GPS-Daten.

Die kenianische App geht über die Funktionen von deutschen Apps wie Glympse oder Pathshare) hinaus: Gleichzeitig geht diese Meldung nämlich auch an die Zentrale von Usalama, die dann registrierte Serviceanbieter informiert – dazu gehören private Sicherheitsdienste und Krankentransporte.

„Wir konzentrieren uns auf vier Arten von Notfall: Medizinische Notfälle, Sicherheitseinsätze, Verkehrsunfälle und Hilfe für Opfer von sexueller Gewalt“, beschreibt Edwin Inganji, Mitgründer von Usalama seine App. Ein Überfall, bei dem Edwin Inganji 2012 selbst zum Opfer wurde, hatte ihn zur Gründung der Hilfsplattform inspiriert.

Gruppenfoto der Usalama-Gründer James Chege, Edwin Inganji und Marvin Makau
Die Gründer von Usalama: James Chege, Edwin Inganji, Marvin Makau (von links). Foto: Usalama Technology

Infrastruktur in Kenia verbesserungswürdig

Kenia geht es eigentlich gut. Seit vielen Jahren wächst die Wirtschaft stabil, das Land ist dank fünf Überseekabeln global vernetzt und in der Digitalisierung angekommen. Somit ist die Republik auch für ausländische Investoren attraktiv. Trotzdem ist die öffentliche Infrastruktur in vielen Bereichen immer noch weit von dem entfernt, was man aus westlichen und europäischen Ländern kennt.

Das öffentliche Notrufsystem ist vernachlässigt worden und im Prinzip ohne Funktion. Wenn überhaupt Hilfe kommt, dann zu langsam.

Usalama-Mitgründer Edwin Ingenij

Es gibt zwar moderne, neuere Stadtteile mit glänzender Skyline – dort sitzen internationale Wirtschaftsprüfer, Finanzunternehmen und ausländische Investoren. Doch im alten Stadtkern von Nairobi hat sich wenig verändert. Eine instabile Stromversorgung ist nur eines der Probleme dort.

Viele Straßen haben keinen Namen, viele Häuser keine Hausnummer: Das macht die Orientierung schwierig und die Angabe einer Adresse im Notfall unmöglich. Die Notrufnummer 911 ist allerdings ein weiteres Problem, denn nur selten wird ein Anruf überhaupt entgegengenommen.

Unfall- oder Gewaltopfer sind also im Prinzip auf sich allein gestellt. Von den geschätzten 75.000 größeren körperlichen Übergriffen jährlich registrierten die Behörden nur ungefähr 20 Prozent – so eine Polizeistatistik von 2014. Die Gefahr für das eigene Leben ist nach wie vor hoch.

Sicherheitsapp mit ersten Erfolgen

Usalama ist inzwischen zu einem Netzwerk geworden, bei dem privatwirtschaftliche Anbieter aus verschiedenen Bereichen registriert sind, so dass zu einem Notruf schnell die passende Hilfe geschickt werden kann. Die Sicherheitsapp finanziert sich über diese Anbieter, die für ihre Registrierung bezahlen.

Leben

Updates abonnieren und Dossier "E-Mobility" gratis erhalten.

In den ersten sechs Monaten nach dem Start im August 2017 konnten bereits 2500 Notfalleinsätze vermittelt werden – also 2500 Menschen, denen geholfen werden konnte. Das nächste Ziel lautet, die Zahl der registrierten Hilfsanbieter von sieben auf zwanzig zu steigern, um dann Usalama im nächsten Schritt auch in anderen afrikanischen Ländern mit ähnlichen Infrastruktur-Problemen der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Gründer Ingenij sagt, der Markt ist riesengroß: 67 Prozent der Kenianer besitzen ein Smartphone und könnten die App nutzen, und in weiten Teilen von Afrika sieht es ähnlich aus. Nicht nur, dass das Smartphone ein zentrales Gerät für Kommunikation und Zahlungsverkehr ist, auch die Sicherheitsinfrastruktur ist in vielen Ländern verbesserungswürdig.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen