Elektromobilität

US-Forscher wollen Schulbusse als Stromspeicher nutzen

von Marten Zabel

Auf amerikanischen Straßen fährt eine riesige Flotte an Schulbussen: Elektrobusse könnten nicht nur CO2 sparen, sondern auch als Stromspeicher dienen.

Ein amerikanischer Schulbus an einer Haltestelle.
Rund 20 Stunden Standzeit haben Schulbusse in den USA. Foto: Shutterstock/Birute Vijeikiene

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Schulbusse in den USA zu rollenden Stromspeichern werden sollen
  • Welche Rolle der Elektrobus dabei spielt – und warum er den Dieselantrieb ablöst
  • Wie auch Privatpersonen mit diesem System Geld verdienen können

Schulbusse als rollende Stromspeicher

Jeden Morgen und jeden Nachmittag sind in den USA zehntausende von Schulbussen unterwegs. Doch wenn die Kinder in der Schule und später wieder zuhause sind, bleiben sie die meiste Zeit des Tages sowie während der Nächte irgendwo stehen.

Energieforscher und Start-ups wollen die Schulbusse nun als Stromspeicher für das amerikanische Versorgungsnetz nutzen. Dazu müssten sie zwar zu Elektrobussen umgerüstet werden, das Konzept könnte aber weltweit greifen: Kaum ein anderes Verkehrsmittel hat so lange Standzeiten.

Das Konzept nennt sich Vehicle-to-Grid, kurz V2G, und ist schon länger bekannt. Neu ist der Ansatz, eine riesige Flotte von Elektrobussen zu diesem Zweck auszustatten. Elektroautos werden – während sie an das Stromnetz angeschlossen sind – zu Aushilfsbatterien für Schwankungen im Verbrauch des Netzes.

So ist die Elektromobilität aktiv an der Energieproduktion aus erneuerbaren Quellen beteiligt. Das funktioniert vor allem dann, wenn viele Fahrzeuge mit großen Kapazitäten mitmachen – wie etwa eine landesweite Flotte an Schulbussen.

Der Elektrobus als Ersatz für Diesel

Schulbusse auf Elektroantrieb umzurüsten hätte nicht nur den Vorteil, dass die durchschnittlich täglich 20 Stunden Standzeit als Stromspeicher sinnvoll nutzbar sind. Fast alle diese Fahrzeuge fahren in den USA derzeit noch mit Dieselantrieb und sind alles andere als modern und sauber.

Tatsächlich ist die Belastung mit Dieselabgasen laut Forschern im Innenraum des Busses sogar noch schlimmer, als in der Luft um das Fahrzeug herum. Schlechte Nachrichten für die 25 Millionen Kinder im Land, die jährlich 62 Milliarden Meilen mit den klassischen gelben Bussen zurücklegen. V2G wäre eine gesunde Alternative.

Schulbusse sind nicht nur jeden Tag zur gleichen Zeit im Einsatz, sondern fahren auch zumeist keine sehr weiten Strecken. Entsprechend ist die große Schwachstelle Reichweite bzw. Tankzeit kein Hindernis für eine Umrüstung.

Kinder steigen in einen Schulbus.
Elektrobusse sind nicht nur für die Umwelt gesünder – auch die Kinder im Bus profitieren von der besseren Luft. Foto: Shutterstock / Monkey Business Images

Nicht nur in der Standzeit ein finanzieller Vorteil

Wirtschaftlich würde sich eine Umstellung der Busse schon jetzt lohnen. Die geringeren Betriebskosten würden den höheren Anschaffungspreis schnell wieder herausholen. Daneben wären Verträge mit Stromnetzanbietern vermutlich noch eine zusätzliche Einnahmequelle für die Betriebe. Entsprechend arbeiten in den USA schon mehrere der großen Hersteller von Schulbussen an der Elektrifizierung ihrer Fahrzeuge – und auch am Elektrobus als Stromspeicher während der Standzeit.

Historisch ist V2G als Konzept in drei Kategorien eingeteilt. Im Fall von Elektrobussen als Stromspeicher nutzen batteriebetriebene Fahrzeuge das Stromnetz im Regelfall zum Aufladen, speisen jedoch zu Stoßzeiten selbst wieder Strom ein. So unterstützen sie das Netz als Akkus ganz ähnlich wie etwa Energiespeicher in Form von Hausbatterien. Fahrzeuge mit Solar- oder Hybridantrieb könnten zudem genutzt werden, um selbst Strom zu produzieren, der ins Netz eingespeist wird.

Geld verdienen mit dem eigenen Auto

Erste Versuche im Feld sind äußerst positiv und auch für Privatnutzer interessant: Der an der Ostküste tätige Stromnetzbetreiber PJM Interconnection hat einen Testlauf mit elektrischen BMW Minis durchgeführt, bei dem die Nutzer an der Rückspeisung finanziell beteiligt wurden.

Im Durchschnitt verdiente dabei jedes teilnehmende Auto rund 100 US-Dollar im Monat. Ein durchschnittlich gefahrenes Elektroauto in den USA kostet im Jahr etwa 540 US-Dollar Strom – 1200 US-Dollar Einspeisungsgebühren würden also einen saftigen Gewinn für den Besitzer bedeuten.

Nach diesem Prinzip lässt sich übrigens auch hierzulande Geld mit dem Elektroauto verdienen.

Weltweite Projekte zum Thema V2G

Auch andere Länder testen das Konzept aktuell. In Japan sind die Nissan LEAF bereits als Hausbatterien nutzbar, eine Idee, die Ingenieuren nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima kam. In Dänemark soll Vehicle-to-Grid Flauten in der Windenergie auffangen; eine Technik, die derzeit in mehreren Projekten getestet wird. Großbritannien plant die Installation von Stromtankstellen, die entsprechende Funktionen aufweisen, und es gibt Pilotprojekte von Nissan und dem Stromanbieter Enel für V2G.

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Die Elektrifizierung des Straßenverkehrs wird trotz aller Hindernisse, die es derzeit noch zu meistern gilt, mittel- bis langfristig kommen. Dass davon auch der Strommarkt profitieren wird, ist ein Nutzen, der vielen noch nicht klar ist. Mehr Speicherkapazitäten am Netz bedeuten auch mehr Möglichkeiten für unzuverlässige, aber saubere und regenerative Energiequellen wie Sonnen- und Windenergie.

Sind erst einmal genügend Fahrzeuge am Netz, dürfte es dann ausreichen, nur die oberen fünf Prozent der Akkuladung als Stromspeicher zu nutzen. Das bedeutet für die Besitzer, dass sie den Unterschied nur auf dem Bankkonto, aber nicht bei der Reichweite merken würden.

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