Leben

Bio und Ökostrom: Wie grün ist Deutschland wirklich?

von Leonie Butz

Nachhaltigkeit, Bio-Lebensmittel oder Strom aus Erneuerbaren Energien: Umweltbundesamt und Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft ziehen Bilanz.

Umweltstudie: Wie Bio ist Deutschland?
Wie hoch ist der Marktanteil von Bio-Produkten in Deutschland? Eine Studie des Umweltbundesamtes legt konkrete Zahlen vor. Foto: Unsplash/ Thomas Richter

Das erfahren Sie gleich:

  • Studie zum Konsumverhalten der Deutschen: Sparsame Großgeräte sind beliebt, Bio-Textilien und Carsharing weniger
  • Der Strom in Deutschland wird grüner – bereits 36 Prozent stammen aus erneuerbaren Quellen
  • Mehr Bio bedeutet nicht automatisch weniger CO2-Emissionen

Bio-Marktanteil steigt

Ist Deutschland eine grüne Nation? Unter dieser Fragestellung untersuchte das Umweltbundesamt den Konsum der Deutschen. Dabei beschränkten sich die Forscher nicht auf Bio-Lebensmittel oder nachhaltige Kleidung – auch die Elektromobilität oder Aspekte wie Carsharing bezogen sie in ihre Studie mit ein. Bei der Betrachtung standen vor allem Bio-Siegel oder EU-Energielabel im Fokus. Hier untersuchte das Umweltbundesamt die Marktentwicklung – also welche Produkte 2017 häufiger gekauft wurden als zuvor und welche vielleicht sogar das Potenzial haben, konventionelle Produkte aus dem Markt zu drängen.

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Dabei zeigte sich, dass Nutzer ganz besonders dann auf ökologische Produkte umstellen, wenn für sie eine Geldersparnis entsteht. Bei energieeffizienten Haushaltsgroßgeräten wie Kühlschränken, Waschmaschinen oder Geschirrspülern etwa, die einen Marktanteil von über 60 Prozent haben. Ihr Erfolg lässt sich aber sicher auch aus der Gesetzeslage erklären: Denn das EU-Energielabel ist nicht optional für die Hersteller, sondern seit 2011 verpflichtend. Und auch Ökostrom wird hierzulande immer beliebter – mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent. Ein kleiner Anstieg ist ebenfalls bei Bio-Siegeln wie dem Blauen Engel zu verzeichnen: 17 Prozent der Hygienepapiere tragen das Label. Marktanteil und Umsätze haben seit 2012 leicht zugelegt.

Der Strom wird grüner

Und auch die Energie in Deutschland wird grüner. Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) hat gemeinsam mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ermittelt, dass 2017 wohl über 36 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland aus Erneuerbaren Energien stammen. Bis Jahresende sind das fast 217 Milliarden Kilowattstunden. Das sind 30 Milliarden kWh mehr als noch im Vorjahr. Prozentual verzeichnet die Offshore-Windkraft dabei den größten Anstieg von fast 50 Prozent auf 18 Milliarden kWh. Einen riesigen Sprung machte auch die Onshore-Windkraft von knapp 66 auf rund 87 Milliarden kWh. Insgesamt mit knapp 40 Prozent Anteil bleibt die Windkraft noch immer der größte Lieferant Erneuerbarer Energien. 24 Prozent nimmt Biomasse ein, 18 Prozent die Sonnenenergie. Jetzt, so erklärt der Bundesverband, müsse unter Hochdruck an den Nord-Süd-Leitungen gearbeitet werden, die den Strom aus Windenergie von Schleswig-Holstein bis nach Bayern bringen sollen.

Mehr Bio, mehr CO2-Emissionen

Mit einigen Startschwierigkeiten steht derzeit noch der Markt für Bio-Lebensmittel da. Nutzer geben zwar an, dass sie bereit sind, für nachhaltige und biologische Lebensmittel mehr auszugeben. Und auch die Anzahl der Bio-Märkte steigt merklich. Trotzdem liegt der tatsächliche Anteil von biozertifizierten Lebensmitteln auf dem deutschen Markt derzeit nur bei fünf Prozent. Noch schlechter stehen es derzeit um Bio-Textilien – sie haben einen verschwindend geringen Anteil am Kleidungsmarkt.

Die Richtung stimmt, aber der Umsatz mit umweltfreundlichen Produkten wächst zu langsam.

Mehr Bio, mehr CO2-Emissionen
Obwohl in allen Bereichen mehr Bio auf dem Markt ist, steigen die CO2-Emissionen trotzdem stetig. Der Bio-Wandel geht vielen Experten zu langsam. Foto: Unsplash/markusspiske

Dr. Michael Bilharz, der an der Studie mitwirkte, macht vor allem die hohen Preise und die geringe Verfügbarkeit von nachhaltiger Kleidung dafür verantwortlich. Hier sieht er den größten Handlungsbedarf. Um die Nachfrage anzukurbeln, müssten die Produkte konkurrenzfähig werden: "Reparaturen von Elektrogeräten und auch Reparaturen von Textilien müssen günstiger sein als der Neukauf entsprechender Produkte."

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Ein ähnliches Nischenprodukt stellt mit 0,1 Prozent Marktanteil übrigens auch das Carsharing dar. Das von vielen Experten als Transportmittel der Zukunft gerühmte Konzept will in Deutschland nicht so richtig Fuß fassen. "Die Richtung stimmt, aber der Umsatz mit umweltfreundlichen Produkten wächst zu langsam", betont UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

Ob die Produkte teurer oder günstiger werden sollten, darüber herrscht auch bei den Experten Uneinigkeit.

Der Marktanteil von grünen Produkten wächst zwar, trotzdem stagnieren oder wachsen die CO2-Emissionen des Konsumsektors. "Unser Konsum trägt ganz wesentlich zu Umweltbelastungen bei, daher sollten die Umweltkosten eingepreist werden", so Krautzberger. Dies wird sowohl im Verkehr als auch im Lebensmittel-Sektor deutlich. Obwohl die CO2-Belastung durch Autos selbst sinkt, steigt die Belastung durch die Luftfahrt so deutlich, dass seit 2008 ein Anstieg von 0,4 Prozent zu verzeichnen ist. Noch massiver zeigten sich die CO2-Emissionen durch den Fleischkonsum: Mit rund neun Prozent ist hier der Anteil deutlich gestiegen. Mehr Bio ist also aus Sicht des Umweltbundesamtes wünschenswert – ob die Produkte teurer oder günstiger werden sollten, darüber herrscht jedoch auch bei den Experten Uneinigkeit.

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