Leben

Studie des AWI: Mehr Mikroplastik am Nordpol als jemals zuvor

von
Paul Bandelin

Umweltzerstörung auf neuem Höchststand: Eine Studie des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) zeigt, dass am Nordpol mehr Plastik im Meer ist als jemals zuvor.

Packeis am Nordpol.
Selbst im ewigen Eis am Nordpol ist der Plastikmüll bereits angekommen. Foto: Shutterstock / Maksimilian

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum die Umweltzerstörung in der Arktis auf einem neuen Rekordniveau ist
  • Wie die Zusammensetzung des gefundenen Mikroplastiks um den Nordpol aussieht
  • Warum Umweltbewusstsein in der Bevölkerung wichtig für die Zukunft ist

Umweltzerstörung in der Arktis auf Rekordniveau

Die Arktis ist voll. Zumindest voller als gedacht: mit Plastik und Mikroplastik unterschiedlichster Couleur. Eine Studie des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) im Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven brachte jetzt erschreckende Ergebnisse zum Vorschein.

Lesen Sie auch

Alternative Antriebstechnologien im Mittelpunkt

Nachhaltigkeit bei Audi

Alternative Antriebstechnologien im Mittelpunkt

Die Forscher fanden eine Rekordkonzentration von über 12.000 Mikroplastik-Teilchen pro Liter Meereis in Proben. 2014 und 2015 entnahm das Team, unter Leitung der Meeresbiologin Ilka Peeken, die Proben bei Bohrungen aus den Tiefen der Arktis. Danach untersuchten sie die Proben im Labor. Besonders erschreckend war für die Forschungsleiterin, dass die Konzentration zwei- bis dreimal so hoch war wie in früheren Tests.

Wobei sich die unerwartet hohe Konzentration im Vergleich zu früheren Studien höchstwahrscheinlich auch aus den valideren Analysemethoden ergibt. So führte das Team die Erhebung dieses Mal mit einem modernen Infrarot-Spektrometer durch, das auch Plastikteile detektiert, die nur ein paar Mikrometer groß sind.

Zusammensetzung des gefundenen Mikroplastiks im Meer

Die Forscher fanden nicht nur heraus, dass es sich um eine Rekordkonzentration an Mikroplastik handelt, sondern konnten auch die Zusammensetzung in großen Teilen entschlüsseln. An Bord des in Bremerhaven beheimateten Forschungsschiffes Polarstern entnahmen sie Proben in fünf Regionen rund um den Nordpol, um deren Beschaffenheit zu dekodieren.

Dabei wurde schnell deutlich, dass es zwei Hauptquellen gibt – eine amerikanische und eine eurasische:

  • Wohl vom Great Pacific Garbage Patch dorthin geleitet enthielten die Proben der amerikanischen Seite Spuren von Polyethylen, das in der Industrie vornehmlich für Verpackungen aller Art Verwendung findet
  • In der Sibirischen See fanden die Forscher zumeist Nylon, das beispielsweise von Fischernetzen stammt

Zwei Drittel der untersuchten Proben ließen sich in die kleinste ausgewiesene Kategorie einordnen. Diese besitzen eine Größe von maximal 50 Mikrometern. Darüber hinaus ließen sich insgesamt 17 verschiedene Kunststofftypen nachweisen, deren chemischer Fingerabdruck häufig auch Celluloseacetat aufwies, das sich unter anderem in Zigarettenfiltern finden lässt.

Umweltbewusstsein wichtig für die Zukunft

Wie viel Plastikmüll genau in den Weltmeeren schwimmt, lässt sich derzeit nicht mit Gewissheit sagen. Schätzungen zufolge gelangen aber jedes Jahr bis zu zehn Millionen Tonnen hinzu. Problematisch ist die Beantwortung der Frage vor allem, weil eine riesige Menge Jahr für Jahr Richtung Meeresboden wandert. Dort setzt sie sich im Sediment ab, ist für die Forscher nicht zu erfassen – und landet dann in unserer Nahrung.

Leben

Updates abonnieren und Dossier "E-Mobility" gratis erhalten.

Eine einzige Plastikflasche hat eine Lebensdauer von bis zu 450 Jahren, andere Verpackungen kommen gar auf 600 Jahre, und manch ein Produkt will sich überhaupt nicht auflösen. Um das Problem wirklich in den Griff zu bekommen, ist klar, dass die gesamte Welt an einem Strang ziehen muss. Die Menschen müssen Eigeninitiative ergreifen, und die Politik muss ebenso aktiv werden wie die Industrie.

Glücklicherweise gibt es bereits einige Ansätze, um das Plastik aus den Meeren zu entfernen.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen