Leben

Urlaub mit Baby – geht das? Sieben Lektionen aus Südafrika

von Anna Butterbrod

Kann man einem Kleinkind schon eine Fernreise zumuten? Ja, findet unsere Autorin. Sie tourte von Kapstadt aus mit Mann und Tochter durch Südafrika.

Kleines Mädchen schaut aus Auto auf Zebras
Auf Augenhöhe: Die kleine Ida (18 Monate) geht auf Safari in Südafrika – und zeigt, dass der Urlaub mit Baby auch eine Fernreise sein kann. Foto: Anna Butterbrod

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Südafrika sich super für einen Familientrip eignet
  • Wo Ihre Kleinen in Kapstadt ganz große Augen machen
  • Was man beim Urlaub mit Baby beachten sollte

Jede Reise öffnet Idas Herz ein bisschen mehr

Muss das sein? Ein so langer Flug? Beim Thema Urlaub mit Baby schlägt einem oft eine Welle der Entrüstung entgegen. Viele glauben, dass sowas einem kleinen Wesen nur schadet. Bei unserer Tochter haben wir das Gegenteil beobachtet: Ida flog schon im Alter von fünf Monaten nach Neuseeland. Heute ist sie 18 Monate alt und tritt allem Neuen offen und gespannt gegenüber. Sie freut sich über jede Begegnung (am meisten über die mit Tieren). Wir finden: Unsere Reisen haben sie nie überfordert, sondern eher gefördert.

Luftansicht von Kapstadt
Fernreise-Traum: Kapstadt ist die zweitgrößte Stadt Südafrikas – und für viele Ferienziel Nummer 1. Foto: Anna Butterbrod

Manche Schnäppchen kosten endlos Nerven

Vor Idas Geburt war es mein größter Spaß, im Internet nach Schnäppchen-Flügen zu suchen. Dreimal umsteigen? Kein Problem! Da ein Kind aber per se Nerven kostet, wollen wir diese schonen. Wir buchen einen Direktflug von München nach Kapstadt, inklusive Baby Bassinet. Das kostet alles extra – ist es aber wert! Ida schläft super, wir können an Bord in Ruhe essen und einen Film gucken. Den Mietwagen haben wir erstmals mit Navi bestellt. Wenn ich Ida während der Fahrt bespaße, habe ich keine Zeit, Richtungsansagen zu machen. Auch diese Investition lohnt sich – und bewahrt uns vor dem ein oder anderen Streit.

Es kommt keine Eiszeit. Wirklich nicht!

Beim ersten Urlaub mit Baby nahm ich viel zu viel mit. Damit Ida auch bei einer plötzlichen Eiszeit oder einem Orkan passend angezogen ist. Bisher trat keine dieser Extremsituationen ein. Zwiebellook tut's auch – oder ein Neukauf, wenn's sein muss. Heute packe ich weniger ein und gebe Dreckiges in die Reinigung. Eine Maschinenladung wird in Südafrika für rund fünf Euro oft noch am selben Tag sauber. Wirklich wichtig bei einem Südafrika-Trip: eine Kindermütze, die bei Wind auf dem Kopf sitzen bleibt, ein UV-Shirt und Badeschuhe fürs Laufen durch den heißen Sand. Viele Gadgets wie eine Babytrage kann man online leihen und sich zur Mietwagenstation bringen lassen – etwa auf babylite.co.za.

Mann und Baby zu Fuß in Südafrika
Wer braucht da schon eine Babytrage: Ida durchquert Südafrika (auch) auf den Schultern ihres Papas. Foto: Anna Butterbrod

Die Größe zählt – und der Zerstör-Faktor

Statt Hotelzimmer buchen wir am liebsten Apartments überAirbnb. Allerdings wählen wir jetzt nach anderen Kriterien aus. Wir brauchen unbedingt: viel Platz zum Rumrennen für Ida und einen Balkon, auf dem wir abends sitzen können, wenn sie schläft. Plus ein Kingsize-Bett, weil sie nachts noch oft zu uns will. Was nicht geht: viel zerbrechlicher Nippes und offene Regale – die räumt Ida sofort leer. Wenn wir doch mal ins Hotel gehen, muss es ein Restaurant und Super-Wlan bieten, dann können wir abends unsere Babyphone-App nutzen (das ging super im „Hilton Cape Town City Centre“).

Schön, wenn Eltern sich zum Affen machen

Kinder zu begeistern, ist in Südafrika ganz easy. Wir bauen viele tierische Attraktionen ein: Durch den „Addo Elephant Park“ darf man mit dem eigenen Wagen fahren und die Big Five im eigenen Tempo aufspüren. Der Besuch im „Monkeyland“, wo Affen frei herum laufen, kommt bei Ida auch gut an. Aber am schönsten findet sie es, wenn wir uns zum Affen machen – beim Lesen ihres Lieblingsbuches „Gute Nacht, Gorilla“, beim Malen schielender Hunde oder beim Kuchenbacken am Strand. Daher packen wir die Tage nie zu voll, um Zeit nur für uns zu haben.

Elefant in Südafrika
Schwergewicht: Kinder und Babys sind von Tieren leicht zu begeistern - und von Elefanten sowieso! Foto: Anna Butterbrod

Kapstadt alleine hätte wahrscheinlich auch gereicht

Ida passt sich durchs Reisen unserem Leben an. Und unsere Reisen passen sich ihrem Kopf an. Der nimmt vieles anders wahr. In Kapstadt tanzt und klatscht sie eine halbe Stunde lang vor einer Musikgruppe – an der wir vorbei gelaufen wären. Im Aquarium staunen wir über weiße Haie und streicheln Seesterne. Ohne Ida wären wir nie hineingegangen. Im neuen„Museum of Contemporary Art Africa“ lacht sie über von der Decke baumelnde Backsteine und chinesische Schriftzeichen auf dem Boden, die mir nicht aufgefallen waren. Dank Ida wird jedes Erlebnis intensiver. Daher hätten wir locker den ganzen Urlaub in Kapstadt verbringen können, ohne uns zu langweilen.

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Baby schaut Musikgruppe in Kapstadt an
Begegnungen: Bei der Musikgruppe in Kapstadt legt Ida eine halbstündige Pause ein. Foto: Anna Butterbrod

Ein süßes Baby schützt nicht vorm Überfall

Ein Kind ist ein Türöffner. Wir haben noch nie so einfach Leute kennengelernt, wie mit Ida an unserer Seite. Leider konnte ihr süßes Lächeln nicht das Herz von Kriminellen erweichen: Nach dreieinhalb Wochen voller schöner Stunden werden wir am letzten Urlaubstag in Kapstadt nahe des Aussichtspunktes Signal Hill überfallen. Um sieben Uhr morgens bedrohen uns zwei Männer mit einer Spraydose, die sie mir vor die Augen halten. Uns passiert nichts, doch mein Smartphone und die Kamera nehmen sie mit. Ein Erlebnis, das uns mahnt, mit Kind vorsichtiger zu sein. Aber ein Grund, nicht mehr so weit zu reisen? Nein. Dafür ist die Welt zu spannend. Und die positiven Erfahrungen überwiegen. Auch das soll Ida lernen.

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