Leben

Upcycling: Sieben spannende Produkte aus Müll

von Stefan Adrian

Upcycling ist viel mehr als immer nur Taschen aus alten Planen oder Tabakbeuteln. Wir präsentieren sieben spannende Ideen für eine nachhaltigere Welt.

Tasse aus Kaffeesatz
Upcycling mit Stil: Die Tassen von Kaffeeform werden aus altem Kaffeesatz hergestellt. Foto: Kaffeeform

Das erfahren Sie gleich:

  • Der Trend zum Upcycling schafft immer neue Designideen
  • Aus Kaffeesatz werden Tassen, aus alten Lebensmitteln wird Vodka
  • Auch große Firmen beteiligen sich zunehmend am Upcycling

Kaffeeform: Tassen aus Kaffeesatz

Zu Beginn einer jeden guten Idee mit Kaffee steht Italien. Hier verbrachte Produktdesigner Julian Lechner während seines Studiums nicht nur lange Nächte mit vielen Espressi, sondern schließlich auch mit der Frage: Was passiert eigentlich mit dem ganzen Kaffeesatz, nachdem wir unseren Espresso oder Cappuccino getrunken haben? Muss dieser immer im Müll landen? Die Frage führte nach dreijähriger Forschung zu der Erfindung von Kaffeeform-Tassen, die aus wiederverwertetem Kaffee-Abfall sowie nachhaltigen Rohstoffen hergestellt werden. Eine Werkstatt mit Menschen mit Behinderung übernimmt den Versand. Die Tassen sind spülmaschinenbeständig und bestechen nicht zuletzt durch elegantes Design.

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Misadventure & Co.: Vodka aus Resten

Vodka von Misadventure & Co.
Hoch die Flaschen: Aus altem Gebäck macht Misadventure & Co. neuen Vodka. Foto: Misadventure

Laut National Resources Defence Council landet 40 Prozent der in den USA angebauten Nahrungsmittel auf dem Müll, und etwa ein Fünftel der Mülldeponien ist voll von Essen, das verzehrt hätte werden könnte. Eine traurige Tatsache, der Bartender Whit Rigali und Agrarökonom Sam Chereskin bei einem Glas Whiskey nachgingen. Das Ergebnis ist ihr seit diesem Jahr erhältliche Vodka unter dem Namen Misadventure & Co., der altes Gebäck und Backwaren zu einer hochwertigen Spirituose verwandelt, in dem die noch vorhandene Stärke der abgelaufenen Ware extrahiert wird. Auf ihrer Website zitieren die beiden Gründer den Philosophen Sören Kierkegaard: "Life can only be understood backwards; but it must be lived forwards.”

akvola: Schmutzwasser den Kampf ansagen

Wasser-Aufbereitungsanlage von Akvola
Wasserwerk: Akvola bereitet salziges oder verunreinigtes Wasser zu Trinkwasser auf – und spart dabei bis zu 90 Prozent Energie. Foto: akvola Technologies

Nimmt man es genau, ist Wasser weder "Abfall" noch "Produkt", aber es wird so gehandelt und ist als Thema der Zukunft an Wichtigkeit kaum zu überbieten. Das dachten sich auch der Spanier Lucas León, der Israeli Matan Beery und die Deutsche Johanna Ludwig, die sich am Institut für Prozess- und Verfahrenstechnik der TU Berlin kennen lernten und 2013 akvola Technologies gründeten. Für das Start-up führt die Lösung einer langfristigen, nachhaltigen Wasserversorgung über die Entsalzung von Meerwasser und Abwasserrecycling. So stellt akvola Anlagen zur Wasserreinigung her, die auf einem patentierten Verfahren zur Aufbereitung von schwer behandelbaren industriellen Abwässern und Meerwasser beruhen. Damit wird sauberes Wasser mit bis zu 90 Prozent weniger Energieverbrauch gegenüber vergleichbaren Technologien gewonnen. 2016 gab es dafür den Water Innovation Award.

Ocean Sole: Das zweite Leben der Flip Flops

Spielzeug-Elefant von Ocean Sole
So bunt kann Upcycling sein: Aus alten Flip Flops wurde dieser Spielzeug-Elefant von Ocean Sole. Foto: Lorna Buchanan-Jardine/Ocean Sol

Flip Flops sind oft aus wasserunempfindlichem Kunststoffmaterial wie PVC hergestellt, dem Weichmacher beigemengt werden. Alleine Marktführer Havaianas stellt etwa 150 Millionen Paare weltweit her. Nicht schwer vorstellbar also, dass es sich bei den beliebten Sommertretern nicht um die umweltfreundlichsten Produkte handelt. Als die Badelatschen 1998 jedoch tonnenweise die Strände des kenianischen Kiwayu verschmutzen, hat Julie Church eine Idee: Sie sieht Kinder, die Spielzeug aus Flip Flops bastelten, und gründet Ocean Sole, das Spielzeuge und Kunstwerke aus den bunten Latschen herstellt.

Trash Design Store: Wiener Upcycling-Walzer

Hervorzuheben sind sicherlich die Möbel aus alten Waschmaschinentrommeln, die in neuem Licht erstrahlen - aber alles, was der Trash Design Store in Wien anfasst, ist die Unterstützung wert. Alle Produkte werden aus Teilen von Elektro- und Elektronik-Altgeräten des Demontage- und Recycling-Zentrums (DRZ) hergestellt und gemeinsam mit Menschen gefertigt, die schon des längeren auf Arbeitssuche sind. So werden sandgestrahlte Bullaugen zu Schüsseln oder Leiterplatten zu Notizbüchern und Handtaschen. Aber zurück zu den Waschmaschinentrommeln, die dem eigenen Zuhause einen einfachen, aber effektiven Hauch Industrie-Design verpassen: Wer sich zutraut, selbst welche zu verbasteln, kann sie auch über den Web-Shop einzeln kaufen oder sich zuschicken lassen.

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Parley for the Oceans & Adidas: Run, Baby, Run!

Turnschuh von Adidas mit Zwischensohle aus Meeres-Plastik
So wird ein Schuh draus: Die Zwischensohle dieser Adidas-Schuhe besteht aus Plastik, das aus den Meeren gefischt wurde. Foto: adidas

Jede Minute landet ein Müllwagen voll Plastik in den Ozeanen, und wenn wir wo weiter machen, überholt das Gewicht von Plastik in den Weltmeeren im Jahre 2050 das der Fischpopulation - Parley ist eine NGO von großteils Kreativen, die sich die Reinigung der Meere von Plastik zum Ziel gesetzt hat. Die erste Versammlung fand unter der Ägide von Julian Schnabel statt, seither sind als Unterstützer Namen wie Pharrell Williams, Doug Aitken oder Stella McCartney hinzu gekommen. Auch Firmen hat Parley von einer Zusammenarbeit überzeugt, wie etwa Adidas, die 2015 einen Schuh präsentierten, dessen Zwischensohle aus Meeresplastik im 3D-Druck gefertigt wurde. Im November 2016 gab es eine limitierte Auflage von 7.000 Stück, der zu 95 Prozent aus Plastikmüll bestand, wobei für ein Paar elf Plastikflaschen verarbeitet wurden. Seit dem Juni 2017 gibt es neue Modelle aus der Ultra-Boost-Serie, eine Millionen Sneaker sollen bis zum Ende des Jahres produziert werden.

Andreas Gröbel: Zur schönen Linde

Möbel aus alten Sportgeräten von "Zur schönen Linde"
Früher im Sportunterricht eine Qual, heute Lifestyle: "Zur schönen Linde" macht aus alten Sportgeräten Designermöbel. Foto: Zur schönen Linde/ Christian Ernst

Hinter dem Namen Zur schönen Linde verbirgt sich kein altes Gasthaus, sondern ein Upcycling alter Turngeräte auf hohem Design-Niveau: Andreas Gröbel haucht den alten, nach Leder und dem Angstschweiß tausender Schüler riechenden Geräten eine neue Seele ein. Das tut er zwar schon seit einigen Jahren, aber eben auf eine so charmante Weise, dass wir es hier trotzdem erwähnen wollen. Alte Turnmatten werden bei ihm zu Sitzwürfeln, alte Turnkästen zu Couchtischen oder alte Turnkästen mit Profilen und Beschlägen aus Edelstahl und Türen aus Siebdruck bzw. aus Schichtholz versehen. Wem beim Turnunterricht stets mulmig beim Anlauf war: Die Hürde dürfte bei diesen eleganten, individuellen Design-Unikaten wesentlich geringer sein.

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