Elektromobilität

Umbau zum Elektroauto: Einfacher als gedacht?

von
Thomas Pitscheneder

Der Weg zum Elektroauto führt nicht zwangsläufig über einen Neuwagen. Per Umrüstung lassen sich bestehende Fahrzeuge elektrifizieren.

Ein Auto auf der Hebebühne, beim Umbau zum Elektroauto.
Immer mehr Werkstätten bieten einen Umbau von Verbrennern zum Elektroauto an. Foto: Shutterstock / Paparacy

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Fahrzeuge sich in Elektroautos umbauen lassen
  • Was es für den Umbau braucht
  • Wie es sich mit Versicherung und Zulassung verhält

Wer ein Elektroauto haben möchte, aber bereits ein Auto besitzt, steht meist vor einem Problem. Ist der Wagen noch nicht besonders alt, fällt die Trennung schwer. Zudem scheint der Weg über einen Verkauf mit anschließendem Neukauf oder Leasing eines Fahrzeugs mit Elektroantrieb zu umständlich.

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Doch es gibt eine Lösung: Nicht nur Klassiker, sondern auch aktuelle Autos und Youngtimer lassen sich umbauen. Doch wie funktioniert das, wer macht es, wie hoch sind die Kosten und was sagt der TÜV dazu?

Das Thema Elektromobilität gewinnt nicht zu Unrecht an Bedeutung. Die Vorteile von elektrischen Motoren im Vergleich zu Verbrennungsmotoren sind groß. Sie arbeiten effizienter, kosten im Unterhalt weniger, müssen seltener in die Werkstatt und sind schonender für die Umwelt – viele gute Gründe für einen Umbau.

Elektroauto-Umbau: Diese Fahrzeuge eignen sich

Zunächst die schlechte Nachricht: Nicht jedes Auto eignet sich für einen Antrieb mit Strom. Zuvor sollte der Besitzer klären, ob die Ausstattung mit einem E-Motor nicht das zulässige Gesamtgewicht überschreitet. Eine weitere Schwierigkeit ist der Platzbedarf. Zwar ist ein Elektromotor an sich nicht sonderlich groß, dafür nehmen die Akkus viel Platz ein.

Betroffen sind von diesen Punkten meist neue Autos, da sie mit vielen modernen Systemen ausgestattet sind, die einen großen Teil der potenziellen Baufläche vereinnahmen. Bei alten Autos ist oft mehr Platz in Motorraum und Karosserie. So bleibt mehr Raum für E-Antrieb und Batterie. Zum Glück gibt es Unternehmen, die für einige moderne Modelle passende Lösungen anbieten.

Elektrofahrzeug: Immer mehr Umbausätze am Markt

Gewinnt eine Antriebstechnik an Beliebtheit, sind darauf spezialisierte Firmen meist nicht weit. Das Elektroauto ist da keine Ausnahme. Bereits seit ein paar Jahren baut etwa der Gabelstapler-Hersteller Linde zusammen mit Karabag den Fiat 500 zu einem Elektro-Flitzer um. Dabei greift das Unternehmen auf Technik aus den eigenen Flurförderzeugen zurück.

Auch die Firma Lorey Maschinenbau hat sich auf Elektroautos spezialisiert, konzentriert sich dabei jedoch mehr auf Old- und Youngtimer. Im Land der großvolumigen V8-Motoren und Pick-ups entwickelte sich in den vergangenen Jahren schnell ein Markt für Umbauten. So gibt es etwa ein komplettes Kit für den Mazda MX-5 und sogar die Elektromotoren von Tesla lassen sich dort bestellen.

Noch etwas weiter treibt es die Brusa Elektronik AG aus der Schweiz. Zu deren Portfolio gehören mehrere elektrische Antriebe für Kompaktwagen mit einer Leistung von bis zu 100 Kilowatt (kW), Mittelklassefahrzeuge mit bis zu 150, E-Sportwagen mit bis zu zweimal 180 und Motorräder mit maximal 50 kW.

Abschrecken dürften viele Interessenten jedoch die Preise. Ein einfacher Elektromotor für das Auto schlägt bereits mit rund 5.000 Euro zu Buche. Ein professioneller Umbau bei Brusa beginnt erst bei gut 17.000 Euro und reicht bis zu knapp 55.000 Euro.

Wichtige Teile wie Ladegerät, Kabel und Akku kosten meist extra. Wer die Reichweite erweitern will, zahlt zusätzlich drauf. In solchen Fällen kann sich ein neues Elektroauto oder ein Gebrauchter in gutem Zustand mehr lohnen.

Klappt es auch im Eigenbau?

Wollen Bastler lieber selbst Hand anlegen, brauchen sie in erster Linie zwei Dinge: viel Zeit und das nötige Know-How. Das eigene Auto umzubauen ist immer mit einem großen Risiko verbunden. Die Garantie der Hersteller verfällt, Vertragswerkstätten helfen im Schadenfall oft nicht mehr weiter oder die Reparaturen sind teuer. Sparen lässt sich mit einem solchen Fahrzeug also nur bedingt.

Wer es dennoch versuchen möchte, sollte einen langen Einkaufszettel für die Komponenten schreiben. Neben einem geeigneten Motor braucht es...

  • einen Adapter für das Getriebe
  • Akkus
  • eine Steuerung
  • neue Pumpen für Servolenkung und Bremskraftverstärker
  • ein On-Board-Ladegerät
  • ein Batteriemanagementsystem
  • einen DC/DC-Wandler
  • einen DC/AC-Wandler
  • zusätzliche Anzeigen für den Akkustand
  • Kabel mit großem Querschnitt
  • eine Ladestation
  • Montagematerial

Beim Kauf des Akkus lässt sich sparen, denn für kurze Stadtfahrten reichen kleinere Batterien.

Je größer die Batterie, desto schlechter die Ökobilanz. In einigen Anwendungsfeldern können deshalb Fahrzeuge mit einer kleineren und damit umweltfreundlicheren Batterie von 20 Kilowattstunden sinnvoll und ausreichend sein.

Christian Förster, Projektleiter Elektromobilität der TÜV Nord Group

Was nach viel Arbeit klingt, ist es auch. Alleine um alle Teile richtig zusammenzusetzen, bedarf es viel Vorwissen. Wer keinen Bausatz kauft, muss sich auf Anleitungen aus dem Internet verlassen.

Aufgrund von Spannungen um 400 Volt besteht außerdem bei allen Arbeiten Lebensgefahr. Wer sich beim Umbau seines Fahrzeugs nicht sicher ist, sollte also unbedingt die Finger davon lassen.

So läuft es mit der Versicherung

Wer aus seinem Auto ein Elektrofahrzeug gemacht hat, sollte seine Versicherung informieren. Zwar bietet die in der Regel keinen speziellen Tarif für das E-Auto an, bietet jedoch eine Zusatzleistung. Die Akkus sind schließlich nicht im bestehenden Teil oder Vollkasko-Tarif aufgeführt.

Um im Schadenfall nicht auf hohen Kosten sitzen zu bleiben, sollte der Elektroautobesitzer diese Option in den Vertrag aufnehmen. Dadurch steigt der Beitrag natürlich ein wenig.

E-Umbau: Das sagt der TÜV dazu

Bei einer Abnahme des Umbaus durch den TÜV bedarf es einer Prüfung der Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV). Dabei geht es darum, dass die Magnetfelder des Motors keine anderen Geräte beeinflussen und auch selbst nicht beeinflussbar sind.

Die Kosten einer solchen EMV-Prüfung errechnet die Prüfstelle auf Anfrage. Beträge im fünfstelligen Bereich sind für die Zulassung allerdings möglich. Schnell geht die Prüfung in der Regeln nicht, sondern nimmt viel Zeit in Anspruch.

Gerade bei einem Eigenbau ist zudem damit zu rechnen, dass das Elektroauto beim ersten Vorfahren nicht durch die Prüfung kommt. Das führt zu Folgekosten.

Fazit

Der Traum vom Elektroauto ist zwar realisierbar, aber mit vielen Fallstricken verbunden. Die größte Hürde ist die bauliche Veränderung des Fahrzeugs.

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Zum Glück gibt es dafür jedoch immer mehr Werkstätten, die sich darum kümmern. Je nach Kapazität der Batterie ist mit geringer Reichweite zu rechnen, was für den Stadtverkehr jedoch nicht weiter schlimm ist.

Die Kosten für Teile zum Umrüsten, Beiträge bei der Versicherung und die Abnahme beim TÜV sind hoch – je nach Modell und Elektroantrieb zwischen 20.000 und 60.000 Euro. Ein neues Elektroauto ist da oft günstiger.

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