Elektromobilität

Unfall im Elektroauto: Wie sicher ist die Batterie?

von Gertrud Teusen

Diese Frage ist lebenswichtig: Sind Insassen in einem Elektroauto so sicher wie in anderen Fahrzeugen – oder brennt bei einem Unfall sofort die Batterie?

Ein in sich zusammengefallener Airbag an einem Lenkrad.
Der Airbag schützt Insassen eines Autos bei einem Unfall – ob das Auto mit Benzin, Diesel oder Elektrizität läuft. Foto: Shutterstock / nikkytok

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie groß die Gefahr ist, dass ein Elektroauto brennt
  • Wie ein Batteriebrand abläuft
  • Wie Feuerwehrleute mit Elektroautos umgehen
  • Wie Autofahrer selber helfen können

So groß ist die Gefahr, dass die Batterie brennt

"Wenn so ein Elektroauto einen Unfall hat – brennt dann nicht sofort die Batterie?" Wer sich für die Elektromobilität interessiert, bekommt diese Frage von seinen Freunden und Bekannten sicherlich häufiger zu hören. Und tatsächlich ist in den Medien immer mal wieder von brennenden Elektroautos zu lesen. Aber wie sicher ist die Batterie im Elektroauto denn nun wirklich?

Grundsätzlich gilt: Elektroautos verfügen über einen Hochvolt-Gleichstrom-Speicher (meistens eine Lithium-Ionen-Batterie), der Energie elektrochemisch speichert. Diese Batterie schaltet sich im Falle eines Unfalls mit dem Auslösen des Airbags für gewöhnlich automatisch ab. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass E-Autos grundsätzlich genauso sicher sind wie herkömmliche Fahrzeuge.

So läuft ein Batteriebrand ab

Kritisch wird es dann, wenn sich die Batterie infolge eines sehr schweren Unfalls verformt. Die Zellen im Innern der Batterie könnten durch einen Crash überhitzen – es besteht Brandgefahr. Im Fachjargon spricht man von einem „Thermal Runaway“.

Ein Experte der ADAC Fahrzeugtechnik beschreibt es so: „Einzelne Zellen können durch innere Schäden überhitzen und die Antriebsbatterie dann thermisch ‚durchgehen‘“. Als Folge dieses „Thermal Runaway“ beginnt die Antriebsbatterie zu brennen und ist dann nur schwer zu löschen.

Ein Elektroauto bereitet mir weniger Sorgen als eines mit Benzinmotor.

Dr. Gerhard Hörpel, Batterieforschungszentrum MEET der Universität Münster

Allerdings ist solch ein Ereignis höchst selten und mittlerweile auch durch intensive Forschung und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen sehr unwahrscheinlich. „Batterieelektrische Autos sind sehr sicher“, sagt beispielsweise Dr. Gerhard Hörpel vom Batterieforschungszentrum MEET der Universität Münster.

Der Experte betont, dass eine korrekt gefertigte Batterie weder von allein noch beim Laden in Flammen aufgehe. Das Managementsystem verhindere eine Überladung. Das Batterieforschungszentrum MEET spielt in seinen Testreihen regelmäßig Szenarien durch, die möglich erscheinen.

So haben die Forscher beispielsweise auch den „Thermal Runaway“ genau unter die Lupe genommen. Beim sogenannten abuse-Test (abuse: Englisch für „Missbrauch“) wird ein Nagel durch Anode, Separatorfolie und Kathode getrieben und so ein abrupter Kurzschluss erzeugt. In den meisten Batteriezellen folgt dann, was die Wissenschaftler „Thermal Runaway“ nennen – es fängt an zu brennen. Aber eben nur langsam.

Auch der ADAC bestätigt nach diversen Testreihen mit verschiedenen Elektroautos: „Es hat sich bei unseren Crashtests nie ein besonderes Risiko herausgestellt. Hysterie ist unbegründet.“ Und die Prüfgesellschaft Dekra stellt fest, bei Batterien sei es seltener, dass sich ein Brand schnell ausbreite als bei Benzin oder Diesel.

So gehen Feuerwehrleute mit Elektroautos um

Ein Feuerwehrmann löscht ein ausgebranntes Auto.
Bei einem Unfall ist die Brandgefahr eines Elektroautos nicht höher als beim Verbrenner. Foto: Shutterstock / Jarp2

Feuerwehren müssen sich dennoch ständig weiterbilden. „Es ist für die Feuerwehr eine Herausforderung, dass beispielsweise die Batterie immer unter Spannung steht und man sie nicht abschalten kann“, sagt beispielsweise Georg Schwarzott von der Wiener Berufsfeuerwehr.

Zwar könne man die Kabel trennen, aber Fakt ist, dass von Hersteller zu Hersteller unterschiedliche Systeme verwendet werden. Dass es keine einheitliche Norm dafür gibt, bereitet der Feuerwehr Probleme. Tesla empfiehlt beispielsweise: „Sollte der Frontkofferraum des Tesla durch den Unfall blockiert sein, kann die Feuerwehr die Stromzufuhr mit einer 12-Zoll-Kreissäge trennen. Dazu muss man an der linken Hintertür an einer markierten Stelle der Türsäule einen 15,2 Zentimeter tiefen Schnitt sägen.“ Im Fall eines Notfalls: Too much information!

Und was ist mit Ersthelfern, also normalen Autofahrern, die einem Unfallopfer zur Hilfe eilen? Gibt es besondere Gefahren für sie? Die Antwort: In der Regel ist Erste Hilfe auch bei Fahrern von Elektroautos ohne erhöhte Gefahr für Leib und Leben möglich. Aber: Ist die Antriebsbatterie beschädigt oder liegen elektrisch leitende Teile offen, heißt es: Finger weg von orangefarbenen Leitungen und Hochvolt-Komponenten!

Ein Motor eines Elektroautos.
Die Batterie und die Hochvolt-Technik gelten als besonders gefährlich – dabei ist die Hysterie unbegründet, so der ADAC. Foto: Shutterstock / mujijoa79

So hilft die Rettungskarte im Auto

Doch auch Autofahrer selber können den Rettern helfen. Zwar verfügt die Feuerwehr in der Regel über Rettungsdatenblätter für alle Fahrzeugtypen. Besser ist es aber, wenn man die spezifische Rettungskarte für das eigene Fahrzeug gleich dabei hat.

Diese kann beim ADAC heruntergeladen (www.adac.de/rettungskarte) und sollte hinter die Fahrersonnenblende gesteckt werden. Retter können aus ihr entnehmen, wo im Fahrzeug sicherheitsrelevante Teile wie die Gaskartuschen für die Fensterairbags oder Hochvoltleitungen eingebaut sind. Die Information ist wichtig, wenn die Helfer ein Auto aufschneiden wollen, um eingeklemmte Insassen zu befreien.

  • Drucken Sie die Rettungskarte Ihres Fahrzeuges in Farbe aus, damit Problembereiche klar erkennbar sind.
  • Prüfen Sie anhand der Typbezeichnung und dem Foto, ob die ausgedruckte Rettungskarte Ihrem Fahrzeug entspricht. Es wird immer die maximal mögliche Airbagausstattung dargestellt.
  • Befestigen Sie die Rettungskarte nur hinter der Fahrer-Sonnenblende, denn dieser Ort wurde für Rettungskräfte international kommuniziert. Falten Sie sie vorher mit der bedruckten Seite nach innen, um ein Ausbleichen zu verhindern.
  • Aufkleber „Rettungskarte im Fahrzeug“ am linken oberen oder unteren Rand der Windschutzscheibe anbringen. Den Aufkleber gibt es in jeder ADAC-Geschäftsstelle.

Alle Hersteller und Importeure bieten mittlerweile die vom ADAC geforderten standardisierten Rettungskarten an.

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Fazit: Kein Elektroauto ist brandgefährlich

Wenn es zum Unfall kommt, dann ist man in jedem Fahrzeug potenziell gefährdet – aber Elektroautos weisen keine höhere Gefahr auf. So fürchten sich manche Feuerwehrleute mehr vor dem entzündlichen Kältemittel R-1234yf in der Klimaanlage.

Wie Sie im Falle einer Panne das Elektroauto korrekt abschleppen – oder abschleppen lassen – das lesen Sie ebenfalls bei aio.

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