Gesundheit

Unsterblichkeit: US-Startup will menschliches Gehirn konservieren

von Paul Bandelin

Im Silicon Valley sollen die Gehirne von sterbenskranken Menschen demnächst konserviert werden – und so alle Informationen darin erhalten bleiben.

Röntgenaufnahme des menschlichen Schädels und der Halswirbelsäule.
Ganz einfach zu durchschauen? Das Unternehmen Nectome glaubt, das menschliche Gehirn so weit verstanden zu haben, dass es die Informationen daraus weiterverwenden kann – und so eine Art von Unsterblichkeit zu schaffen. Foto: Shutterstock / Puwadol Jaturawutthichai

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie das Gehirn eines Verstorbenen weiter leben soll
  • Welche Informationen im menschlichen Gehirn erhalten bleiben
  • Wer noch an der Unsterblichkeit arbeitet

Wie das Gehirn eines Verstorbenen weiter leben soll

"Was, wenn wir Ihnen sagen, dass wir eine Sicherheitskopie von Ihrem Gehirn machen können?" Mit diesem Slogan wirbt das amerikanische Startup Nectome für seine Vision der Unsterblichkeit.

Die Macher versprechen, dass sie Gehirne so konservieren können, dass sie sich eines Tages auf dem Computer simulieren lassen. Der Nachteil: Die Betroffenen sterben bei dem Verfahren.

Das Unternehmen will eines Tages in der Lage sein, das Gehirn komplett zu scannen und eine Computersimulation davon zu erstellen. Sollte die Strategie aufgehen, wird irgendwann in einem Labor ein Wesen erwachen, dass möglicherweise eine gewisse Ähnlichkeit mit dem vorherigen Besitzer des Gehirns hat.

Das Unternehmen weist auf seiner Internetseite allerdings auch darauf hin, dass sich das Verfahren noch im Forschungsstadium befinde und weitere Entwicklung benötige. Und: Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat Anfang April 2018 bekannt gegeben, seine Zusammenarbeit mit Nectome zu beenden. Es ist also noch ein weiter Weg bis zur Unsterblichkeit des menschlichen Gehirns.

Welches Gesetz das Verfahren erlaubt

Um die Prozedur vollziehen zu können, muss das Gehirn frisch sein. Somit kommen vorerst nur Menschen mit einer tödlichen Krankheit infrage. An eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, bekommen sie eine bestimmte Einbalsamierungschemikalie durch die Halsschlagader gepumpt, während sie noch am Leben sind – natürlich narkotisiert. Im nächsten Schritt soll das Gehirn möglichst schnell entnommen und konserviert werden.

Die Menschen tauschen also gewissermaßen ihr Leben gegen die Konservierung ihres Gehirn. Das Ganze ist zwar moralisch diskutabel, juristisch gesehen aber hieb- und stichfest. Laut dem in Kalifornien 2016 verabschiedeten „End-of-Life“-Gesetz dürfen Ärzte Menschen mit einer tödlichen Krankheit bei deren Selbsttötung aktiv unterstützen. Diese Tatsache macht die angebotene Dienstleistung zumindest in Kalifornien legal.

Welche Informationen im menschlichen Gehirn erhalten bleiben

Welche Auswirkungen die jahrelange Konservierung wirklich auf das menschliche Gehirn haben wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Fraglich ist etwa, ob alle Erinnerungen erhalten bleiben, oder teilweise verblassen.

Zentral ist natürlich die Frage, ob die Persönlichkeit und ein Ich-Bewusstsein erhalten bleiben. Ken Hayworth, Neurowissenschaftler und Präsident der Brain Preservation Foundation, sagtr dazu: „Wenn das Gehirn tot ist, ist es wie mit einem ausgeschalteten Computer. Es heißt nicht, dass die Info gelöscht ist, sondern nur, dass sie im Moment nicht verfügbar ist.“

Es wird noch in meiner Lebenszeit möglich sein, das Gehirn zu digitalisieren. Ich nehme an, dass es in die Cloud hochgeladen wird.

Nectome-Mitbegründer Sam Altman

Zweimal hat das Experiment bereits an Tieren funktioniert. Bei je einem Hasen und einem Schwein konnte das Konnektom, also die Gesamtheit der Verbindungen des Nervensystems eines Lebewesens, samt seiner neuronalen Verbindungen so konserviert werden, dass sich jede einzelne Synapse mit einem Elektronenmikroskop studieren ließ.

Wer noch an der Unsterblichkeit arbeitet

Die von Nectome ausgearbeitete Idee ist nicht vollkommen neu. In Arizona bewahrt die Alcor Life Extension Foundation mehr als 150 Körper und Köpfe von Verstorbenen zu Forschungszwecken in flüssigem Stickstoff auf. Inwieweit die Biomasse mit dieser Methode beschädigt wird, lässt sich derzeit nicht seriös voraussagen. Möglicherweise ist sie bereits unbrauchbar, möglicherweise auch erst, wenn sie aus dem Stickstoff befreit wird.

Auch der russische Millionär Dmitry Itskov verfolgt mit seinem Forschungsprojekt „2045 Project“ das Ziel des ewigen Lebens.

Lesen Sie auch

Ladestation

aio-Empfehlung

Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

Nectome und Itskov könnten mit ihrem Ansatz verhindern, dass mit dem Sterben einer Generation auch ein Teil des kollektiven Wissens abhanden kommt. Mit dieser Technologie bestünde die Möglichkeit, Wissen in die nächste Generation zu übertragen und sie somit intelligenter und auch mächtiger zu machen.

Bei Nectome gibt es bereits eine Warteliste für Interessenten, die jeweils 10.000 Dollar bezahlt haben für den Fall, dass sie einmal eine tödliche Krankheit bekommen. 25 Menschen haben sich bereits angemeldet.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Gesundheit immer informiert.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen