Leben

Wir alle sind schon mal Elektroauto gefahren

von Gerd Blank

Elektroautos sind für Gerd Blank das normalste Fortbewegungsmittel der Welt, schließlich ist er mit einem aufgewachsen – dem Autoscooter!

Wir sind alle schon mal Elektroauto gefahren
Zündfunke: Der Autoscooter war bei den meisten von uns das erste Elektroauto, das wir jemals gefahren haben. Foto: Shutterstock.com/Vorm in Beeld

Das erfahren Sie gleich:

  • Mein erstes Elektroauto
  • Die Liebe begann auf der Kirmes
  • Eine Hommage an Autoscooter

Auf dem Hamburger Dom wurde ich zum Profi

Fast täglich kam ich bei der Kirmes vorbei und blieb Stunden am Autoscooter. Im Laufe der Zeit wurde ich zum Profi. Beispiel? Nur Anfänger kauften sich die Plastikmünze für eine Fahrt, bei mir klapperten gleich diverse Münzen – immer griffbereit – in meiner Tasche. War eine Fahrt vorbei, hielt ich bereits das nur hier gültige Zahlungsmittel bereit. Genauer: Ich griff die Münze mit dem Daumen und Zeigefinger meiner rechten Hand und hielt sie über dem Einwurf, damit ich sie beim Startsignal mit einem sanften Druck in den Schacht befördern konnte.

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Obwohl ich inzwischen Autos fahre, probierte ich es kürzlich noch einmal aus. Auf dem Hamburger Dom, das dreimal im Jahr stattfindende Volksfest mitten in der Stadt, ging ich wieder einmal zum Autoscooter. Ein vertrauter Anblick, nur alles viel kleiner als in meiner Erinnerung. Als Kind wirkte die Fläche so groß wie Fußballfeld, nun kam es mir vor, als würde ein großer Wohnzimmerteppich als Fahrfläche dienen. Am Rand der Bahn standen vor allem Typen – noch lange nicht im Führerschein-Alter. In mir erwachte das alte Feuer, ich wollte ihnen zeigen, wie man das beste Elektroauto der Welt über den Parcours lenkt. Also kaufte ich mir wieder ein paar Chips und tat so, als würde ich die Jungs nicht beachten.

Profifahrer auf der Kirmes

Ein paar Runden habe ich abgewartet und mir schon einen Wagen ausgesucht, dem ich die besten Fahreigenschaften zuschrieb. Schließlich bin ich quasi Profi-Scooter-Fahrer und erkenne, nein, erfühle sowas. Dann war es so weit, ich wollte nicht mehr warten: Die Musik hörte auf, und ich ging ruhig, aber mit energischen Schritten auf meinen favorisierten Wagen zu. Allerdings habe ich wohl die veränderten Größenverhältnisse etwas falsch eingeschätzt. War ich damals so viel kleiner als heute? Ganz klar: Mehr als eine Fahrt würde ich hier nicht ohne bleibende Schäden überstehen. Aber eine Fahrt, ja, das würde gehen. Und diese Fahrt würde großartig sein. Die Typen auf dem schmalen Steig am Rand würden Augen machen.

Ich bin mit dem Elektroauto verwurzelt

Ich war vorbereitet: Zwischen Zeigefinger und Daumen hielt ich lässig die Münze. Das Startsignal ertönte, ich drückte den Chip in den Schaft und legte dann blitzschnell meinen rechten Arm auf die Chromstange vor dem Fahrersitz – schließlich fahren Profis nur mit einer Hand. Die Musik setzte ein, ich tippte meinen rechten Fuß herunter – und nichts. Der Wagen stand wie verwurzelt. Schlimmer noch: Ich blockierte den Weg. Ein Mitarbeiter kam angelaufen und gab mir einen Schubs. Nur wenige Wagen fuhren herum, in den meisten von ihnen saßen ein paar Kinder. Und die Typen am Rand der Fahrbahn? Erst jetzt sah ich, dass sie die ganze Zeit mit ihren Smartphones beschäftigt waren. Sie wollten gar nicht fahren, sondern nur cool herumstehen.

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Das Surren beim Fahren, die direkte Übersetzung der Kraft.

Hoffentlich werde ich diesen Tag bald vergessen haben. In Erinnerung wird mir aber wahrscheinlich mein Leben lang bleiben, wie sehr ich dank Autoscooter mit Elektrofahrzeugen geradezu verwurzelt bin. Und dieses Gefühl ist bis heute geblieben. Das Surren beim Fahren, die direkte Übersetzung der Kraft, die gute Luft: Für mich sind das nach wie vor drei wesentliche Eckpfeiler für die perfekte Fortbewegung.

Von der Zukunft in die Realität

Inzwischen ist elektrisches Fahren auf der Straße längst keine Zukunftsmusik mehr. Im Gegensatz zum Autoscooter brauche ich keine Stromabnehmer-Stange mehr, die den Wagen mit Energie versorgt. Münzen sind ebenfalls nicht nötig, um die nächste Etappe zu fahren. Und an der Ampel, wenn ich bei grün jeden Benziner durch einen sanften Tipp meines Fußes hinter mir lasse, ist auch wieder dieses herrliche Gefühl da, es den anderen gezeigt zu haben. Die Zukunft, von der ich als Kind auf der Kirmes geträumt habe, sie ist endlich da. Nur die Sache mit dem Kollisionskurs habe ich mir inzwischen abgewöhnt.

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